Höhen und Tiefen zweier Karrieren
Am vergangenen Freitagabend ehrte und beschenkte die Gemeinde Buchs zwei aus den eigenen Reihen stammende Sportlerinnen, die jüngst grosse Erfolge feiern konnten.
Die Aarauer Vorortsgemeinde Buchs lässt sich mit ihren gut 8500 Einwohnerinnen und Einwohner schwerlich als «kleines Nest» beschreiben. Dennoch: Auch für eine Gemeinde dieser Grösse ist es durchaus bemerkenswert, dass sie derzeit gerade zwei Sportlerinnen zählt, die unlängst Medaillen bei internationalen Grossereignissen einheimsen konnten. Aline Seitz gewann Anfang Februar an der Bahnrad-EM in der Disziplin Scratch im türkischen Konya die Silbermedaille, Lena-Marie Lutz Mitte Februar an den Olympischen Winterspielen in Mailand Cortina als Teil der Schweizer Frauen-Eishockeynationalmannschaft die Bronzemedaille.
Grund genug jedenfalls für den Buchser Gemeinderat, um eine Feier zu Ehren der beiden erfolgreichen Sportlerinnen auf die Beine zu stellen. Diese fand am vergangenen Freitagabend im Gemeindesaal statt. Obwohl mitten in den Frühlingsferien, erwiesen knapp hundert Personen der 29-jährigen Seitz und der 24-jährigen Lutz die Ehre.
Als Gastgeber fungierten der Buchser Gemeindepräsident Joel Blunier sowie Gemeinderat Christian Moricchi. Die beiden befragten – unterstützt von Fotos prägender Karrierestationen – die Athletinnen. Zuerst war Moricchi mit Aline Seitz an der Reihe, anschliessend Blunier mit Lena-Marie Lutz. Es gelang ihnen, den beiden Gesprächspartnerinnen durchaus Spannendes zu entlocken.
Mit 70 km/h ohne Bremse unterwegs
Bei Seitz beeindruckte vor allem die Gefährlichkeit ihrer Sportart – und die Waghalsigkeit, die es dafür braucht. Seitz duelliert sich auf der Bahn mit bis zu 70 Stundenkilometern mit ihren Konkurrentinnen. Und das mit einem Velo, das nicht mal über eine Bremse verfügt. Dass da nicht immer alles glimpflich abläuft, umschrieb Aline Seitz mit einem Schmunzeln: «Ich habe nicht mehr die schönsten Modelbeine. Es ist alles ein wenig vernarbt. Aber das gehört dazu.»
Ihr Fernziel sei, so Seitz, 2028 nochmals Olympische Spiele erleben zu dürfen. Ihre diesbezügliche Premiere feierte sie 2024 in Paris. Aber schon das Programm der nächsten Monate hat es in sich. Malaysia, USA und schliesslich die WM in Shanghai lauten die wichtigsten Destinationen.
«Bin momentan an einem Nullpunkt»
Lutz, die bereits mit vier Jahren dem Puck nachzujagen begann und aktuell beim HC Ambrì-Piotta unter Vertrag steht, gewährte ebenfalls interessante Einblicke – auch in ihr Seelenleben. Etwa als sie preisgab, dass sie professionelle Unterstützung in Anspruch nehme, um mit den jeweiligen Drucksituationen gut klarzukommen. «Das hilft definitiv.»
Oder als sie erzählte, dass sie nun, nach der bereits zweiten Teilnahme an Olympischen Spielen und dem Medaillengewinn, ein bisschen in ein Loch gefallen sei. «Ich habe alle meine Ziele erreicht, die ich erreichen wollte. Ich bin momentan an einem Nullpunkt. Es ist herausfordernd, bietet aber auch enorm viele Chancen.» Lutz, die durch schwere Verletzungen auch schon die Schattenseiten des Sports ausgiebig kennenlernen musste, hat nicht nur mit der «Nati» brilliert, sondern auch auf Klubebene die beste Saison ihrer Karriere absolviert.
Lokalkolorit auch bei der Musik
Für die musikalische Umrahmung und auch für auflockernde Intermezzi sorgte ein Trio: der Aarauer Sänger und Gitarrist Nick Mellow, der Lokalmatador Martin Fischer am Schlagzeug sowie Emanuel Steffen am Piano.
Nach einer knappen Stunde konnten die Besucherinnen und Besucher der Feier schliesslich zum Apéro übergehen – und so manche und mancher nutzte die Gelegenheit, mal eine echte Olympia- oder EM-Medaille anfassen zu können oder liess sich mit den erfolgreichen Buchser Sportlerinnen ablichten. Achim Günter





