Eniwa hält am Kraftwerkprojekt fest
Die ergänzten Unterlagen zum geplanten Neubau des Aarauer Wasserkraftwerks lagen bis letzte Woche öffentlich auf. Eniwa sieht sich durch die zusätzliche Variantenprüfung in ihrem bisherigen Projekt bestätigt. Der Verein «Rettet den Mitteldamm» übt dagegen erneut Kritik.

Bis am 22. September lagen die ergänzten Unterlagen zum geplanten Neubau des Eniwa-Wasserkraftwerks Aarau öffentlich auf. Die zusätzlichen Abklärungen waren nötig geworden, nachdem das Verwaltungsgericht vor zwei Jahren die bisherigen Grundlagen als ungenügend beurteilt und weitere Untersuchungen verlangt hatte.
Im Zentrum steht die Frage, wie mit der bestehenden Kraftwerkanlage und dem Mitteldamm umzugehen ist. Die Anlage ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) verzeichnet. Entsprechend müssen die Interessen des Denkmalschutzes gegen jene der Energieproduktion, des Hochwasserschutzes und weitere öffentliche Interessen abgewogen werden.
Eniwa: Bestehendes Projekt überzeugt
Eniwa hält nach der ergänzten Variantenprüfung an ihrem bisherigen Projekt fest. Dieses sieht vor, das alte Kraftwerkgebäude und das sogenannte «Türmli» abzubrechen und den Mitteldamm zu entfernen. Nach Angaben des Unternehmens bietet diese Lösung insgesamt die grössten Vorteile.
Dabei verweist Eniwa nicht nur auf die Stromproduktion. Mit dem Neubau soll der Kraftwerkskanal bei Hochwasser bis zu 600 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ableiten können. Heute liegt die maximale Kapazität laut Eniwa bei 380 Kubikmetern pro Sekunde, ohne zusätzliche Hochwasserentlastung. Gleichzeitig soll trotz höherer Restwassermengen deutlich mehr Strom produziert werden.
Auch wirtschaftlich sieht Eniwa Vorteile. Das bisherige Projekt weise von den geprüften Varianten die tiefsten Produktionskosten auf. Dies sei angesichts möglicher Veränderungen im Strommarkt für das Unternehmen, seine Kundinnen und Kunden sowie seine Eigentümer von Bedeutung.
Gegner bringen Alternativen ins Spiel
Der Verein «Rettet den Mitteldamm» kritisiert die ergänzten Unterlagen und hält Varianten mit einem vollständigen oder teilweisen Erhalt des Mitteldamms weiterhin für möglich. Privatpersonen aus dem Umfeld des Vereins haben erneut eine Einwendung eingereicht.
Unter anderem schlägt der Verein vor, den Mitteldamm zu erhalten und die Staustufe beim Dotierkraftwerk um zehn Zentimeter zu erhöhen. Damit lasse sich nach seiner Einschätzung die für Bundessubventionen notwendige zusätzliche Stromproduktion erreichen. Eniwa kann diese Berechnungen nach eigenen Angaben nicht nachvollziehen.
Eine Erhöhung der Staustufe sei geprüft worden, erklärt die Eniwa. Sie hätte jedoch Entschädigungen für Anspruchsberechtigte oberhalb des Kraftwerks sowie kostspielige bauliche Massnahmen an den Wehranlagen zur Folge. Eine Variante mit vollständig erhaltenem Mitteldamm und ausschliesslich höherem Stau sei deshalb nicht weiter ausgearbeitet worden. Laut Eniwa würde damit die erforderliche Produktionssteigerung von 20 Prozent nicht erreicht und der Anspruch auf Bundessubventionen entfallen.
Für Eniwa bleibt deshalb das eingereichte Neubauprojekt die bevorzugte Lösung. Es müsse nicht nur denkmalpflegerische Anliegen berücksichtigen, sondern langfristig auch Stromproduktion, Hochwasserschutz, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden.
NRO/LA