Das Urgestein hat noch nicht genug

Er war Spieler, Vorstandsmitglied, Funktionär. Und zwar meist lange und an vorderster Front. Noch immer gilt für Michael Conde: mittendrin statt nur dabei.

Bei den Heimspielen ist Michael Conde immer dabei, oft ist er auch auswärts in der Halle anzutreffen.Bild: awa

Bei den Heimspielen ist Michael Conde immer dabei, oft ist er auch auswärts in der Halle anzutreffen.Bild: awa

«Ich habe im Verein alles gemacht – alles ausser Präsident und Finanzchef.» Michael «Mike» Conde.Bild: agu

«Ich habe im Verein alles gemacht – alles ausser Präsident und Finanzchef.» Michael «Mike» Conde.Bild: agu

Fünf Jahrzehnte. Ein halbes Jahrhundert. So lange schon ist Michael Conde Teil der Suhrer Handballfamilie. Als elfjähriger Dreikäsehoch tritt er ein. 1976 ist das. Der chinesische Diktator Mao Zedong stirbt, Rudolf Gnägi ist Schweizer Bundespräsident, die Eagles veröffentlichen ihr Studioalbum «Hotel California». Und mit der Tschechoslowakei in Jugoslawien gewinnt ein Land, das es längst nicht mehr gibt, die Fussball-EM in einem Land, das es längst nicht mehr gibt.

Heute, 2026, ist Michael Conde – von allen in der Handballszene nur Mike genannt – noch immer Teil des TV Suhr. Wobei es den TVS eigentlich gar nicht mehr gibt. 2008 fusioniert er mit der Handballriege des BTV Aarau zum HSC Suhr Aarau. Der Vater zweier erwachsener Kinder, der mit seiner Frau in Suhr wohnt, bleibt dem Verein immer treu, in unterschiedlichsten Funktionen. Kein Wunder, wenn man ihn schwärmen hört. «Wir haben einen ganz tollen Verein: sehr familiär, der Umgang miteinander ist sehr angenehm.»Als der HSC Suhr Aarau kürzlich seine GV durchführt, wird Conde zu seinem Erstaunen plötzlich auf die Bühne gerufen. Ein Freund und Wegbegleiter hält eine Laudatio – und Conde erhält neben den schönen Worten auch einen Blumenstrauss. «Ich habe mich wirklich gefreut – und war perplex.» Es ist nicht die erste Ehrung dieser Art, die ihm zuteilwird. Im vergangenen Jahr wurde er für 30 Jahre Teammanagement der 1. Mannschaft geehrt, bereits früher ist er zum Ehrenmitglied ernannt worden.

«Ich sorge für ein Wohlfühlpaket»

Die Aktivkarriere des heute 61-jährigen Key Account Managers dauert mehr als 25 Jahre, beginnt als Junior und endet im Alter von 38 Jahren in der Plauschmannschaft. Zwischenzeitlich gehört der Rückraum Mitte während sechs Jahren dem Fanionteam an, spielt in der damaligen NLB. Später trainiert er das neugegründete Mädchen-Team, sitzt lange Jahre im Vorstand als Leiter Spitzensport und als Nachwuchschef, fungiert als Sportchef oder als Teammanager. «Ich habe im Verein alles gemacht – alles ausser Präsident und Finanzchef.»

Seit 2025 amtet er erneut als Teammanager der ersten Mannschaft. In dieser Funktion kümmert er sich um zahlreiche anfallende administrative Arbeiten, organisiert alle Spiele, Reisen, Hotelbuchungen, wickelt Transfers ab, fädelt diese teilweise auch ein oder schlägt dank seines grossen Netzwerkes Akteure als mögliche Neuverpflichtungen vor. Die Liste ist längst nicht abschliessend. «Ich sorge für ein Wohlfühlpaket, damit sich Trainer und Spieler auf den Sport fokussieren können.»Als Bindeglied zwischen Fanionteam und Vorstand hat er immer wieder mit wechselnden Charakteren zu tun. Trainer, Spieler, Sportchef oder Präsident – Conde muss zu allen den Draht finden. Er selbst sieht sich als «anpassungsfähig», sei diesbezüglich «sehr einfach gestrickt». Der zeitliche Aufwand ist beträchtlich. Während der Saison, sagt Conde, telefoniere er ausser sonntags täglich mit dem Trainer. Zu besprechen gibt es immer viel. Mehrmals wöchentlich kreuzt er auch in der Halle auf.

Mit Optimismus in die neue Spielzeit

Die Saison 2025/26 war für den HSC Suhr Aarau eine zum Vergessen. Am Ende wäre man beinahe abgestiegen. Nun, mit dem neuen Trainer Petr Hrachovec und einigen Wechseln im Team, soll alles besser werden. Conde sagt: «Wir wollen das, was wir letztes Jahr erlebt haben, nicht mehr erleben. Ganz klar. Mit dem Abstieg wollen wir diesmal sicher nichts zu tun haben.»Die Eindrücke aus den Testspielen und der Arbeit der letzten Wochen lassen Conde mit einem «guten Gefühl» in die Saison steigen. Die Liebe zum Handballsport ist ohnehin ungebrochen – unabhängig vom gerade Gezeigten seines Herzensteams. «Ich finde das die geilste Sportart.» Und um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, wiederholt er sie nochmals. «Die geilste Sportart.» Achim Günter