Der Mann, der die Dreier AG international ausrichtete

Der Transportunternehmer Hans-Rudolf Dreier aus Suhr führte die Dreier AG zu internationalem Erfolg, engagierte sich über Jahrzehnte für die Transportbranche und blieb seinem Lebenswerk bis ins hohe Alter eng verbunden.

Der Transportpionier Hans-Rudolf Dreier verstarb kurz vor seinem 97. Geburtstag.Bild: Sandra Ardizzone
Der Transportpionier Hans-Rudolf Dreier verstarb kurz vor seinem 97. Geburtstag.Bild: Sandra Ardizzone

Mit Hans-Rudolf Dreier verliert der Aargau eine prägende Unternehmerpersönlichkeit. Der langjährige Geschäftsführer und Mitinhaber der Dreier AG ist am 22. Juli, wenige Stunden vor seinem 97. Geburtstag, friedlich eingeschlafen. Während mehr als vier Jahrzehnten führte er das Familienunternehmen und machte aus einer regionalen Fuhrhalterei ein international tätiges Transport- und Logistikunternehmen.

Hans-Rudolf Dreier wurde am 23. Juli 1929 als dritter Sohn des Firmengründers Adolf Dreier geboren. Sein Vater starb bereits 1931 bei einem Autounfall, worauf seine Mutter die 1905 gegründete Fuhrhalterei weiterführte. Nach einer kaufmännischen Lehre, beruflichen Stationen in Suhr, Aarau und Schöftland sowie Sprachaufenthalten am Genfersee und in London trat der 22-Jährige 1951 in den Familienbetrieb ein. Gemeinsam mit seinen Brüdern übernahm er Verantwortung und legte den Grundstein für den späteren Erfolg der Dreier AG.

Pionier des internationalen Güterverkehrs

Schon früh bewies Hans-Rudolf Dreier unternehmerischen Weitblick. Bereits 1952 organisierte er einen der ersten internationalen Transporte des Unternehmens über die Tremolastrasse des Gotthards nach Italien. Die dreitägige Fahrt von Niedergösgen nach Varese und weiter nach Turin war eine Pionierleistung in einer Zeit, als der grenzüberschreitende Strassentransport noch kaum etabliert war.

In den folgenden Jahrzehnten trieb Dreier die Entwicklung des Unternehmens konsequent voran. Während des Baus der Nationalstrasse N1 war er Mitgründer von fünf regionalen Transportgemeinschaften. Die Dreier AG koordinierte zeitweise den Einsatz von bis zu 150 Kipper-Lastwagen und spielte damit eine zentrale Rolle beim Autobahnbau im Aargau. Gleichzeitig erschloss das Unternehmen neue Geschäftsfelder, unter anderem mit der Logistik für die Jowa-Backwarenproduktion in Suhr.

Mut bewies Dreier auch in den 1970er-Jahren mit dem Aufbau der Transporte in den Nahen Osten und nach Nordafrika. Verbindungen nach Iran, Irak, Saudi-Arabien und Marokko machten die Dreier AG zu einem international ausgerichteten Schweizer Transportunternehmen und legten den Grundstein für das weitere Wachstum.

Engagement über das Unternehmen hinaus

Hans-Rudolf Dreier setzte sich nicht nur für die eigene Firma ein. Von 1958 bis 1985 präsidierte er den Aargauer Transport-Gewerbeverband, die heutige ASTAG Aargau, und vertrat während fast drei Jahrzehnten die Anliegen des Transportgewerbes. In seiner Wohngemeinde Suhr engagierte sich der ehemalige Handballgoalie als Präsident der Handballsektion des TV Suhr. Zudem gehörte er von 1972 bis 1980 für die FDP dem Einwohnerrat an und präsidierte später die Steuerkommission.

Dem Lebenswerk bis zuletzt verbunden

1994 übergab Dreier die Geschäftsleitung an seinen Sohn Hans-Peter Dreier. Als Ehrenpräsident blieb er dem Unternehmen jedoch bis zuletzt eng verbunden. Noch im hohen Alter kümmerte er sich um den Öleinkauf und wählte jeweils den Wein für das Weihnachtsgeschenk an die Kundschaft aus.

Mitarbeitende beschreiben ihn als bodenständigen Unternehmer, der den Menschen stets in den Mittelpunkt stellte. Unter seiner Führung entwickelte sich die Dreier AG zu einem der bedeutenden Schweizer Transport- und Logistikunternehmen. Heute beschäftigt die Firma über 700 Mitarbeitende und wird bereits in dritter Generation geführt.

Mit Hans-Rudolf Dreier verliert der Aargau einen Unternehmer, dessen Weitblick und Tatkraft die regionale Transportbranche nachhaltig geprägt haben. RAN