«Jetzt müssen wir Wasser sparen»
Seit dem Höchststand 2024 ist der Grundwasserspiegel bei einer Fassung im Suhrental um rund sechs Meter gefallen. Nun ist die Eskalationsstufe 2 erreicht. Walter Wyler, Präsident des Grundwasserverbands Suhrental, warnt: Ohne ausgiebigen Regen wird sich die Lage weiter zuspitzen. «Jetzt sind die Gemeinden aufgerufen, Verbote auszusprechen!»

Die Lage im mittleren und oberen Suhrental wird ernst. Die Grundwasserstände sinken weiter, auch die Quellen liefern weniger Wasser. Besonders betroffen sind die Wasserversorgungen ab Kölliken talaufwärts.
«Wir haben seit 2024 sinkende Grundwasserstände», sagt Verbandspräsident Walter Wyler. Bei der Grundwasserfassung Kirchmatte in Buchs etwa sei der Pegel allein seit Anfang Jahr um rund drei Meter gefallen. Gegenüber dem Höchststand 2024 beträgt der Rückgang rund sechs Meter. «Das sind sehr grosse Abnahmen, die man mit nichts kompensieren kann.»
Ein paar Regentage reichen nicht
Die Gründe liegen vor allem in den fehlenden Niederschlägen. Bereits der letzte Winter war trocken, der heisse Sommer verschärfte die Situation weiter. Selbst der jüngste Regen der letzten Tage bringt keine Entlastung. Wyler hat im eigenen Garten rund 50 Zentimeter tief gegraben: «Nur die obersten zehn Zentimeter waren feucht. Darunter war der Boden noch absolut trocken.» Damit sich das Grundwasser erholt, braucht es deutlich mehr Niederschlag. «Es müsste mehrere Wochen richtig regnen», sagt Wyler. Zuerst müsse der ausgetrocknete Boden Wasser aufnehmen, bevor genügend davon ins Grundwasser gelangt.
Wie aussergewöhnlich die Situation ist, zeigt auch der Sempachersee. Wegen des tiefen Seestands muss beim Auslauf Wasser in die Suhre gepumpt werden, damit Fische, andere Wassertiere und Pflanzen überleben können.
Für das Suhrental ist das besonders problematisch. «Wir haben keine Gletscher im Hintergrund», sagt Wyler. Das Gebiet ist für die Grundwasserneubildung stark auf Niederschläge angewiesen.
Inzwischen ist die Eskalationsstufe 2 erreicht. «Jetzt geht es nicht mehr nur darum, Bitten auszusprechen», sagt Wyler. «Die Gemeinden müssen nun konkrete Einschränkungen verfügen.»
Betroffen sind unter anderem das Bewässern von Rasen und Grünflächen, das Waschen von Fahrzeugen sowie die Reinigung von Vorplätzen, Fassaden, Dächern und Terrassen. Auch Zierbrunnen und Wasserspiele sollen abgestellt werden. «Grössere Grundwassernutzer müssen ihre Bezüge ebenfalls um bis zu 10 Prozent reduzieren», sagt Wyler weiter.
Sollten die Pegel weiter fallen, könnten die Massnahmen nochmals verschärft werden. Gleichzeitig arbeitet der Verband an zusätzlichen Bezugsquellen und einer neuen Grundwasserfassung. Diese Projekte lösen die aktuelle Knappheit jedoch nicht.
Walter Wyler will keine Panik verbreiten, macht aber deutlich, dass die Bevölkerung die Situation ernst nehmen muss. «Jeder unnötig verbrauchte Liter belastet die knappen Reserven zusätzlich», spricht der Präsident des Grundwasserverbands Suhrental Klartext.
Zusätzliche Wasserquellen werden gesucht
Der Grundwasserverband und die Wasserversorgungen arbeiten an längerfristigen Lösungen. Bei einem Test wurde Grundwasser aus dem Aaregebiet über sechs Wasserversorgungen bis nach Staffelbach transportiert. Dabei kamen allerdings Engpässe im Leitungsnetz und bei den Steuerungsanlagen zum Vorschein. Eine dauerhafte Lösung würde deshalb weitere Investitionen erfordern.
Auch im Raum Muhen wird nach zusätzlichen Reserven gesucht. Dort sollen im November Messungen zeigen, ob eine weitere Grundwasserfassung zur Versorgungssicherheit beitragen könnte. Raphael Nadler