Am Heimevent hat sie viele Hüte auf

Die Gränicherin Kathrin Stirnemann wird beim Schlussevent des Swiss Bike Cups in ihrem Wohnort in vielen Rollen gefordert sein – als Lokalmatadorin, Nationaltrainerin, Ehefrau oder ehemaliges OK-Mitglied.

Die Schweizer Nationaltrainerin Kathrin Stirnemann blickt auf eine sehr erfolgreiche Saison 2026 zurück.Bild: Swiss Cycling

Die Schweizer Nationaltrainerin Kathrin Stirnemann blickt auf eine sehr erfolgreiche Saison 2026 zurück.Bild: Swiss Cycling

Als E-Mountainbikerin noch immer top: Stirnemann gewann an der WM von Ende August in Italien die Silbermedaille.Bild: Maxime Schmid

Als E-Mountainbikerin noch immer top: Stirnemann gewann an der WM von Ende August in Italien die Silbermedaille.Bild: Maxime Schmid

Seit mehr als 20 Jahren ist Gränichen eine Mountainbike-Hochburg. Stark geprägt wurde diese Phase durch die Gränicher Familie Stirnemann. Beat Stirnemann war lange Junioren-Nationaltrainer der Schweiz, dessen Sohn Matthias Mountainbike-Profi – und Tochter Kathrin Stirnemann zählte sogar jahrelang zu den Aushängeschildern des Mountainbike-Sports. Vor sechs Jahren beendete die mehrfache Welt- und Europameisterin ihre Aktivkarriere und startete eine Laufbahn als Trainerin.

Wobei: Ganz so stimmt das mit dem Karriereende nicht. Die bald 37-Jährige fährt noch immer Rennen – sogar ambitioniert. Im E-Mountainbike hat sie gerade eben an der Weltmeisterschaft im italienischen Val di Sole die Silbermedaille gewonnen. Für sie sei das ein «Hobby». Es sei aber auch Motivation, um fit und à jour zu bleiben. Schliesslich brauche sie die technischen Fertigkeiten als Mountainbike-Nationaltrainerin nach wie vor. Die Gränicherin zeichnet für sämtliche Frauen-Nationalteams der Schweiz verantwortlich.

Zwischen der WM in Italien und dem Weltcup-Final von Anfang Oktober in Lake Placid verbringt Kathrin Stirnemann derzeit einige Tage zuhause in Gränichen. Und so wird sie am Wochenende beim Abschluss des Skoda Swiss Bike Cups in ihrem Wohnort natürlich dabei sein. Am Samstag und Sonntag wird beim traditionsreichen Cross-Country-Rennen im Moortal um Spitzenplätze gefahren.

Gehört der Sonntag dem Nachwuchs, wird am Samstag ein hochkarätiges Teilnehmerfeld mit zahlreichen Weltcup-Fahrerinnen und -Fahrern erwartet. Mit Anja Grossmann, frischgebackene Juniorenweltmeisterin und Mitglied des organisierenden RC Gränichen, und Stirnemanns Ehemann Joris Ryf stehen auch Publikumsmagnete aus der Region am Start. Überdies gilt die Streckenführung in Gränichen als sehr zuschauerfreundlich.

«Es ist Mountainbike pur»

In den Augen von Kathrin Stirnemann ist es «die coolste Strecke im gesamten Swiss Bike Cup». Die technisch anspruchsvolle Runde bereite den Fahrerinnen und Fahrern unheimlich Spass. «Es ist Mountainbike pur, viel Spektakel!» Der Singletrail-Anteil sei hoch – und zwar ab- wie aufwärts. «Man muss auf dieser Strecke ein kompletter Fahrer sein.»

Stirnemann wird an beiden Tagen vor Ort anzutreffen sein. Bis letztes Jahr gehörte sie als Personalverantwortliche während fünf Jahren dem OK an. «Ich werde die Person, die das Amt von mir übernommen hat, vor Ort noch etwas unterstützen.» Darüber hinaus wird sie einige andere Hüte aufsetzen. «Logisch schaue ich mir das Rennen von Joris an und bin dann die Ehefrau. Logisch schaue ich mir das Frauenrennen an und bin dann die Nationaltrainerin. Gleichzeitig bin ich am Streckenrand aber auch die Lokalmatadorin, die mit den Leuten spricht. Und wenn irgendwo eine Frage auftaucht, bin ich das ehemalige OK-Mitglied.»

Die OK-Mitgliedschaft hat sie nach der letztjährigen Austragung aufgegeben. Stirnemann ist seit 2021 Schweizer Mountainbike-Nationaltrainerin, übernahm in dieser Zeit aber immer mehr Aufgaben. Seit Anfang 2025 betreut sie sämtliche Frauen-Auswahlen. Und das sehr erfolgreich. Angeführt wird das Team von Sina Frei, Alessandra Keller und Nicole Koller, die heuer zahlreiche Medaillen beziehungsweise Podestplätze einheimsten. Aber auch auf den Stufen U23 oder U19 waren die Schweizerinnen sehr erfolgreich. «Es könnte kaum besser sein», bilanziert Stirnemann die Ausbeute «ihrer» Schützlinge.

Rosige Zukunftsaussichten

Man könne nun die Früchte der Arbeit ernten, die der Verband über Jahre geleistet habe, erklärt sie. Kathrin Stirnemann geht davon aus, dass die Schweizer Fahrerinnen auch künftig oft für positive Schlagzeilen sorgen werden. «Wir sind breit aufgestellt. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit dieser Leistungsdichte auch in den nächsten Jahren immer mindestens eine oder zwei Fahrerinnen vorne sehen werden.» Wenn das mal keine schönen Aussichten sind. Achim Günter