Die Fusion scheitert an 19 Stimmen
Die geplante Fusion von Aarau und Unterentfelden ist gescheitert. Während Aarau dem Zusammenschluss zustimmte, sagte Unterentfelden hauchdünn Nein. Nur 19 Stimmen machten den Unterschied.

In Unterentfelden stimmten 883 Personen für und 902 gegen die Fusion. Der Nein-Anteil betrug 50,53 Prozent, die Stimmbeteiligung 69,9 Prozent. Aarau sagte dagegen mit 4177 zu 3757 Stimmen Ja. Damit ist der für den 1. Januar 2028 geplante Zusammenschluss vom Tisch.
Enttäuschung bei Befürwortern
Lucia Engeli vom Vorstand des Pro-Komitees zeigte sich enttäuscht. Nach dem bereits knappen Ja an der Gemeindeversammlung habe man gewusst, dass die Ausgangslage schwierig sei, aber bis zuletzt auf eine Zustimmung gehofft. Engeli kritisierte gegenüber der «Aargauer Zeitung» die Kampagne der Gegnerschaft als von Ängsten geprägt. Das Pro-Komitee habe versucht, positive Argumente für die Fusion in den Vordergrund zu stellen.
Gegner sehen sich bestätigt
Das Nein-Komitee «Unterentfelden besser-mache» nahm das Ergebnis dagegen mit Freude zur Kenntnis. Es sieht darin ein Zeichen, dass die Argumente gegen die Fusion Gehör gefunden hätten. Gleichzeitig betont das Komitee, auch den Entscheid jener zu respektieren, die für den Zusammenschluss gestimmt hatten. Angeführt wurde das Komitee von Martin Lötscher, Präsident der SVP Unterentfelden. Die Partei hatte sich von Beginn weg gegen die Fusion gestellt. Die mehr als 900 Nein-Stimmen lassen sich angesichts des knappen Ergebnisses jedoch nicht einer einzelnen Partei oder Gruppierung zurechnen.
Stiner rechnet mit höheren Steuern
Unterentfeldens Gemeindeammann Alfred Stiner akzeptiert den Entscheid, zeigt sich aber enttäuscht. Nun müsse analysiert werden, was zum Nein geführt habe. Einen Einfluss sieht er auch in den lancierten Initiativen für eine Prüfung einer Fusion von Oberentfelden und Unterentfelden, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt.
Für Unterentfelden dürfte das Nein finanzielle Folgen haben. Stiner geht davon aus, dass der Gemeinderat im Dezember eine Erhöhung des Steuerfusses beantragen muss. Er ruft die Bevölkerung und insbesondere die Fusionsgegner dazu auf, an Lösungen für die weitere Eigenständigkeit der Gemeinde mitzuarbeiten.
Hilfiker: «Die Türe ist nicht zu»
Aaraus Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker betont derweil: «Die Türe ist nicht zu, wir haben heute nicht Nein gesagt.» Die Frage, wie sich die Region langfristig entwickeln und Aufgaben gemeinsam bewältigen könne, bleibe bestehen. Auch Hilfiker bedauert gegenüber der «Aargauer Zeitung» das Resultat. Für Aarau habe es jedoch keine unmittelbaren Folgen – ausser, dass die bereits geplanten Fusionsvorbereitungen eingestellt werden.
2020 sagte Unterentfelden Ja
Der Entscheid vom Sonntag steht im Kontrast zur Abstimmung vom Oktober 2020. Damals stimmte Unterentfelden mit 55,9 Prozent für die weitere Beteiligung am Projekt «Zukunftsraum Aarau». Nachdem andere beteiligte Gemeinden ausgestiegen waren, entwickelte sich daraus schliesslich das bilaterale Fusionsprojekt mit Aarau. Sechs Jahre später hat Unterentfelden den konkreten Zusammenschluss nun mit einem Unterschied von 19 Stimmen abgelehnt. RAN/WIF/NRO