Mit der Militärmusik verliert Aarau ein weiteres Stück Militärgeschichte
Die Schweizer Militärmusik wird 2032 Aarau verlassen und nach Bern verlegt. Damit endet nach über 115 Jahren ein bedeutendes Kapitel auf dem Waffenplatz der Kantonshauptstadt. Und das ausgerechnet in Aarau, das sich 2030 Kulturhauptstadt der Schweiz nennen darf.

Die Kaserne Aarau gilt als Geburtsort der Schweizer Militärmusik. Bereits 1914 fand hier die erste Rekrutenschule für Militärtrompeter statt. Generationen von Militärmusikern wurden seither in Aarau ausgebildet. Nun ist klar: Ab 2032 wird das Kompetenzzentrum Militärmusik vollständig in die Kaserne Bern verlegt. Recherchen des «Landanzeigers» bestätigen das.
Als Hauptgrund für den Umzug nennt das VBS nicht Mängel am Standort Aarau. Vielmehr könne die Armee in Bern die frei werdenden Räumlichkeiten der Hochschule der Künste Bern übernehmen und Führung sowie Ausbildung an einem Ort zusammenführen. Gleichzeitig habe der Druck zugenommen, auf dem Aarauer Kasernenareal Flächen für andere Nutzungen bereitzustellen.
Für Kommandant Oberst Aldo Werlen ist der Abschied auch persönlich mit Emotionen verbunden. «Ich habe 1997 meine Rekrutenschule in Aarau absolviert und habe seither auf diesem Waffenplatz Dienst geleistet. In den zahlreichen Dienstjahren entstand eine schöne Verbundenheit zu diesem historischen Standort.»
Weiterer Verlust für den Waffenplatz ...
Der Abzug der Militärmusik ist nicht der erste Einschnitt. Bereits in den vergangenen Jahren hat der Waffenplatz Aarau zahlreiche militärische Aufgaben verloren. Die traditionsreiche Kavallerie (Dragoner), die seit der Gründung in Aarau stationiert war, wurde im Jahr 1972 aufgelöst. Neben den Reitern nutzten auch schwere Artillerie-Einheiten den Waffenplatz für ihre Manöver. Und im Jahr 2017 verliess die Infanterie – das historische Herzstück, das seit 1849 ununterbrochen in Aarau stationiert war – die einst stolze Garnisonsstadt. Geblieben sind die Territorialdivision 2 und das Rekrutierungszentrum.
Mit dem Wegzug des Kompetenzzentrums der Militärmusik verliert Aarau nun auch jene Institution, die den Waffenplatz weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Rund 330 Auftritte absolviert die Schweizer Militärmusik jährlich im In- und Ausland und prägt damit das musikalische Erscheinungsbild der Armee.
… und auch für die Kultur
Der Entscheid hat auch eine symbolische Dimension. Aarau wird 2030 Kulturhauptstadt der Schweiz sein. Dass ausgerechnet in dieser Zeit die Schweizer Militärmusik – ein bedeutender Bestandteil der Schweizer Blasmusik- und Musikkultur – den Standort verlässt, dürfte viele Kulturschaffende und Musikliebhaber nachdenklich stimmen. Zwar sollen die heutigen Proberäume künftig weiterhin von der Argovia Philharmonic, der Stadtmusik Aarau und weiteren Vereinen genutzt werden. Dennoch endet mit dem Wegzug der Militärmusik eine über ein Jahrhundert dauernde Tradition. RAN