40 Tonnen Schilf aufs Dach

Es ist in vielerlei Hinsicht eine spektakuläre und nicht alltägliche Baustelle: Das grösste Strohdach der Schweiz steht in Kölliken und wird derzeit neu eingedeckt. Dazu brauchen die Profis aus der Schweiz und Holland etwa drei Monate und 40 Tonnen Schilf.

Daniel Rau tigert um sein Strohdachhaus. «Ich könnte den Arbeitern auf dem Dach den ganzen Tag zuschauen!», schildert er. Seit 2002 ist das Strohdachhaus an der Schönenwerderstrasse in seinem Besitz. Das Dach des Bauernhauses mit Baujahr 1800 ist mit 900 m2 mit Abstand das grösste Dach aus Stroh der Schweiz. Jetzt muss es komplett neu eingedeckt werden. Letztmals war dies vor rund 40 Jahren der Fall.
In der Schweiz gibt es nur eine Firma, die das kann. Die «Ber4roof» von Andreas Bergamini aus Lausen (BL) macht dies seit 1984. «Rund drei Monate brauchen wir, um das gesamte Dach abzudecken und neu einzudecken», erklärt Bergamini, der das Handwerk – wenn wunderts – in Holland gelernt hat. Für die Phase des neu eindeckens hat er Verstärkung aus Holland engagiert. Vier Männer aus den Niederlanden legen ein Tempo an den Tag, welches Bergamini, den Hausbesitzer und zahlreiche Zaungäste begeistert. «Wir machen das jeden Tag», sagen die Holländer und schildern, dass in ihrer Heimat auch heute noch sehr viele neue Häuser mit modernster Architektur Strohdächer erhalten. Respektive Schilfdächer. 40 Tonnen Schilf aus Holland kommen bei Daniel Rau aufs Dach. Für die Firstpartie wird einheimisches Roggenstroh verwendet. Die Denkmalpflege, die 80 Prozent der Kosten übernimmt, lehnte die geplanten halbrunden Firstziegel ab.
«Im Strohdachhaus lebt es sich wunderbar», schwärmt Daniel Rau, «im Sommer, wenns heiss ist, haben wir im Haus drin angenehm kühl – dann sind wir die glücklichsten Menschen.»
Das neue Dach sollte gemäss den Profis die nächsten 50 Jahre halten.