Eine Erfolgsquote von über 75 Prozent
Am vergangenen Samstag zählten wiederum zahlreiche Kundinnen und Kunden auf die Expertise der freiwilligen Reparateure und Reparateurinnen des Repair Cafés Schöftland. Dieses hat sich in den letzten Jahren einen guten Ruf erarbeiten können – weit über die Standortgemeinde hinaus.
Der Andrang kann sich einmal mehr sehen lassen. Schon einige Minuten vor 10 Uhr, der offiziellen Startzeit, hat sich vor dem Empfang eine respektable Schlange gebildet. Zahlreiche Leute bringen ein nicht mehr funktionsfähiges Produkt mit – in der Hoffnung, es nach kurzer Zeit wieder voll nutzen zu können. An diesem Tag sind beispielsweise Staubsauger hoch im Kurs, aber auch an Druckern, alten Plattenspielern, Kabelrollen, TV-Apparaten oder Tischlampen wird bald fleissig herumgewerkelt.
Die Abfallberge reduzieren, Geld sparen, die Umwelt schützen – und ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen. All dies macht, wer die Dienste eines Repair Cafés in Anspruch nimmt. Beispielsweise dasjenige in Schöftland am Breiteweg 4 im Feuerwehrlokal. Am vergangenen Samstag, 3. Oktober, gab es quasi den Aargauer Startschuss für den Schweizer Reparaturmonat Oktober.
Dank der Koordination der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) öffnen im Oktober 2026 rund 100 Repair Cafés in der ganzen Schweiz ihre Werkstatttore. Der internationale Tag der Reparatur am 17. Oktober wird der Höhepunkt des Monats sein, der zum Umdenken aufruft. 2014 war das erste Repair Café in der Schweiz gegründet worden. Der Schöftler Reparatur-Treff existiert laut Jürg Hochuli seit 2018; Hochuli ist seit Anbeginn eine der treibenden Kräfte. Neben vielen anderen Aufgaben besorgt er die Triage.
Rund 25 Personen zählen zum Reparaturteam
Das Repair Café Schöftland ist eines von über 250 in der Schweiz. Getragen wird es von der Alterskommission Schöftland, dem Gemeinnützigen Frauenverein Schöftland und der Seniorenvereinigung Schöftland. In der Regel findet es am ersten Samstag des Monats statt. Ersatzteile müssen selbst berappt werden. Für den Arbeitsaufwand geben die Leute, «was es ihnen wert ist», so Hochuli.
Fast alles, was defekt ist, kann zur Reparatur vorbeigebracht werden. Ziel ist es, dass weniger Produkte, die nur kleine Defekte haben und mit relativ geringem Aufwand repariert werden können, im Abfall landen. Engagierte Spezialistinnen und Spezialisten aus den Bereichen Elektronik, Informatik, Elektrotechnik, Mechanik, Holzbearbeitung oder Textiles setzen ihr Know-how ein, um Besuchenden Reparaturarbeiten anbieten zu können. Die Kundinnen und Kunden können sich die Wartezeit derweil mit Kaffee und Kuchen versüssen.
Rund 25 Personen reparieren, die meisten von ihnen sind seit Jahren oder sogar seit den Anfängen des Repair Cafés Schöftland dabei. «Die haben in ihrem Leben ein Know-how angehäuft, das sie gerne weitergeben wollen», erklärt Hochuli. Bei einem Grossteil handelt es sich um Seniorinnen und Senioren, die nicht mehr im Erwerbsleben sind und auch die soziale Komponente der Institution schätzen. «Wir machen hier viel Unmögliches möglich», freut sich Hochuli.
Um 10.30 Uhr, nach nur einer halben Stunde also, sind an diesem Samstag bereits 30 Objekte erfasst. Und wie immer stehen die Türen des Repair Cafés bis um 14 Uhr offen. Normalerweise würden jeweils zwischen 50 und 60 Gegenständen vorbeigebracht. Mehr als 75 Prozent dieser Waren könnten repariert werden. «Der letzte Viertel ist wirklich kaputt. Oder es ist vom Hersteller beabsichtigt, das Gerät gar nicht öffnen zu können», weiss Jürg Hochuli.
Grosses Einzugsgebiet – die gute Lage als Pluspunkt
Das Repair Café Schöftland habe sich einen guten Ruf erarbeitet, sagt Hochuli, «weil wir wirklich gut arbeiten». Die freiwilligen Helferinnen und Helfer sind fast alles Fachleute. Aber nicht alle: Einer, der am Allrounder-Tisch im Einsatz steht, stellt sich als pensionierter Arzt vor – mit allerdings jahrzehntelanger Erfahrung in Elektrotechnik und Modellbau.
Die Kundschaft schätzt das Angebot – weit über Schöftland hinaus. Das Suhren- und das Wynental zähle ebenso zum Einzugsgebiet wie das Solothurner Niederamt. Vorteilhaft sei der gute Standort im Feuerwehrlokal Schöftland. Hochuli betont: «Wir sind sehr gut gelegen – und man kann bei uns mit dem Auto vors Haus fahren.»
Achim Günter
www.repair-cafe.ch



