«Manchmal muss man einfach mutig sein»

Vom Detailhandel über die Gebäudetechnikplanung bis zur professionellen Brandmalerei. Celina Faehre, seit drei Jahren in Kölliken zuhause, hat eine wechselvolle Berufskarriere hinter sich. Am Ursprung ihres beruflichen Glücks steht ein schwerer Unfall.

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Zwei von Faehres «Brandlingen».

Zwei von Faehres «Brandlingen».

Celina Faehre an der Arbeit in ihrem gemütlichen Kurslokal in Kölliken.Bilder: Achim Günter

Celina Faehre an der Arbeit in ihrem gemütlichen Kurslokal in Kölliken.Bilder: Achim Günter

Im kleinen Kamin lodert ein Feuer, der Raum ist liebevoll dekoriert, warme Holztöne sind allgegenwärtig. Was auf den ersten Blick wie ein gemütlicher Rückzugsort im Garten aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Arbeitsplatz und Kursort.

Hier, in ihrer Gartenlaube in Kölliken, unterrichtet Celina Faehre Brandmalerei. Eine uralte Tätigkeit, die es wohl schon seit Jahrtausenden gibt. Faehre verdient damit ihren Lebensunterhalt. Schon seit Jahren.

Ob das auch so wäre ohne den schicksalshaften Tag im Jahr 2011? Faehre, damals 27-jährig, verunfallt beim Skateboarden schwer. Rund um ihr linkes Knie geht so ziemlich alles kaputt, was kaputt gehen kann. Sechs Operationen und monatelange Aufenthalte in Reha-Kliniken folgen. Erst nach knapp anderthalb Jahren ist sie wieder arbeitsfähig.

In der Reha-Klinik findet sie zum Brandmalen

Den angestammten Job als Filialleiterin kann sie nicht mehr ausüben. Künftig muss es eine Tätigkeit sein, die zu 100 Prozent sitzend erledigt werden kann. Sie macht eine Lehre – ihre bereits dritte – als Gebäudetechnikplanerin.

Sport treiben liegt nicht mehr drin. Im Rahmen der Wiedereingliederung darf sie sich aber kreativ betätigen. In der langen Reha-Phase lernt sie Verschiedenes kennen – unter anderem die Brandmalerei.

Faehre spürt: Das will sie auch weiterhin machen. Sie kauft sich eine Brandmalstation – und setzt mehr und mehr aufs Brandmalen. Um ihre kreative Ader habe sie schon immer gewusst. Nun aber beginnt sie diese auch auszuleben. «Manchmal muss man einfach mutig sein, einfach probieren und mal loslegen», ist sie überzeugt. Bald kann sie ihre Produkte verkaufen, nach ein paar Jahren wird sie angefragt, ob sie Kurse anbieten würde. «Mittlerweile darf ich die an vielen Orten geben. Und seit zweieinhalb Jahren gebe ich in jener Reha-Klinik, in der ich die Brandmalerei kennengelernt habe, selbst Kurse.»

2017 gründet sie ihr Einzelunternehmen «BrandLinge» und führt dieses während fünf Jahren hauptberuflich. Als Brandlinge bezeichnet sie die von ihr verzierten Holzobjekte. Neben Schneidebrettern und weiteren Küchenutensilien sind das auch Kässeli, Käsemesser, Dosen oder Schlüsselanhänger. Aus einem Rohling wird ein Brandling.

Heute arbeitet die 42-Jährige zu 60 Prozent selbstständig, zu 40 Prozent erteilt sie Kurse in der Reha-Klinik. Nicht nur Brandmalerei, auch andere kreative Beschäftigungen sind dort Teil ihres Angebots. Sie liebt es, Kurse zu geben und Menschen zu motivieren, hat viel Freude an der kreativen Arbeit in der Rehaklinik.

Vielfältige Kundschaft zwischen 14 und 90 Jahren

Die Klientel ihrer Kurse sei vielfältig. Oft buchten Landfrauen bei ihr, nicht selten auch Lehrpersonen oder Teilnehmende eines Polterabends. Personen zwischen 14 und 90 Jahren unterrichte sie. Die Leute gingen «gestärkt, motiviert und stolz» aus dem Kurs. «Ich hätte nie gedacht, dass ich das kann», sei der häufigste Satz, den sie höre. «Und es ist der schönste Satz.»

Die Kurse dauern maximal vier Stunden. Das Halten des Brennstifts hat es in sich – vor allem für Ungeübte. Mit Zeichnen sei der Vorgang nicht zu vergleichen. «Beim Brandmalen geht man in die Tiefe des Holzes.» Die Herausforderung sei der Umgang mit der Holzmaserung. «Mit der Zeit entwickelt man seinen eigenen Stil. Meiner ist sehr rustikal, sehr tief gebrannt.»

Die Kursteilnehmer, insbesondere Anfänger, brennen in der Regel keine eigenen Motive ins Holz. Sie übertragen Faehres Vorlagen mittels Graphitpapier auf den unbehandelten Rohling und brennen die Zeichnung dann ein. Es gebe aber, so Faehre, immer Raum für eine individuelle Note oder das Umsetzen eigener Ideen.

Pilze, Zwerge und Mandalas sind ihre Hauptmotive

Die traditionellen Motive Edelweiss, Kühe oder Berge sind nicht so ihr Ding. Sie konzentriert sich auf Darstellungen, die ihr auch persönlich gefallen: Pilze, Zwerge oder Mandalas.

Eines ist Celina Faehre wichtig: Richtig oder falsch gibt es bei ihr nicht. Lieber dem Herzen statt dem Lehrbuch folgen. Wer diese Haltung mit ihrem Lebensweg in Verbindung bringt, dürfte kaum falsch liegen. Achim Günter

www.brandlinge.ch