Gehören Sie zum guten Durchschnitt? Ich leider nicht

Gedanken
Gehören Sie zum guten Durchschnitt? Ich leider nicht
«Jeder durchschnittliche Schweizer Haushalt besitzt 74 Elektrogeräte.» Dieser Titel einer älteren Medienmitteilung stach mir beim Aufräumen ins Auge. 74? Unmöglich. Bei mir doch nicht. Ich lebe bewusst. Nachhaltig, zumindest im Kopf. Dachte ich.
Zu Hause begann ich – unbeobachtet von der Familie – zu zählen. Im Büro: PC, Bildschirm, Drucker, Bürolampe, externe Festplatte. Es ging schneller, als mir lieb war. Im Schlafzimmer der Radiowecker, im Bad die elektrische Zahnbürste, der Föhn, der Epilierer (der gehört selbstverständlich nicht mir). Küche, Wohnzimmer, Gang: 64 Geräte, bevor ich überhaupt in einen Schrank oder in die berühmte «Das-kann-man-ja-noch-gebrauchen»-Schublade geschaut hatte.
Dann der Werbeprospekt im Briefkasten. Top-Angebot für ein neues Smartphone. Meine Kinder waren sich einig: sofort zuschlagen! Ich zögerte. War da nicht noch ein altes Handy? Ich fand ein iPhone 3G. Angeschlossen, kurz gewartet – und siehe da: Es läuft noch. Und es lag nicht alleine in der Schublade. Zwei weitere Telefone tauchten auf. Funktionsfähig. Ungenutzt. Geduldig. Offenbar warteten sie auf ein Comeback oder zumindest auf meine Entscheidung.
Eine weitere Zahl aus der Medienmitteilung beruhigte mich: Ich bin nicht alleine. Die genannte Studie zeigt, dass in Schweizer Haushalten durchschnittlich 13 Elektrogeräte ungenutzt herumliegen. Sie funktionieren, sie enthalten wertvolle Rohstoffe – und sie warten. Worauf eigentlich? Auf den perfekten Recycling-Tag? Auf schlechtes Gewissen? Oder auf den Moment, in dem jemand sagt: «Ach, das alte Ding habe ich immer geliebt»?
Mit diesem Gedanken ging ich in die Garage. Ein alter Staubsauger, ein Bügeleisen fürs Wachsen der Langlaufski, ein Laubsauger. Die 74 hatte ich längst überschritten. Ich begann innerlich mit 74a, 74b, 74c zu rechnen – eine mathematische Selbstberuhigung, die erstaunlich gut funktioniert.
Dabei weiss ich es besser. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Elektrogeräte in Schweizer Haushalten um rund 40 Prozent gestiegen. Sie sind effizienter geworden, ja. Stromsparender. Paradoxerweise verbrauchen wir pro Kopf heute sogar weniger Strom – aber wir besitzen immer mehr Geräte. Vor allem Bildschirme, Smartphones und Laptops. Viele davon stehen öfter im Stand-by als im Einsatz. Immer bereit, nie wirklich gebraucht.
Die genaue Anzahl Geräte in unserem Haushalt ist mir soeben entfallen. Fakt ist: Ich liege über dem Durchschnitt. Und diesmal ist das kein Kompliment. Und Sie? Gehören Sie noch zum guten Durchschnitt – oder zählen Sie auch schon mit Buchstaben weiter?