«Es vergeht kein Tag ohneGedanken an die Ukraine»

Mit ihrem Vortrag «Live aus der Ukraine» nahm die Journalistin und Kriegsreporterin Luzia Tschirky über 100 Besucherinnen und Besucher in der Aula der Bezirksschule Unterkulm mit hinter die Kulissen des Krieges – bewegend, eindringlich und zutiefst menschlich.

Luzia Tschirky beantwortet im Anschluss an ihren Vortrag «Live aus der Ukraine» in der Aula der Bezirksschule Unterkulm Fragen aus dem Publikum.Bild: Patrick Tepper/Dorfheftli
Luzia Tschirky beantwortet im Anschluss an ihren Vortrag «Live aus der Ukraine» in der Aula der Bezirksschule Unterkulm Fragen aus dem Publikum.Bild: Patrick Tepper/Dorfheftli

Es ist Sonntagmorgen, 10 Uhr. Draussen liegt winterlicher Nebel, es ist ruhig in Unterkulm. Drinnen in der Aula der Bezirksschule ist es still geworden, als Luzia Tschirky zu erzählen beginnt. Sie nimmt ihr Publikum mit zurück zu jenem 24. Februar 2022 – jenem Tag, den sie selbst als Zäsur bezeichnet.

An diesem Morgen begann der russische Grossangriff auf die Ukraine. Über Nacht wurde aus der Korrespondentin eine Kriegsreporterin. Was bis dahin politische Analyse und Auslandberichterstattung gewesen war, wurde plötzlich zur unmittelbaren Konfrontation mit Zerstörung, Flucht und Tod.

Mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörer sind der Einladung des Kulturvereins Kukuk gefolgt. Sie erleben keinen kurzen Nachrichtenbeitrag, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt, sondern eine persönliche, schonungslose und zugleich einfühlsame Innensicht auf einen Krieg, der Europa verändert hat.

Hinter den Schlagzeilen: Menschen und Schicksale

Tschirky berichtet von Begegnungen mit Menschen in umkämpften Gebieten, von Müttern auf der Flucht, von Soldaten an der Front, von zerstörten Städten – und von der ständigen Unsicherheit, die zum Alltag wurde. Der Ausnahmezustand sei Dauerzustand gewesen, sagt sie.

Vor dem Krieg lebte und arbeitete die Sarganserin in Moskau. Von dort bereiste sie regelmässig Länder der ehemaligen Sowjetunion, berichtete aus Belarus, Armenien oder Aserbaidschan. Doch der Angriff auf die Ukraine stellte alles in den Schatten. «Es vergeht kein Tag ohne Gedanken an die Menschen in der Ukraine», sagt sie an diesem Vormittag.

Ihre Schilderungen gehen unter die Haut. Es sind nicht nur geopolitische Zusammenhänge, die sie erklärt, sondern vor allem menschliche Geschichten. Geschichten von Verlust – aber auch von Würde, Mut und Hoffnung.

Schreiben gegen das Vergessen

Für ihre Arbeit wurde Luzia Tschirky als «Journalistin des Jahres 2022» und «Reporterin des Jahres 2023» ausgezeichnet. Doch Auszeichnungen seien nie Antrieb gewesen, lässt sie durchblicken. Vielmehr gehe es darum, hinzuschauen, zuzuhören und den Menschen eine Stimme zu geben.

In ihrem Buch «Live aus der Ukraine» hat sie ihre Erlebnisse und Eindrücke festgehalten. Ab Oktober 2023 nahm sie sich eine Auszeit von ihrer Tätigkeit als SRF-Korrespondentin, um das Erlebte aufzuschreiben und zu verarbeiten. Denn auch fernab der Front hallt der Krieg im Kopf nach.

Nach ihrem Mutterschaftsurlaub kehrte sie Anfang August wieder in das Krisengebiet zu ihrem Team zurück – ein Schritt, der Respekt auslöst. Man spürt im Saal Bewunderung, aber auch Betroffenheit.

Rockabilly in Teufenthal

Der nächste Event des Kulturverein Kukuk findet am Freitag, 27. März, um 20 Uhr statt. Das Trio Lucky 7 bringt die Turnhalle Teufenthal mit klassischem Rockabilly zum Beben. Mitreissend, energiegeladen und voller Spielfreude – inklusive Tanzfläche für alle Rockabilly-Fans.RAN/PD

www.zumkukuk.ch