«Einkaufszentren müssen Erlebnisse bieten»

Das Wynecenter in Buchs feiert sein 50-Jahr-Jubiläum. Centerleiter Edgar Zettler erklärt, weshalb das Einkaufszentrum mehr als ein Ort zum Einkaufen ist, wie sich das Konsumverhalten verändert hat und was er sich für die Zukunft wünscht.

50 Jahre Wynecenter: Centerleiter Edgar Zettler vor dem Jubiläumseingang. Für ihn ist das Einkaufszentrum längst mehr als ein Ort zum Einkaufen – es soll der «Dorfplatz der Region Aarau» sein.Bild: RAN
50 Jahre Wynecenter: Centerleiter Edgar Zettler vor dem Jubiläumseingang. Für ihn ist das Einkaufszentrum längst mehr als ein Ort zum Einkaufen – es soll der «Dorfplatz der Region Aarau» sein.Bild: RAN

Herr Zettler, das Wynecenter wurde 1976 eröffnet. Was bedeutet es für Sie, dass das Einkaufszentrum heute sein 50-Jahr-Jubiläum feiert?

Edgar Zettler: Es ist ein Petit Bijou, gerade wenn man es mit anderen Einkaufszentren vergleicht. Aus dem vermeintlich hässlichen Entlein von dazumal ist ein Einkaufszentrum geworden, in das viele Menschen nicht nur zum Einkaufen kommen, sondern auch, um etwas zu erleben und Begegnungen zu pflegen. Wir können heute viel bieten und sind ein sozialer Treffpunkt. Ich sage immer: Das Wynecenter ist sozusagen der Dorfplatz der Region Aarau.

Was zeichnet das Wynecenter aus Ihrer Sicht besonders aus?

Wir haben eine hervorragende Zufahrt und genügend Parkplätze. Zudem liegen wir in einem Industriegebiet, wo wir keine Anwohner mit Wohnungen stören. Unser Mietermix ist zwar klein, aber fein. Alles, was man für den täglichen Bedarf braucht, findet man bei uns.Besonders stolz bin ich auf unseren Migros Supermarkt. Er ist unser grösster und wichtigster Mieter und gehört schweizweit zu den Top fünf. Das ist für die Migros und für die Region von grosser Bedeutung.

Sie sind seit rund anderthalb Jahren Centerleiter. Was gefällt Ihnen an dieser Aufgabe besonders?

Die Begegnungen mit den Menschen. Ich stehe in engem Austausch mit Behörden, Mietern, den Filialleitenden und den Mitarbeitenden. Insgesamt arbeiten rund 350 Menschen im Center. Wir kennen uns persönlich und sind fast wie eine kleine Familie. Auch mit den Kundinnen und Kunden suche ich aktiv das Gespräch. Ich frage sie, was ihnen gefällt und wo wir uns verbessern können. Besonders schön ist es, wenn mir Menschen erzählen, dass sie schon als Kinder hier waren und heute mit ihren eigenen Kindern oder Enkelkindern kommen.

Sie betreuen neben dem Wynecenter drei weitere Einkaufszentren. Wie hat sich Ihre Arbeit verändert?

Es ist eine in vieler Hinsicht anspruchsvolle Herausforderung und eine enorme berufliche Bereicherung. Zuvor war ich während rund 15 Jahren als Verkaufschef im Migros Supermarkt tätig und leitete verschiedene Verkaufsregionen. Anfangs konnte ich mir kaum vorstellen, diese Funktion zu verlassen. Heute bin ich sehr froh, den Schritt gemacht zu haben. Lag früher der Fokus eher auf dem Detail, gilt es heute die zielführende Vernetzung der verschiedenen Stakeholder sicherzustellen.

Hinter mir steht ein grosses Team. Bau, Immobilienbewirtschaftung, Technischer Dienst, Marketing, Centeroffice – sie alle tragen dazu bei, dass der Betrieb funktioniert. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass alles rundläuft und sich die Menschen wohlfühlen.

Wie hat sich das Einkaufsverhalten in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Der Detailhandel hat sich durch das Internet grundlegend gewandelt. Früher gingen die Menschen ins Geschäft, wenn sie etwas kaufen wollten. Heute lassen sie sich beispielsweise in einem Fachgeschäft beraten, vergleichen anschliessend die Preise im Internet und kaufen dort, wo das Angebot am besten ist. Der Wettbewerb ist dadurch deutlich härter geworden.

Ein Einkaufszentrum muss deshalb mehr bieten als reine Einkaufsmöglichkeiten. Gastronomie, Freizeitangebote und Begegnungsorte werden immer wichtiger. Klassisches Einkaufen allein reicht heute nicht mehr.

Was würden Sie im Wynecenter gerne noch verwirklichen?

Ich würde mir mehr Fläche wünschen, damit wir zusätzliche Geschäfte und ein vielfältigeres Gastronomieangebot unterbringen könnten. Ich würde gerne ergänzende Angebote schaffen, insbesondere auch für jüngere Menschen.Auch im Freizeitbereich sehe ich Potenzial. Die Menschen sollen sich länger bei uns aufhalten können und das Wynecenter nicht nur zum Einkaufen besuchen, sondern auch ihre Freizeit hier verbringen.

Welche Veränderungen stehen im Wynecenter konkret an?

Wir investieren aktuell in die Sicherheit. Mit einem zweijährigen Projekt verbessern wir den Brandschutz und die Erdbebensicherheit, damit das Center auch in den kommenden Jahrzehnten gut aufgestellt ist. Diese Arbeiten werden nur teilweise für die Kundschaft sichtbar sein.

Eine weitere Veränderung betrifft Micasa, das Ende Januar 2027 ausziehen wird. Wir sind bereits mit möglichen Nachmietern im Gespräch und möchten die frei werdende Fläche wieder attraktiv nutzen. Zudem planen wir, das Gastronomieangebot zu erweitern. Dazu stehen wir mit einem Unternehmen in Kontakt. Ein zusätzliches Angebot könnte 2027, spätestens aber 2028, entstehen.

Wie wird das Wynecenter in 10 oder 15 Jahren aussehen?

Es wird sich deutlich verändern. In den kommenden zehn Jahren dürfte insbesondere der Migros Supermarkt erneuert werden. Die Migros führt schweizweit ein neues Ladenkonzept ein, das auch das Wynecenter bereichern wird.

Auch das Erscheinungsbild und der Mietermix werden sich weiterentwickeln. Geschäfte werden ausziehen, neue Formate hinzukommen und die Digitalisierung wird eine grössere Rolle spielen. Gleichzeitig werden stationärer Handel und Onlineangebote noch stärker miteinander verbunden sein.Ich glaube aber nicht, dass sich das Bedürfnis nach Begegnungen grundlegend verändern wird. Gerade für ältere Menschen können Einkaufszentren wichtige soziale Treffpunkte sein. Einsamkeit ist ein grosses gesellschaftliches Thema. Wenn wir dazu beitragen können, dass sich Menschen bei uns begegnen, austauschen und dadurch weniger einsam fühlen, ist das eine schöne Aufgabe.

Das Wynecenter liegt mitten in einem Gebiet mit zahlreichen Migros-Betrieben. Welche Bedeutung hat deren Entwicklung für die Region?

Man könnte das Gebiet rund um das Wynecenter fast als Migros-Areal bezeichnen. Historisch gewachsen befinden sich zahlreiche Betriebe in unmittelbarer Nähe, darunter Chocolat Frey, die Fresh Food & Beverage Group, DELICA sowie die Migros-Verteilbetriebe. Sie schaffen sehr viele Arbeitsplätze in der Region.

Das 50-Jahr-Jubiläum wurde mit einem viertägigen Programm gefeiert. Das Wynencenter wurde förmlich überrannt. Ihr Herz schlägt jetzt sicher höher?

50’000 Kundinnen und Kunden haben das Wynecenter während der vier Jubiläumstage besucht und mit uns zusammen gefeiert. Wir sind überwältigt vor Freude. Dafür sagen wir von Herzen Danke. Interview: Raphael Nadler