Macht Pétanque olympisch!

Gedanken
Macht Pétanque olympisch!
Die Schweiz und Olympia haben eine lange Geschichte. Zweimal brannte das olympische Feuer hierzulande: 1928 und 1948 in St. Moritz. Damals war Olympia noch überschaubar, fast familiär, und niemand dachte daran, Berge zu versetzen oder Milliardenbudgets zu rechtfertigen. Danach folgten Jahrzehnte des Scheiterns. Bewerbungen versandeten, Volksabstimmungen kippten Projekte, die Skepsis der Bevölkerung wuchs. Zu teuer, zu gross, zu wenig nachhaltig – Olympia passte plötzlich nicht mehr so recht zur Schweiz.
Nun steht mit den Winterspielen 2038 erneut eine Kandidatur im Raum. Und sie klingt erstaunlich vernünftig. Dezentral, verteilt über alle Landesteile und Sprachregionen, dort, wo bereits Hallen, Bahnen und Anlagen existieren. Eishockey in Städten, Bob und Rodel in St. Moritz, Skispringen in Engelberg, Langlauf im Goms. Vieles privat finanziert, der Staat nur begrenzt beteiligt. Man hat offenbar verstanden, wie dieses Land tickt.
Und trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl. Denn Olympische Spiele bleiben ein teures Unterfangen – und ein Sammelbecken für Sportarten, die ohne olympisches Gütesiegel kaum überleben würden. Bahnen für Bob, Rodel oder Skeleton kosten Millionen, auch Skisprunganlagen. Sie werden wenige Wochen im Jahr genutzt und dienen am Ende oft mehr dem Mythos als dem Breitensport. Der Aufwand ist riesig, der Nutzen überschaubar.
Dabei zeigt der Blick vor die eigene Haustür, wie Sport auch funktionieren kann. Pétanque ist überall. Auf Dorfplätzen, in Quartieren, auf Vereinsanlagen. In Oberentfelden wird derzeit die stark genutzte Anlage auf 20 Plätze ausgebaut – nicht weil ein Grossanlass ansteht, sondern weil immer mehr Menschen spielen wollen. Keine Prestigebauten, kein internationales Komitee, keine olympischen Ringe, einfach nur Nachfrage.
Pétanque braucht keinen Kunsteisring, keine Hochsicherheitszonen, keine Defizitgarantien. Ein Platz, ein paar Kugeln, klare Regeln. Gespielt von Jugendlichen und Senioren, von Familien, Vereinen und Feierabendgruppen. In der Region, im Kanton, in der Schweiz – ja weltweit. Die Zahl der Aktiven lässt so manchen olympischen Verband alt aussehen.
Vielleicht liegt genau hier die Zukunft des Sports: lokal verankert, weltweit verbreitet, günstig, zugänglich und nachhaltig. Und vielleicht täte es auch Olympia gut, wieder etwas näher an den Boden zu kommen. Macht Pétanque olympisch!