Eigentlich sollte das Center anderswo stehen
Was 1976 als Übergangslösung in einer ehemaligen Gewerbehalle begann, entwickelte sich zu einem der prägenden Einkaufsorte der Region. 2026 wird das Wynecenter 50 Jahre alt – und befindet sich einmal mehr im Wandel.
Wer heute durch das Wynecenter in Buchs geht, sieht wenig von seinen improvisierten Anfängen. Ursprünglich plante die Migros ein grosses Einkaufszentrum an der Lenzburgerstrasse in Buchs. Doch das Baubewilligungsverfahren zog sich hin, während in der Region das Bedürfnis nach modernen Einkaufsmöglichkeiten wuchs.
Die Migros suchte deshalb eine Zwischenlösung – und fand sie im Wynenfeld. Dort war der Wandel ohnehin in vollem Gang: Bis in die 1960er-Jahre war das Gebiet von Landwirtschaft und Strohhäusern geprägt. Mit der Industrialisierung siedelten sich zunehmend Betriebe an.
1976 bezog die Migros eine bestehende Gewerbehalle der Firma Horta. Im Oktober eröffnete darin ein provisorischer MMM-Supermarkt, der auch kleinere Migros-Filialen in der Umgebung entlasten sollte. Der schmucklose Zweckbau galt als «hässliches Entlein». Dass daraus einmal ein dauerhaftes Einkaufszentrum entstehen würde, war nicht vorgesehen.
Ein Provisorium, das bleiben durfte
Doch die Übergangslösung funktionierte. Der Standort bot Platz und erwies sich auch verkehrstechnisch als geeignet. 1982 kam die entscheidende Wende: Lokale und kantonale Behörden setzten sich dafür ein, aus dem Provisorium einen definitiven Standort zu machen. Die ursprünglichen Pläne an der Lenzburgerstrasse wurden aufgegeben.
«Aus dem Provisorium wurde 1987 schliesslich ein Definitivum. Das Wynecenter entwickelte sich zum Flaggschiff im Kanton Aargau», sagt Centerleiter Edgar Zettler. Es entstand auf drei Etagen und entsprach dem damaligen Verständnis eines modernen Einkaufszentrums: funktionale Architektur, kurze Wege und eine starke Ausrichtung auf das Auto. Rampen verbanden die Parkdecks mit dem Gebäude, im Innern prägten Ladenpassagen, Rolltreppen und Lichthöfe das Bild. Selbst ein Migros-Bahnanschluss gehörte zur Infrastruktur des Areals. Diese Entwicklung sei ursprünglich nicht geplant gewesen, mache die Geschichte des Standorts aber umso bemerkenswerter.
Für Aufmerksamkeit sorgte damals auch eine ungewöhnliche Werbeaktion: Der mit Rasen überzogene «Graskäfer» tourte durch die Region und verteilte Geschenke.
Der Migros-Supermarkt blieb das Herzstück. Dazu kamen das Migros-Restaurant sowie verschiedene Fachmärkte und Dienstleister.
Immer wieder neu erfunden
Ein weiterer grosser Entwicklungsschritt folgte von 2004 bis 2006. Bei laufendem Betrieb wurde das Center umgebaut und erweitert. Die Wiedereröffnung erfolgte mit auffälliger Präzision: am 6. Juni 2006 um 6.06 Uhr und 6 Sekunden.
Später wurde das Center erneut modernisiert. Mehr Tageslicht, hellere Farben, optimierte Parkhäuser und LED-Beleuchtung sorgten für ein zeitgemässeres Erscheinungsbild.
Auch zum 50. Geburtstag herrscht kein Stillstand. Seit Mai 2026 läuft ein zweijähriges Umbauprojekt. Die Genossenschaft Migros Aare investiert 5,8 Millionen Franken vor allem in Sicherheitsmassnahmen und die Gebäudetechnik. «Ein Totalumbau ist nicht vorgesehen. Mit den laufenden Investitionen machen wir das Gebäude jedoch fit für die Zukunft und sichern seine Attraktivität langfristig», sagt Edgar Zettler.
Heute vereint das Wynecenter rund 30 Geschäfte und Dienstleister unter einem Dach und ist längst mehr als ein Einkaufsort. Rund 2,5 Millionen Kunden kommen jährlich ins Center, das sich als generationenübergreifender Treffpunkt in der Region etabliert hat: «Menschen kommen nicht nur zum Einkaufen hierher, sondern begegnen sich und verbringen Zeit miteinander», freut sich Zettler.
Vom 28. bis 31. Oktober feiert das Wynecenter während vier Tagen sein 50-jähriges Bestehen mit zahlreichen Attraktionen und Sonderangeboten.
Raphael Nadler



