Gerettet – aber zu welchem Preis?
Der HSC Suhr Aarau bleibt in der höchsten Liga – dank einem dramatischen 34:32-Sieg gegen Handball Stäfa in letzter Minute. Doch der sportliche Erfolg kaschiert eine Saison voller Fehlentscheide. Der Klub steht vor grundlegenden Fragen.
Konfetti in der Schachenhalle, Erleichterung auf den Rängen: Der HSC Suhr Aarau hat den Ligaerhalt geschafft. Im entscheidenden fünften Playout-Spiel rang man Handball Stäfa nieder – ein Kraftakt, der sinnbildlich für die gesamte Saison steht. Und doch bleibt ein schaler Beigeschmack.
Denn was als Jubelabend endete, war über Monate hinweg ein sportlicher und struktureller Absturz. Vor einem Jahr noch Playoff-Halbfinalist, kämpfte derselbe Klub plötzlich ums nackte Überleben.
Zu viel verändert, zu wenig bedacht
Die Ursachen liegen auf der Hand – und sind hausgemacht. Im Sommer entschied sich die sportliche Führung, das erfolgreiche Gefüge radikal umzubauen. Führungsspieler wie Jannis Scheidiger, Daniel Parkhomenko, Tim Aufdenblatten oder Jonas Kalt wurden abgegeben, Hierarchien aufgelöst, neue Kräfte integriert. Der Plan: ein moderneres, dynamischeres Team. Die Realität: ein Kader ohne klare Struktur und ohne Leader.
Hinzu kam eine Kommunikation, die intern wie extern für Unruhe sorgte. Spieler wussten lange nicht, ob sie bleiben dürfen. Der Trainer wurde erst hingehalten, dann entlassen. Professionalität sieht anders aus.
Die Folgen waren auf dem Feld unübersehbar. Leistungen blieben aus, Automatismen fehlten, Verletzungen verschärften die Lage. Am Ende musste der 72-jährige Feuerwehrmann und Meistertrainer von 1999, Urs Mühlethaler, übernehmen, ein zurückgetretener Spieler reaktiviert werden und selbst der Torhütertrainer einspringen. Es sind Bilder, die mehr über den Zustand des Klubs sagen als jede Statistik.
Dass einzelne Akteure im entscheidenden Moment lieferten, ist ihnen hoch anzurechnen. Doch es ändert nichts daran, dass der HSC strukturell ins Wanken geraten ist.
Wie weiter?
Mit dem Ligaerhalt ist Zeit gewonnen – mehr nicht. Die Trennung von Leistungssportchef Robert Kostadinovic ist beschlossen, die Zusammenarbeit gilt als gescheitert. Nun übernimmt mit Petr Hrachovec ein Mann, der Trainer und Sportchef zugleich ist.
Das kann funktionieren – oder die nächste Machtkonzentration mit Risiken bedeuten. Entscheidend wird sein, ob der Klub aus seinen Fehlern lernt: klare Rollen, stabile Führung, transparente Kommunikation.
Der HSC Suhr Aarau hat den Absturz gerade noch verhindert. Doch wer wieder nach oben will, muss sich jetzt ehrlich fragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. RAN



