Aarau: Amok-Schütze (43) feuerte 40 Mal wahllos in die Menge
Nach der Bluttat beim Rave-Event im Aarauer Schachen verdichten sich die Erkenntnisse der Ermittler: Der 43-jährige Schweizer aus dem Kanton Jura soll alleine gehandelt und aus verschiedenen Positionen wahllos auf das Festivalgelände geschossen haben. Die Tat forderte ein Todesopfer und sechs durch Schüsse verletzte Personen. Das Motiv des mutmasslichen Schützen ist weiterhin unklar. Hinweise auf Terrorismus oder extremistische Motive gibt es laut Polizei nicht.

Die Ermittlungen zur Bluttat beim Rave-Event vom 29./30. August auf der Pferderennbahn im Aarauer Schachen laufen auf Hochtouren. Inzwischen zeichnet sich immer deutlicher ab, wie der mutmassliche Täter vorgegangen ist. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Kantonspolizei Aargau handelte der 43-jährige Beschuldigte als Einzeltäter. Die Ermittler gehen davon aus, dass er wahllos zahlreiche Schüsse auf das Festivalgelände abgab und seine Opfer zufällig traf.
Der gebürtige Schweizer mit Wohnsitz im Kanton Jura befindet sich mittlerweile in Untersuchungshaft. Er hatte sich in der Nacht auf Montag bei der Kantonspolizei Jura in Delémont gestellt. Wie die Kantonspolizei Aargau mitteilt, waren die Ermittlungen zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits so weit fortgeschritten, dass eine Identifizierung des mutmasslichen Täters absehbar gewesen sei.
Weisser Lieferwagen brachte Ermittler auf die Spur
Eine wichtige Rolle bei der Fahndung spielte die Beobachtung eines Augenzeugen. Diesem war unmittelbar nach der Tat ein weisser Lieferwagen aufgefallen.
Nach der Festnahme des 43-Jährigen stiess die Kantonspolizei an dessen Wohnort im Kanton Jura auf das entsprechende Fahrzeug. Darin fanden die Ermittler ein Kalaschnikow-Sturmgewehr sowie zwei Pistolen. Alle drei Waffen sind laut Polizei auf den Beschuldigten registriert.
Die sichergestellten Waffen sowie die am Tatort gefundenen Patronenhülsen liessen sich dem 43-Jährigen zuordnen. Auch das Verletzungsbild der Opfer stütze die bisherigen Erkenntnisse.
Schüsse aus verschiedenen Positionen
Nach derzeitigem Ermittlungsstand fuhr der Beschuldigte mit dem Lieferwagen nach Aarau. Anschliessend soll er sich zu Fuss auf das Gelände der Pferderennbahn begeben haben, wo zu diesem Zeitpunkt der Rave-Event stattfand.
Die bisherigen Tatortarbeiten lassen laut Kantonspolizei den Schluss zu, dass der Mann von ausserhalb und aus verschiedenen Positionen wahllos zahlreiche Schüsse auf das Festivalgelände abfeuerte.
Alles deutet nach aktuellem Stand darauf hin, dass der Schütze seine Opfer nicht gezielt auswählte. Die Polizei geht von Zufallsopfern aus.
Zwei Verletzte noch im Spital
Die Tat forderte ein Todesopfer. Fünf weitere Personen wurden durch Schüsse verletzt. Zwei von ihnen befinden sich weiterhin im Spital. Sie sind gemäss Polizei ausser Lebensgefahr und dürften voraussichtlich in den kommenden Tagen entlassen werden. Inzwischen hat sich zudem eine weitere Person gemeldet, die möglicherweise durch ein abgepralltes Projektil leicht verletzt wurde.
Wie gross die Gefahr während der Schüsse war, zeigt ein weiterer Befund der Ermittler: Mindestens ein Projektil traf auch ein wegfahrendes Auto, in dem sich vier Personen befanden.
Ermittler sprechen von einem Amoklauf
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat eine Strafuntersuchung eröffnet. Noch offen ist insbesondere die zentrale Frage nach dem Motiv des 43-Jährigen.
Die bisherigen Ermittlungen lassen laut den Behörden jedoch den vorläufigen Schluss zu, dass die Bluttat als Amoklauf einzustufen ist. Weshalb ausgerechnet der Rave-Event im Aarauer Schachen zum Ziel des Beschuldigten wurde, ist weiterhin unklar.
Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund oder extremistische Motive liegen gemäss Kantonspolizei derzeit nicht vor. Ebenso gebe es nach aktuellem Ermittlungsstand keine Anzeichen dafür, dass weitere Personen an der Tat beteiligt waren.
Für die Bevölkerung bestehe deshalb keine weitere Gefahr, hält die Kantonspolizei fest. Die Ermittlungen zum genauen Tatablauf und insbesondere zum Motiv des mutmasslichen Schützen dauern an. KAPO/RAN