Bremsen versagen: Holzikerin (73) stirbt bei tragischem Kutschenunglück in Pontresina
Eine 73-jährige Frau aus Holziken ist bei einem Kutschenunfall im Val Roseg ums Leben gekommen. Ihr Lebenspartner und ihre Schwester waren ebenfalls an Bord. Nun laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Ein erfahrener Kutscher äussert Kritik – und es zeigt sich: Auf derselben Strecke kam es bereits früher zu Unfällen.

Es sollte ein Ausflug ins Val Roseg bei Pontresina werden, doch für eine Reisegruppe aus dem Aargau endete die Kutschenfahrt tragisch. Auf der Rückfahrt bemerkte der Kutscher auf einem Gefälle laut Kantonspolizei Graubünden eine ungenügende Bremsleistung. Beim Versuch, auf einen flacheren Ausstellplatz auszuweichen, stürzte ein Pferd. Das Gespann wurde unlenkbar und kollidierte mit einem Baum. Zwölf Personen wurden verletzt, zwei davon schwer. Eine 73-jährige Frau aus Holziken starb noch an der Unfallstelle.
Ihr langjähriger Lebenspartner und ihre Schwester befanden sich ebenfalls auf der Kutsche. Der Partner sei «bis ins Mark erschüttert und tief traurig», sagt die Holziker Rechtsanwältin Barbara Borer-Mathys, welche die Angehörigen persönlich kennt und vertritt. Der Partner bedankt sich zugleich bei den Rettungskräften und den Mitreisenden für deren Hilfe: Die Erstversorgung und die Betreuung im Spital Samedan seien sehr gut gewesen.
Fragen zu den Bremsen und überlangen Gespann
Die Angehörigen verlangen nun eine umfassende Aufklärung. «Der tödliche Unfall muss nun sorgfältig untersucht werden, das ist auch der Wunsch meiner Klienten», sagt Borer-Mathys. Die Bündner Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung eröffnet. Gemeinsam mit der Kantonspolizei Graubünden klärt sie den Unfallhergang.
Kritik äussert der erfahrene Kutscher Martin Meyer. Ihm fällt insbesondere die Kombination der Wagen auf. «Dass man drei Wagen zusammenhängt, sollte nicht passieren», sagt er gegenüber Tele M1. Zudem müssten die Bremsen tadellos funktionieren. Bei Personentransporten seien zwei verschiedene Bremssysteme vorgeschrieben. Für zusätzliche Fragen sorgt die Aussage einer Passagierin, die zwei Tage zuvor mit demselben Kutschenunternehmen unterwegs war. Sie berichtet von einem lahmenden Pferd, dem an einem Vorderhuf ein Hufeisen gefehlt habe. Ob dieses Tier auch beim tödlichen Unfall eingesetzt wurde, ist nicht bekannt.
Bereits zwei frühere Unfälle
Brisant ist, dass es auf derselben Strecke bereits früher zu Kutschenunfällen kam. Im September 2013 und im August 2007 waren dort gemäss damaliger Berichterstattung Pferde «durchgebrannt». Beide Male gab es Verletzte, jedoch keine Todesopfer, wie der «Blick» berichtet. Der aktuelle Vorfall ist damit der dritte bekannte Kutschenunfall in Pontresina innerhalb von rund 20 Jahren.
Organisiert worden war die Reise von Frey Reisen aus Schlossrued. Inhaber Urs Frey fuhr nach dem Unglück selbst ins Engadin und holte den Lebenspartner sowie die Schwester der Verstorbenen persönlich ab. «Ich wünsche ihnen alles Gute und viel Kraft», sagt er. Für sein Unternehmen hat Frey bereits Konsequenzen gezogen: «Ich werde keine Kutschenfahrten mehr anbieten.»
Was letztlich zum tödlichen Unfall geführt hat und ob die früheren Vorfälle für die aktuelle Untersuchung eine Rolle spielen, müssen nun die Ermittlungen zeigen. RAN/KPGR/AZ