Drei Epochen Aarauer Schmuckgeschichte geprägt

Widmer Goldschmied ist 100 Jahre alt geworden. Drei Generationen haben dabei drei Epochen Aarauer Schmuckgeschichte miterlebt und geprägt. Dieses seltene Jubiläum wurde vergangenen Samstag mit einem grossen Fest gefeiert.

Dankbar und sehr gerührt zeigten sich Thomas und Susanne Widmer als sie sahen, wie viele Freunde, Verwandte, Berufskollegen und Kunden an die Jubiläumsfeier von Widmer Goldschmied kamen. Zusammen mit ihren Gästen schauten sie zurück auf 100 Jahre Widmer Goldschmied und damit auch drei Generationen, welche die Aarauer Schmuckgeschichte erlebten und prägten.

Fritz Widmer und der Silberhof Es war 1917, als Thomas Widmers Grossvater Fritz ein Geschäft für Silberschmiede an der Laurenzentorgasse eröffnete. Genau dort, wo sich heute das «Passion du vin» befindet. «Das hätte meinem Grossvater gefallen, denn er war ein Geniesser», so Thomas Widmer am Jubiläumsfest. Nach dem Umzug in das neu erbaute Postkaufhaus ergab sich für die Widmers die grosse Chance zum Kauf der ehemaligen Mädchenschule am Graben. «Mit diesem Kauf gingen meine Grosseltern ein Risiko ein, denn der Graben war als Geschäftsstrasse überhaup noch nicht entwickelt», berichtet Thomas Widmer.

Doch sie packten die Chance und liessen das Haus umbauen, so wie es sich auch heute noch von aussen präsentiert: Der Silberhof war entstanden. Und genau in diesem Gebäude haben drei Generationen gelebt und Dinge geschaffen. «Dieser Bau, verkörpert ein Stück Identität für unsere Familie und unsere Firma», sagt Thomas Widmer und blickt zum Silberhof.

Goldschmied Fritz Widmer brachte das Geschäft mit silbernem Tafelgeschirr in Schwung. «Er war ein Meister in der Hammertechnik», erzählt Thomas Widmer. So kreierte Fritz Widmer Stücke für die Weltausstellung in Paris wie auch die Landesausstellung in Zürich. Und auch die Affenfigur aus Kupfer an der Front des ehemaligen Affenkasten ist in der Werkstatt des Silberhofs entstanden.

Grenzen überschreiten Fritz Widmer war überzeugt, dass sein Sohn Ruedi nicht zum Goldschmied taugt. Zu gross seien seine Hände für diesen Beruf. «Er hat sich geirrt», sagt Thomas Widmer mit einem Lächeln auf den Lippen. Schon während seiner Lehre sorgte seine Mutter dafür, dass er nach Genf gehen konnte, um dort in den Ateliers zu lernen. «Für meinen Vater war diese Genfer Zeit eine grossartige und so hat später auch mich das Genfer Virus gepackt», so Thomas Widmer. «Grenzen überschreiten, Neues entdecken und Wissensdurst stillen gehörte schon immer zu unserer Familie», sagt Thomas Widmer.

Das Glück mit den Frauen Doch nicht nur diese Neugierde brachte drei Generationen Widmer zu ihrem Glück. Es waren auch die Frauen, die massgelich zum Erfolg von Widmer Goldschmied beitrugen. «Es waren Rosa Baumann, Doris Meckelbach und meine Frau Susanne Gerber die ihre Eigenschaften in Familie und Firma eingebracht haben. Wir wären ohne sie nicht 100 Jahre über die Runden gekommen», widmet Thomas Widmer seinen Dank an Grossmutter, Mutter und Ehefrau.

Schaufenster wiederspiegeln Geschichte Passend zu diesem geschichtlichen Hintergrund von Widmer Goldschmied, durften auch die Schaufenster eingeweiht werden. Zu jeder Generation Widmer gab es ein passendes Schaufenster. Das vierte Schaufenster gehört der Zukunft. Einer Zukunft, die wahrscheinlich nicht mehr Widmer heissen wird. Denn beide Kinder von Susanne und Thomas Widmer haben andere Wege eingeschlagen. Am Ende der Widmer Generation im Silberhof war an diesem Tag jedoch gar nicht zu denken, denn es war Zeit um anzustossen. Anstossen auf die vergangenen 100 Jahre und auch auf die Jahre, die noch kommen werden.