
2 | Der Landanzeiger Nr. 4 · Donnerstag, 26. Januar 2012 AargauerSchulreformen unterschiedlichaufKurs Der Aargauische LehrerInnen- Verband (alv) akzeptiert die Verlän- gerung der Primarstufe um ein Jahr und begrüsst die verbesserten Rah- menbedingungen an der Volksschule. Er empfiehlt «Stärkung der Volks- schule Aargau» zur Annahme. Er bedauert hingegen das Scheitern der SPG-Revision zur Einführung von Betreuungsstrukturen und wird zur Verwirklichung dieser Zielsetzung eine neue Initiative lancieren. Die Verlängerung der Primarstufe, be- ziehungsweise die Verkürzung der Oberstufe um ein Jahr, ergibt sich zwin- gend aus der schweizerischen Bundes- verfassung. Der alv (mitAusnahme des Verbands der Bezirkslehrpersonen) ak- zeptiert dies. Er ruft aber in Erinnerung, dass diese Umstellung für viele Lehr- personen zum Verlust der angestamm- ten Stelle führt. Nur mit optimalen Überführungsbestimmungen wird es gelingen, die gekündigten Oberstufen- lehrpersonen von einer Abwanderung in einen anderen Kanton abzuhalten. Der KantonAargau ist dringend auf die Weiterbeschäftigung dieser Lehrperso- nen an der Primarstufe angewiesen, denn der Lehrpersonenmangel zeigt sich imAargau zunehmend bedrohlich. Die Verlängerung der Primarstufe kann zu einer verbesserten Integration und zu einem besseren Bildungserfolg füh- ren, vor allem von Kindern aus benach- teiligten Familien. Doch die Vorausset- zung dazu ist die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen der 6. Primar- klasse, auf die der alv höchsten Wert legt. Das Obligatorium des Kindergartens, verbunden mit dem Angebot von schu- lischer Heilpädagogik, die Senkung der Klassenhöchstgrenze, die Zusatzlektio- nen und die Time-out-Schulung stellen Verbesserungen der Volksschule dar, die der alv begrüsst. SPG-Revision Der alv bedauert den chaotischen par- lamentarischen Prozess zur Verwirkli- chung von ausserfamiliären Betreu- ungsstrukturen, der schliesslich in ei- nem Scherbenhaufen endete. Er hält an der Notwendigkeit von Betreuungs- strukturen als freiwillig nutzbares An- gebot für alle Kinder fest. Betreuungs- strukturen sind ein günstiges Mittel zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie erweisen sich zudem immer klarer als ein hoch wirksamer Ansatz, um das Bildungshandicap von Kindern aus be- nachteiligten Familien zu reduzieren. Der alv wird eine neue Initiative lancie- ren, damit endlich auch im KantonAar- gau allen Kindern und deren Eltern zeitgemässe Betreuungsstrukturen von guter Qualität zur Verfügung gestellt werden. 100 Jahre Katholischer Frauenbund Aarau KFA «DiekatholischeFrauenweltdarf nichtlängerbeiseitestehen» Zum Start seines 100-Jahr-Jubiläums hat der Katholische Frauenbund Aarau KFA am Samstagmittag ein Gespräch unter dem Titel «Innenwelt – Aussenwelt» mit anschliessendem Apéro organisiert. Der Publikumsaufmarsch im Grossratssaal Aarau war gross. Aarau | Arlette Marti-Gertiser, die Prä- sidentin des Katholischen Frauenbun- des Aarau KFA, erinnerte in ihrer Be- grüssung daran, dass die Organisation ohne die Frauenbund-Vorgängerinnen heute nicht das wäre, was sie ist. «Mit der heutigen Geburtstagsfeier und mit der Herausgabe der Festschrift «100 Jahre Katholischer Frauenbund Aarau KFA» wollen wir einen dankbaren Blick zurück werfen und damit unseren Vor- gängerinnen unsereAchtung und Wert- schätzung für ihre grossen Verdienste ausdrücken», so Marti. Irmeline Gehrig-Borner, ehem. Gross- rätin und ehem. Vorstandsmitglied des Katholischen FrauenbundsAarau erin- nerte daran, dass eine Spezialität des Aarauer Vereins während etlicher Jahre der «Treffpunkt Frau» war, der gerade jüngere Frauen mit vielen Angeboten ansprach. «Nicht nur die Auseinander- setzung mit religiösen und aktuellen gesellschaftlichen Fragen war wichtig, sondern auch praktische Angebote wie Spielgruppe und Kinderhütedienst während der Gottesdienste», so Gehrig. Das Motto des Initiativkomitees zur Gründung des Schweizerischen Katho- lischen Frauenbundes SKF, ebenfalls 1912, war: «Nicht länger darf die schweizerische katholische Frauenwelt beiseite stehen.» Dem Thema der Jubiläumsveranstal- tung «Innenwelt –Aussenwelt» ging das Podiumsgespräch mit Susanne Brun- ner, Gesprächsleiterin des «Tagesge- sprächs» von SRF, und Sr. Ingrid Grave, Dominikanerin und ehemalige Mode- ratorin der Sternstunden auf SF1, nach, das von Bea Stalder, ehemalige Journa- listin bei Schweizer Radio, moderiert wurde. Zum Schluss gratulierte Sr. Ingrid Grave dem Frauenbund dazu, dass er immer wieder den Mut zeigte, auch heisse Eisen – wie etwa die Homosexualität – aufzu- greifen. Und Susanne Brunner wünsch- te, dass genau das, was der Frauenbund erreicht habe, auch in den Medien noch mehr herausgestrichen werden könnte. Und dass Themen angeboten würden, die zur Innenwelt führen, die nachher die Aussenwelt prägten. PD JugendlicheimSuhren-und Ruedertalbaldbesserbetreut Die Bedarfsanalyse für ein regionales Jugendarbeitskonzept von elf Gemeinden im Suhren- und Ruedertal wurde erarbeitet und der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Staffelbach | Die Jugend einfach sich selbst zu überlassen war gestern. Heute braucht es mehr. Aber was genau? Da gehen die Meinungen doch sehr weit auseinander. Auseinander gehen die Meinungen denn auch wenn es um die Kosten geht. Die beiden für die Be- darfsanalyse verantwortlichen Jugend- arbeiter Lukas Vogt undArsène Perroud stellten anlässlich eines Info-Abends in Staffelbach dieseAnalyse im Detail vor. Diese Arbeit war sehr intensiv und bei- gezogen wurden sowohl Erwachsene wie auch die betroffenen Schüler. Mit der Methode «World café» standen vor allem die erwachsenen Vertreter der Gemeinden im Einsatz. Dabei versuch- te man die Bedürfnisse und Wünsche zu eruieren. Daraus geleitet wurden bereits erste Erkenntnisse, beispiels- weise strukturelle Fragen, der Stellen- wert der offenen Jugendarbeit und die Ausrichtung der Jugendarbeit und die Aufnahme der Angebote. Nach den Erwachsenen waren die Ju- gendlichen an der Reihe. Auch sie soll- ten ihre Wünsche darlegen können. Alle konnte man zwar nicht befragen, aber immerhin konnten sich 40 bis 50 SchülerInnen äussern, was ein gutes Bild ergab.An einem Poster mit geogra- fischer Karte konnten sich die Jungen verwirklichen. Dabei versuchte man auch herauszufinden, wo die Jugendli- chen heute die Freizeit verbringen. Be- liebte Treffpunkte heute sind die Schul- häuser, die Volg-Läden, die Badi, die Vereine, der Bahnhof oder dann ein Treff mit anderen zu Hause. Die Wünsche der Jungen sind sehr klar. An der Spitze steht ein Jugendhaus oder ein Jugendtreff gefolgt von einer Disco oder Räumlichkeiten für verschiedene Freizeitnutzungen. Die offene Jugendarbeit soll eine inne- re Struktur mit drei Standorten erhal- ten. Der eine ist in Schöftland, die an- deren im Bereich oberes Suhrental und der dritte im Ruedertal. Struktur soll nun folgen Die Resultate aus den Workshops und den Befragungen sollen nun mithelfen, die offene Jugendarbeit richtig zu struk- turieren und ein tragfähiges Umset- zungskonzept zu erstellen. Eine spezi- elle Projektgruppe bestehend aus den Vertretungen der Gemeinderäte wird nun ausgearbeitet. Klar ist darin auch eine Betreuung vorgesehen. Gerechnet wird aller Voraussicht nach mit 200 Stellenprozenten, aufgeteilt in drei Ar- beitskräften. Bereits Ende Mai soll die Arbeit der Projektgruppe beendet sein, so dass entsprechende Anträge an die Sommergemeindeversammlungen ge- langen können.An den Budgetgemein- deversammlungen im Spätherbst sollen dann die finanziellen Anträge folgen. Was passiert wenn sich eine der Ge- meinden quer stellt, steht momentan noch in den Sternen. MS Die Bedarfsanalyse der Jugendarbeit interessierte die Eltern Foto:MarkusSchenk Kurznews Bargeld und Schmuck entwendet Am Mittwoch, 18. Januar 2011, etwa um 10.30 Uhr beobachtete eineAnwoh- nerin, wie in Kölliken drei Osteuropäer durch einen Garten schlichen. Die Beobachterin dachte sich vorerst nichts dabei. Später mussten die betroffenen Hausbewohner sowie deren Nachbarn allerdings feststellen, dass in beide Häuser eingebrochen worden war. Die Täter entwendeten Bargeld und Schmuck. Sie richteten einen Sach- schaden von rund 3000 Franken an. Viel höhere Bussen fürs Fahren ohne Vignette Haben Sie die neue Autobahnvignette schon gekauft? Sie kostet unverändert 40 Franken und kann bei Zollstellen, Strassenverkehrsämtern, Post- sowie Tankstellen und Garagen bezogen wer- den. Sie ist bis zum 31. Januar 2013 gültig. Die Busse für das Fahren ohne Vignette bzw. das Anbringen an einem unzulässigen Ort beträgt neu 200 Fran- ken statt 100 Franken. Schmiedrued-Walde Redaktionsteam Ruederblatt Mit Inserat im Ruederblatt Ausgabe 4/2011 wurde für die weiteren Ausga- ben der Schmiedrueder Dorfzeitung eine versierte Person gesucht, für die typografische Gestaltung und Polygra- fie kein Fremdwort ist. Der Gemeinderat zeigt sich erfreut, dass für die Vakanz in diesemAufgaben- bereich Martin Vinzens, Schmiedrued- Walde, gefunden werden konnte. Der Gemeinderat dankt dem neuen Mitglied des Redaktionsteams Rueder- blatt für sein Engagement und die Be- reitschaft im Redaktionsteam mitzuwir- ken und wünscht Martin Vinzens viel Freude und Erfüllung bei derAusübung seiner Tätigkeit. Aarau Rohr Auto entwendet und Kollisionen verursacht Nachdem er den Schlüssel zum Fahrzeug entwendet hatte, kollidierte ein 20-jähriger Bosnier auf seiner Spritztour mit 2 Fahrzeugen, einem Signalständer einem Gartenhag und einem Steinbeet. Der Lenker ist nicht im Besitze eines Führerauswei- ses und stand unter Drogeneinfluss. Am Samstag, 21.01.2012, kurz vor 20 Uhr, ging bei der Kapo die Meldung ein, wonach ein PW in rasanter Fahrt in Richtung Rohr unterwegs sei und dabei diverse Kollisionen verursacht habe. Durch die ausgerückten Patrouillen konnte der Lenker ermittelt und ange- halten werden. Die Ermittlungen ergaben, dass der 20-jährige Bosnier den Autoschlüssel einem Familienmitglied entwendete hatte und sich auf eine Spritztour be- gab. Von der Telli fuhr er in Richtung Aarau Rohr. Bei der Suhrenbrücke kol- lidierte er dabei mit einem massiven Signalständer. In Aarau Rohr, Sieben- matten, streifte er in der Folge einen parkierten PW, kollidierte mit einem Gartenhag und fuhr anschliessend über das Trottoir und ein Steinbeet weiter. An der Hauptstrasse kollidierte er schlussendlich noch mit einem weite- ren PW, bevor er dann sein völlig demo- liertes Fahrzeug abstellte. Der fehlbare Lenker ist nicht im Besit- ze eines Führerausweises und stand bei seiner Fahrt unter Drogeneinfluss. Er wurde zwecks weiteren Ermittlungen in Haft gesetzt. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat ein Strafverfahren eröffnet. Wer Angaben über die Fahrweise oder die Kollisionen machen kann, wird ge- beten, sich mit der Kapo 062 836 55 55 in Verbindung zu setzen. «DaskommtfürKölliken nichtinFrage» Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle schlägt aufgrund Ihrer Abklärungen im Auftrag des Bundes Kölliken als mög- lichen Standort für ein Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfäl- le vor. Diese Nachricht hat beim Gemeinderat wie ein Katastrophen- ereignis «eingeschlagen». Die Kons- ternation und Fassungslosigkeit sind inzwischen gewichen, das Unver- ständnis über die mangelnde Verant- wortung gegenüber Kölliken ist ge- blieben oder hat sich noch verstärkt. Fazit des Gemeinderates: Das kommt für Kölliken nicht in Frage. Aufgrund der bisherigen geologischen Abklärungen ist die Region Jura Süd- fuss eine von sechs Regionen, welche für geologische Tiefenlager in der Schweiz in Frage kommen. Drei dieser fünf Standorte eignen sich für hochak- tivesowiefürschwach-undmittelaktive Abfälle. Die Region Jura Südfuss wird als Tiefenlager für schwach- und mit- telaktive Abfälle abgeklärt. Vier Stand- orte stehen in dieser Region zur Diskus- sion. Kölliken (Areal Kieswerk Hochuli AG), Suhr und zwei Standorte im Ge- biet Däniken SO. In den Regionalkon- ferenzen erfolgt eine Bewertung dieser Vorschläge. Es können auch neue Standorte vorgeschlagen werden. Die Nagra wird danach ein Standortareal für Oberflächenanlagen pro Region be- zeichnen. Ablauf und Etappen Mit der Bekanntgabe der Standortare- ale an der Medienkonferenz des Bun- desrates vom 20. Januar 2012 ist eine Verfahrensetappe praktisch abgeschlos- sen. In der nächsten Etappe erfolgen nun vertiefte sicherheitstechnischeAb- klärungen, Untersuchungen der Aus- wirkungen eines geologischen Tiefen- lagers auf die Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt sowie die Suche nach ei- nemAreal für die Platzierung der erfor- derlichen Oberflächenanlagen. Die Standortwahl soll bis im Jahre 2022 erfolgen. Grosse Bedenken Der Vorschlag Standort Kölliken ist für den Gemeinderat nicht nachvollziehbar und gegenüber einer Gemeinde, die immer noch unter Folgen der Sonder- mülldeponie der Kantone Aarau und Zürich, der Stadt Zürich und der Basler Chemie leidet, nicht gerade von Fein- gespür und Verantwortung geprägt. Die Bevölkerung wird da nicht mitmachen, so die gemeinderätliche Beurteilung. DieAnlage ist im Bereich eines Grund- wasserstromes geplant, welcher die Wasserversorgungen von Kölliken und Oberentfelden massgeblich speist. Das Kölliker Grundwasserpumpwerk liegt nur einige Schritte entfernt. Die gesell- schaftlichen und wirtschaftlichenAus- wirkungen werden sich als nicht tragbar erweisen. Der Gemeinderat wird, vertreten durch sein Mitglied Martin Bossard, der Re- gionalkonferenz darlegen, dass Kölliken kein geeigneter Standort ist und nicht weiter zu verfolgen ist. Einwohner/in- nen sind eingeladen, Ihre Meinung ebenfalls einzubringen. Beiträge kön- nen eingereicht bzw. gesandt werden an: Einwohnergemeinde Kölliken, «Tie- fenlager», Postfach 89, 5742 Kölliken. Die Eingaben werden gesammelt und gegen Ende Jahr der NAGRA und dem Bundesamt für Energiewirtschaft über- geben. GR