Aufsteiger Aarau fordert den Favoriten bis zum letzten Ball

Die Frauen des BTV Aarau haben bei ihrer Premiere in der höchsten Schweizer Volleyball-Liga gegen Sm’Aesch Pfeffingen einen begeisternden Auftritt hingelegt. Vor 475 Zuschauern trotzte der Aufsteiger dem Favoriten beim 2:3 den ersten NLA-Punkt ab – und zeigte auch neben dem Feld, dass Aarau für das Abenteuer NLA bereit ist.

Ein historischer Abend für den BTV Aarau: Die Spielerinnen bedanken sich nach ihrer starken NLA-Premiere beim Publikum für die lautstarke Unterstützung.Bild: RAN
Ein historischer Abend für den BTV Aarau: Die Spielerinnen bedanken sich nach ihrer starken NLA-Premiere beim Publikum für die lautstarke Unterstützung.Bild: RAN

Samstagmorgen, 8 Uhr. Zwölf Stunden vor dem ersten Aufschlag herrscht in der Sporthalle der Berufsschule Aarau bereits Hochbetrieb. Tribünen werden aufgebaut, digitale Werbebanden montiert, Screen und Musikanlage getestet. Im Foyer entsteht ein Restaurant. Selbst die Spielerinnen packen vor dem Abschlusstraining mit an. Aus einer gewöhnlichen Turnhalle wird eine Volleyball-Arena.

Drei Stunden vor Spielbeginn gibt Trainer Timo Lippuner beim Sponsorenevent die Richtung vor. Die Playoffs sollen es sein. «Wir sind gekommen, um zu bleiben.» Gleichzeitig weiss er um die Schwere der Aufgabe gegen Sm’Aesch Pfeffingen, einen Mitfavoriten auf die Medaillen.

Die Halle bebt

Trotz anhaltendem Regen strömen die Menschen in die Halle. 475 sind es schliesslich. Trommler heizen ein, die Tribüne ist voll – und dann beginnt das Abenteuer NLA.

Aarau liegt schnell 0:5 zurück. Die Nervosität ist spürbar, doch der Aufsteiger kämpft sich zurück. Sm’Aesch gewinnt den ersten Satz 25:18. Im zweiten dreht Aarau einen 4:8-Rückstand und gleicht mit 25:20 aus. Die Halle tobt.

Nach einem deutlichen 10:25 im dritten Satz scheint der Favorit die Verhältnisse zurechtgerückt zu haben. Doch Aarau kommt erneut zurück. Mit 25:22 gewinnt der BTV den vierten Durchgang. Um 21.48 Uhr ist er Tatsache: der erste NLA-Punkt der Vereinsgeschichte.

Zwei Punkte fehlen zur Sensation

Im Tiebreak zieht Sm’Aesch auf 10:5 davon. Wieder scheint die Entscheidung gefallen. Wieder weigert sich Aarau, aufzugeben. Sieben Punkte in Serie bringen den Aufsteiger zurück ins Spiel. Der Favorit wankt, fällt aber nicht. Mit 15:13 geht der Entscheidungssatz an die Gäste.

«Vor dem Match hätte wohl jeder ein 0:3 erwartet. Dass wir als Aufsteiger einen Mitfavoriten um den Titel über fünf Sätze fordern konnten, macht mich sehr stolz», sagt Trainer Timo Lippuner. Er weiss aber auch: «Wir müssen auf diesem Niveau am Limit spielen, um mithalten zu können.» Und: «Jetzt beginnt die Arbeit erst richtig.»

Mehr als nur Volleyball

Auch abseits des Feldes will der BTV in der NLA Akzente setzen. «Wenn die Mannschaft jeden Tag alles gibt, dürfen wir uns als Organisation ebenfalls nicht lumpen lassen», sagt Sportchef Harry Gloor. «Unser Anspruch ist, aus einer Turnhalle eine Eventhalle zu machen.»

Das ist gelungen. LED-Banden, Screen, Musik, Gastronomie und eine stimmungsvolle Kulisse machten die Premiere zu einem Erlebnis. «Wir wollen nicht einfach nur ein Volleyballspiel anbieten», sagt Gloor. Der Verein wolle nachhaltig wachsen und gleichzeitig etwas schaffen, das die Menschen zusammenbringt.

Nach dem letzten Ballwechsel gibt es langen Applaus. «Wir kommen wieder, das war richtig toll», sagt ein Ehepaar beim Verlassen der Halle. «Nächstes Mal nehmen wir unsere Freunde mit.»

Während die letzten Zuschauer nach Hause gehen, beginnen die freiwilligen Helfer bereits mit dem Abbau. Aus der NLA-Arena wird wieder eine Berufsschulturnhalle. Doch nach diesem Abend ist klar: Der BTV Aarau ist in der höchsten Liga angekommen – und wer zu Hause geblieben ist, hat etwas verpasst. Das nächste Heimspiel findet am Samstag, 24. Oktober, um 20 Uhr, gegen den amtierenden Meister VBC NUC statt. RAN