Abschalten, feiern und vernetzen

Seit diesem Jahr gibt es auch im Aargau Blaulichtpartys. Eine Unterkulmerin und ein Gränicher sind die treibenden Kräfte und zeichnen als Veranstalter dafür verantwortlich.

Christina Camadini und Marco Huggenberger sind die treibenden Köpfe hinter der Blaulichtparty.Bild: agu

Christina Camadini und Marco Huggenberger sind die treibenden Köpfe hinter der Blaulichtparty.Bild: agu

Die Premiere der Aargauer Blaulichtparty fand im Mai in Aarau statt.Bild: zvg

Die Premiere der Aargauer Blaulichtparty fand im Mai in Aarau statt.Bild: zvg

Für einmal sollen diejenigen miteinander Party machen dürfen, die sonst meist im Einsatz stehen, wenn andere Party machen oder gemacht haben. Das ist grob gesagt die Idee hinter der Blaulichtparty. Berufsleute aus verschiedenen Blaulichtorganisationen treffen sich, feiern gemeinsam, vernetzen sich. Und aus den bisher flüchtigen Begegnungen im Berufsalltag entstehen so vielleicht vertiefte Bekanntschaften, die bei einem nächsten Arbeitseinsatz hilfreich sein können.

Blaulichtpartys gibt es bereits in anderen Kantonen, etwa in Zürich oder Bern. Und auch im Aargau gab es sie schon mal. 2026 wurde das Konzept nun reaktiviert. Federführend sind Marco Huggenberger aus Gränichen, Stadtpolizist in Aarau, sowie Christina Camadini aus Unterkulm, im KSA in der Patientenaufnahme im Notfall tätig.

Die beiden lernten sich bei beruflichen Begegnungen – fast immer unter unerfreulichen Begleitumständen – kennen und schätzen. Nun lancieren sie die Blaulichtparty auch im Aargau. Huggenberger bringt bereits langjährige Erfahrung als Partyveranstalter mit. Seit mehr als 26 Jahren besteht in Gränichen der Verein Doson, den er mit einigen Kollegen gegründet hat. Doson organisiert Partys und verfügt auch über entsprechendes Equipment; auch die Blaulichtparty unterstützt Doson mit Ausrüstung und Personal.

Der 43-jährige Gränicher und die 39-jährige Unterkulmerin gründeten das Label Blaulichtparty Aargau. Huggenberger und Camadini orientierten sich dabei an den Blaulichtpartys in anderen Kantonen, setzten aber bewusst eigene Schwerpunkte. «Wir wollten unser eigenes Ding machen, unser eigenes Logo kreieren – und haben die Einlasskriterien ein wenig angepasst», erklärt Huggenberger.

Sie setzen beim Einlass auf das Konzept Blaulichtperson plus 1. Jede Blaulichtperson darf jemanden ausserhalb dieser Berufsgruppen mitbringen, beispielsweise den Partner oder eine Kollegin. Explizit eingeladen sind auch Pflegefachpersonen, Ärztinnen und Ärzte, Berufsmilitärs, Zivilschutzangehörige, Milizfeuerwehrleute, Angestellte von Grenzwachtkorps oder Zoll.

Rund 130 Personen waren bei der Premiere dabei

Camadini erklärt die Beweggründe für die Blaulichtparty: «Man begegnet sich oft im Berufsalltag – und sieht dann häufig viel Leid. Mit einer Blaulichtparty lässt sich der Zusammenhalt stärken und auch mal untereinander, innerhalb der Gruppe der Rettungsorganisationen, feiern.» Gemäss Huggenberger dienen die Partys überdies einem weiteren Zweck. Man könne so in lockerem, informellem Rahmen andere Leute ansprechen und sich mit ihnen vernetzen. Denn sämtliche Blaulichtorganisationen teilten dasselbe Schicksal. «Alle suchen Leute.»

Die Premiere der Aargauer Blaulichtparty fand Anfang Mai im Aarauer «Nachtzug» statt. Das Feedback fiel positiv aus. Viele hätten gesagt, dass es ihnen gefallen habe und sie wieder teilnehmen würden. Rund 130 Personen seien erschienen. Eine zufriedenstellende Zahl, auch wenn sie mit rund 150 gerechnet hatten. Der Grossteil der Teilnehmenden habe aus Männern und Frauen zwischen 25 und 44 Jahren bestanden, vornehmlich aus Polizeikorps, aus dem Gesundheitswesen und von Feuerwehrangehörigen. Es seien auch Personen aus mehreren anderen Kantonen erschienen. Flyer aufgelegt hatten sie im Vorfeld sogar im grenznahen Deutschland.

Warum lohnt sich ein Besuch der Party? Huggenberger braucht nicht lange zu überlegen. «Gute Leute, gute Stimmung, gute Musik.» Schmunzelnd ergänzt Camadini: «Und wegen der Blaulichtshots.» Der eigens kreierte Cocktail erfreue sich grosser Beliebtheit. Er ist nur einer von mehreren Attraktionen oder Gegenständen, welche die Blaulichtparty unverwechselbar machen.

2027 sollen mindestens vier Blaulichtpartys stattfinden

Bei der bevorstehenden zweiten Aargauer Blaulichtparty, die am 17. Oktober wiederum im «Nachtzug» Aarau steigen wird, wird vor dem Eingang ein beleuchtetes Logo auf den Anlass hinweisen. Auch sollen die Partygänger künftig ein eigenes Lagerbier kredenzen können, das «Schmier-Bier». Sollte es für «Aarau» noch nicht reichen, dürfte das «Schmier-Bier» zumindest an der nächsten Party in Baden erhältlich sein. Am 21. November wird die erste Blaulichtparty im Ostaargau stattfinden, im «Löschwasserbecken».

2027 soll es dann bereits vier Blaulichtpartys im Aargau geben – mindestens. «Ziel sind sicher zwei Frühlings- und zwei Herbstevents jeweils in Aarau und Baden» so Marco Huggenberger. Im Hinterkopf schwirre zudem die Idee einer Rooftop-Party im Sommer herum. Fünf Partys organisieren neben den vielen Wochenendeinsätzen im Beruf? Christina Camadini sagt: «Es ist eben gerade wichtig, auch mal loslassen zu können.» Achim Günter