Kontroverse Klimadebattezwischen Stall und Supermarkt

Über 100 Personen besuchten das SVP-Podium in Staffelbach über Klimawandel, Fleischkonsum und Landwirtschaft. Einig war man sich über die Realität des Klimawandels – umstritten blieb, wie gross der Beitrag der Kühe und wie hoch der Preis für nachhaltige Produktion sein soll.

Über nachhaltige Landwirtschaft diskutierten in Staffelbach unter anderen Landwirt Ruedi Müller, alt Regierungsrätin Susanne Hochuli, SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh und Landwirt Max Hauri (von links).Bild: Henry Muchenberger
Über nachhaltige Landwirtschaft diskutierten in Staffelbach unter anderen Landwirt Ruedi Müller, alt Regierungsrätin Susanne Hochuli, SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh und Landwirt Max Hauri (von links).Bild: Henry Muchenberger

Der provokative Titel sei bewusst zugespitzt, sagte SVP-Ortsparteipräsidentin Silvia Morgenthaler zur Begrüssung in der Mehrzweckhalle Staffelbach. Moderiert wurde der Anlass von der früheren grünen Regierungsrätin Susanne Hochuli. Der Klimawandel sei wissenschaftlich belegt, stellte sie klar. Doch jede und jeder könne Einfluss nehmen – etwa über das Essverhalten.

Daniel Bretscher von Agroscope ordnete ein: Weltweit werde ein Drittel der produzierten Lebensmittel weggeworfen. Rund ein Viertel der globalen Emissionen entfalle auf Land- und Ernährungswirtschaft. Den Methanausstoss von Kühen zu senken, sei technisch schwierig, trotz Ideen wie Futterzusätzen oder Masken. Ein Hebel liege beim Konsum: Wir ässen rund dreimal mehr Fleisch als empfohlen. Würden Umweltkosten eingerechnet, müsste Fleisch etwa dreimal so viel kosten, Milch doppelt so viel.

SVP-Nationalrat und Älpler Ernst Wandfluh widersprach heftig. Von Subventionen könne keine Rede sein, es gebe Direktzahlungen für Leistungen wie Biodiversität. «Wenn wir den Fleischpreis verdoppeln, kauft das niemand mehr – dann können wir die Schweizer Landwirtschaft schliessen», warnte er. Die Kuh als «Biokillerin» sei ein Ablenkungsmanöver der Ölindustrie.

Hafermilch und Zahlungsbereitschaft

Greenpeace-Experte und Landwirt Georg Klingler plädierte für neue Denkansätze bis hin zu Landwirtschaft ohne heutige Tiernutzung. Er könne aus einem Hektar Hafer 28′000 Liter Hafermilch produzieren – doch wer nehme sie ab?

Mehrfach stellte sich die Frage nach der Zahlungsbereitschaft der Konsumenten. Landwirt Ruedi Müller verwies auf Wartelisten beim Label IP Suisse. Max Hauri meinte: Je besser das Label, desto höher dürfe der Preis sein – doch die Zusammenhänge seien schwer zu vermitteln. Ein einfacher Slogan reiche nicht.

So blieb am Ende eine kontroverse, aber sachliche Debatte – mit vielen offenen Fragen zwischen Klimaanspruch, Landwirtschaft und Markt.

Mathias Küng/LA