Der Ehrgeiz soll ihn bis auf den Olymp des Klubfussballs tragen

Am Sonntag trifft der FC Aarau im Brügglifeld im Schweizer Cup auf den FC Zürich. Während beim Heimteam Spieler aus der Region derzeit Mangelware sind, hütet beim Gegner mit Silas Huber ein ehemaliger FCA-Junior aus Oberentfelden das Tor.

FCZ-Torhüter Silas Huber krallt sich einen Ball beim Gastspiel in Sion (1:1) am 19. September. In dieser Saison hat er im Tor des FC Zürich erst einmal verloren.Bild: Urs Lindt
FCZ-Torhüter Silas Huber krallt sich einen Ball beim Gastspiel in Sion (1:1) am 19. September. In dieser Saison hat er im Tor des FC Zürich erst einmal verloren.Bild: Urs Lindt

Seine Mutter Rahel Huber warnt am Telefon. Ihr Sohn sei «ruhig, nicht sehr gesprächig». Und es könne gut sein, dass er nicht «so gut drauf» sei. Wenige Tage vor dem Gesprächstermin stand Silas Huber bei den beiden Kanterniederlagen der Schweizer U21-Nationalmannschaft gegen Island (1:5) und Frankreich (1:7) im Tor. Zwölf Gegentreffer in zwei Spielen können bei einem Goalie schon mal aufs Gemüt schlagen.

Davon ist dann aber nichts zu spüren. Silas Huber ist gutgelaunt. Und auch einsilbig ist er nicht. Der 21-jährige Oberentfelder, seit Februar 2026 Stammgoalie des FC Zürich in der Super League, wirkt selbstbewusst und auskunftsfreudig.

Vor allem aber scheint der älteste von drei Brüdern im Kopf stark zu sein – die wohl wichtigste Eigenschaft für einen erfolgreichen Torhüter. Für Goalies ist es noch deutlich wichtiger als für Feldspieler, Fehler gut und schnell verarbeiten zu können und sich von Kritik nicht unterkriegen zu lassen.

Verbesserungspotenzial gibt es noch in allen Bereichen

Die beiden Niederlagen im U21-Trikot deutet Huber positiv um, insbesondere jene gegen die Topnation Frankreich: «Es hat mir gezeigt, was es braucht, dass ich noch viel arbeiten muss, dass noch ein langer Weg vor mir liegt.» Rückschläge also als Ansporn, noch härter zu arbeiten. Die Mischung zwischen gesundem Selbstvertrauen und nötiger Selbstkritik scheint zu stimmen.

Der 1.97 Meter grosse Keeper weiss um seine Qualitäten. «Ich denke, es gibt in der Schweiz nicht viele Goalies, die auf der Linie so gut sind wie ich.» Auch das Fussspiel sei schon auf gutem Niveau, ebenso die Strafraumbeherrschung. Allerdings sei er sich sehr wohl bewusst, dass er sich noch in allen Bereichen verbessern könne.

Ab sofort gilt sein alleiniger Fokus dem FC Zürich. Dieser ist auch unter dem neuen Trainer Marcel Koller durchzogen in die Meisterschaft gestartet. Zuletzt wurden die Resultate jedoch besser, am Samstag resultierte beispielsweise ein 4:2-Heimsieg gegen den FC Thun. Seit Hubers Rückkehr ins FCZ-Tor hat Zürich in sechs Partien bloss noch einmal verloren.

«Ein Spiel gegen Aarau ist für mich sehr speziell»

Nun trifft Zürich am Sonntag um 15 Uhr im Cup-Sechzehntelfinal im Brügglifeld auf den FC Aarau. Für Silas Huber ein Highlight und beileibe kein Spiel wie jedes andere. Nach Anfangsjahren beim FC Entfelden schnürte er seine Fussballschuhe ab dem zehnten Lebensjahr für den FCA, ehe er 2023 als 18-Jähriger schliesslich nach Zürich weiterzog.

Im Gegensatz zu Aarau habe ihm der FCZ einen klaren, langfristigen Entwicklungsweg mit guter Perspektive aufgezeigt. «Aber ich hatte in Aarau eine sehr gute Zeit, konnte da von vielen Trainern viel lernen – ein Spiel gegen Aarau ist für mich sehr speziell.» Allzu viel Kontakt zu FCA-Exponenten pflegt er heute nicht mehr; mit Ausnahme von Berdan Senyurt finden sich auch keine ehemaligen Mitspieler von ihm im aktuellen FCA-Kader.

Nach seinem Wechsel nach Zürich musste Huber zuerst «untendurch». Er habe sich selbst, räumt er ein, «weiter gesehen, als ich eigentlich war». Im neuen Umfeld musste er lernen, sich durchzubeissen, Widerstände zu überwinden, den Konkurrenzkampf anzunehmen. Doch als Captain und Klublegende Yanick Brecher in der letzten Saison verschiedentlich patzte und sich Silas Huber immer mehr aufdrängte, packte der junge Goalie seine Chance und verdrängte den Routinier aus dem Kasten. Seither heisst die Nummer 1 im FCZ-Tor Silas Huber.

Die Super League soll nur Durchgangsstation sein

Daran konnte auch der Trainerwechsel von Dennis Hediger zu Marcel Koller nichts ändern. Dass er zu Beginn dieser Saison nicht im Tor stand, lag an einer Verletzung. Im zweitletzten Testspiel hatte er sich einen Muskelfaserriss zugezogen. Als Huber wieder fit war, musste der erfahrene Heinz Lindner – im Sommer als Nummer 2 geholt – zurück auf die Ersatzbank. Der 21-Jährige sagt, dass er das «vollste Vertrauen» des Vereins spüre.

Silas Huber schloss im Sommer 2024 eine Lehre als Zeichner Fachrichtung Ingenieurbau ab und versucht sich seither als Profifussballer. Mit einer Arbeitseinstellung und einem Ehrgeiz, die ihn noch weit tragen sollen. Forsch sagt er: «Ich wäre sehr unzufrieden, wenn es bei der Super League bleiben würde. Ich habe viel mehr vor.»

Oha, was denn? Der nächste Schritt soll in eine der Top-5-Ligen führen. Und dereinst soll es für den jungen Mann nichts weniger als der Olymp des Klubfussballs werden. Silas Hubers Ziel: Real Madrid. «Das wäre mein Traumverein.» Achim Günter