«Du hast ja Hände wie Pfannendeckel»

Er war ein Rückhalt, ein Charakterkopf und über Jahrzehnte eine feste Grösse im Schweizer Fussball: Hermann «Mäne» Rufli feiert heute Donnerstag seinen 80. Geburtstag. Der gebürtige Suhrer blickt auf eine eindrückliche Karriere als Torhüter in der Nationalliga A und B zurück – und auf ein Leben, das weit über den Profisport hinauswirkte.

Autogrammkarte aus seiner Zeit beim FC Zürich: Hermann «Mäne» Rufli als erfahrener Rückhalt des Stadtclubs und zweiter Torhüter hinter Karl Grob.

Autogrammkarte aus seiner Zeit beim FC Zürich: Hermann «Mäne» Rufli als erfahrener Rückhalt des Stadtclubs und zweiter Torhüter hinter Karl Grob.

Hermann «Mäne» Rufli heute – die Torhüterlegende vor alten Zeitungsartikeln aus seiner Aktivzeit, die an eine eindrückliche Fussballkarriere erinnern. Bild: RAN

Hermann «Mäne» Rufli heute – die Torhüterlegende vor alten Zeitungsartikeln aus seiner Aktivzeit, die an eine eindrückliche Fussballkarriere erinnern. Bild: RAN

«Mäne» Rufli im Spiel gegen Bayern München bei der Einweihung der Flutlichtanlage 1970 im Brügglifeld – gegen Beckenbauer (Bild), Hoeness und Müller blieb er ohne Gegentor.

«Mäne» Rufli im Spiel gegen Bayern München bei der Einweihung der Flutlichtanlage 1970 im Brügglifeld – gegen Beckenbauer (Bild), Hoeness und Müller blieb er ohne Gegentor.

Die Junioren des FC Aarau im Jahr 1964 – mittendrin der junge Hermann «Mäne» Rufli (links, vordere Reihe), am Anfang einer grossen Torhüterkarriere. Bilder: ZVG

Die Junioren des FC Aarau im Jahr 1964 – mittendrin der junge Hermann «Mäne» Rufli (links, vordere Reihe), am Anfang einer grossen Torhüterkarriere. Bilder: ZVG

Schon früh war klar, dass Hermann Rufli für das Torhüterspiel prädestiniert war. «Du hast ja Hände wie Pfannendeckel», bekam er als Jugendlicher oft zu hören. Aufgewachsen in Suhr, spielte er verschiedene Sportarten gleichzeitig – Handball, Eishockey, Fussball. Talent hatte er überall. Doch nach der Schreinerlehre musste eine Entscheidung her. «Ich konnte nicht alles machen», sagt Rufli rückblickend. Es wurde der Fussball. Und es wurde der FC Aarau.

Beim FCA ging es für den gross gewachsenen Schlussmann schnell bergauf: Junioren, zweite Mannschaft, bald schon Stammgoalie in der Nationalliga B. Bei der Einweihung der Flutlichtanlage auf dem Brügglifeld 1970 spielte er gegen den grossen FC Bayern München mit all seinen Stars. «Weder Franz Beckenbauner noch Uli Hoeness oder Gerd Müller gelang damals ein Tor gegen mich», freut sich Rufli heute noch. Seine Leistungen blieben nicht unbemerkt.

Ein Aktenkoffer voller Geld

1971 folgte der Wechsel zum FC Chiasso – und damit ein kleines Stück Schweizer Fussballgeschichte. «Ich war der erste Spieler, den der FC Aarau zu einem anderen Verein transferierte», erzählt Rufli. Die Tessiner reisten mit einem Aktenkoffer voller Geld an: 40′000 Franken wechselten den Besitzer. Für damalige Verhältnisse eine beachtliche Summe.

Sportlich wie privat wurde Chiasso für Rufli zur prägenden Zeit. «Wir galten als Abstiegskandidaten – und stiegen Ende Saison in die NLA auf.» Dazu kam das südländische Lebensgefühl, das der Aargauer bis heute in guter Erinnerung behält.

Von Neuenburg nach Zürich

Ein weiterer Wechsel führte Rufli 1974 zu Neuchâtel Xamax. Sportlich blieb das Jahr schwierig. «Es war ein verlorenes Jahr», gibt er offen zu. Doch eine Erfahrung blieb unvergessen: Präsident Gilbert Facchinetti. «Vor den Spielen assen wir jeweils gemeinsam bei der Familie Facchinetti. Das hat uns enorm zusammengeschweisst.»

Es folgten der Wechsel zu den Young Fellows nach Zürich, wo sein früher Förderer Paul Stehrenberger Trainer war. Mit starken Paraden trug Rufli massgeblich zum Aufstieg von YF in die Nationalliga A bei. Weil den Zürchern ein taugliches Stadion fehlte, trugen sie ihre Heimspiele auf dem Aarauer Brügglifeld aus. Doppelspiele waren die Regel: zuerst der FC Aarau, danach die Young Fellows.

Rituale, Rückhalt und ein würdiger Abschied

Wie viele Torhüter hatte auch «Mäne» Rufli seine Rituale. Torwarthandschuhe oder Schuhe, mit denen er ein Spiel verloren hatte, kamen kein zweites Mal zum Einsatz. Ein Paar dieser «ausrangierten Kickschuhe» fand nach einer Niederlage auf dem Brügglifeld den Weg zu einem damals noch jungen Fussball-Fan, dem Schreiber dieser Zeilen.

Nach weiteren Jahren beim FC Bern (Aufstieg in die NLB) und beim FC Wettingen (Aufstieg in die NLA) klopfte 1982 der FC Zürich an. Rufli war bereits 36 Jahre alt. «Der FCZ suchte einen erfahrenen zweiten Torhüter hinter FCZ-Legende Karl Grob. Dass man an mich dachte, war eine grosse Ehre.» Die Zeit beim Stadtclub wurde zu einem gelungenen Abschluss seiner Aktivkarriere – inklusive internationalen Einsätzen und bis heute gepflegten Freundschaften mit damaligen Teamkollegen.

Mehr als nur Profifussball

Parallel zur Karriere auf dem Platz baute Rufli früh ein zweites Standbein auf. Am Aarauer Färberplatz eröffnete er ein Sportgeschäft, später folgte der Umzug nach Oberentfelden. «Sport Rufli» wurde über Jahrzehnte zu einer festen Institution für Vereine und Sportbegeisterte in der Region. «Mäne» betrieb das Sportgeschäft bis zu seinem 68. Altersjahr. Immer an seiner Seite seine Frau Madeleine, mit ihr ist er seit 58 Jahren verheiratet. Sie haben zwei erwachsene Kinder.

Dem Fussball blieb Rufli auch nach dem Karriereende eng verbunden. Als Torhütertrainer – bis heute ohne Handy und Internet – gab er sein Wissen an unzählige junge Keeper weiter – darunter auch solche, die später den Sprung in NLA/B oder Bundesliga schafften. «Ich sah schnell, ob einer Talent hatte», sagt Rufli. Noch heute holen sich Vereine oder Talentspäher Rat bei ihm.

Der Blick auf die nächste Generation

Heute ist es ruhiger geworden um Hermann «Mäne» Rufli. Man trifft ihn nicht mehr täglich auf den Fussballplätzen, höchstens «mal an einem Stammtisch im Klubrestaurant», wie er lachend sagt. Viele Spiele verfolgt er am Fernsehen – oder jene seiner Enkelkinder. Und wie könnte es anders sein: Eines davon hütet ebenfalls erfolgreich das Tor. Sogar in der höchsten Liga des Landes.RAN

Spielstationen von Hermann «Mäne» Rufli

1965–1970: Junioren FC Aarau

1970–1971: FC Aarau (NLB)

1971–1974: FC Chiasso (NLB/NLA)

1974–1975: Neuchâtel Xamax (NLA)

1976–1978: FC Young Fellows Zürich (NLB)

1978–1980: FC Bern (1. Liga/NLB)

1980–1982: FC Wettingen (NLB/NLA)

1982–1984: FC Zürich (NLA) – Karriereende als aktiver Torhüter