Nach dem Sturm bleibt die Erinnerung
Mehr als 80 Jahre lang erinnerte die Friedenslinde im Aarauer Zelgli-Quartier an das Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach ihrem Sturz bei einem Unwetter Ende Mai wurde der geschichtsträchtige Baum nun zersägt und abtransportiert. Doch ganz verschwinden soll das Denkmal nicht.

Am Freitagmorgen endet ein Stück Aarauer Geschichte. Die Friedenslinde beim Aussichtspunkt «Luegisland» oberhalb des Zelgli-Quartiers liegt noch immer am Boden, ihre Blätter sind längst vertrocknet. Drei Wochen nach ihrem Sturz bei einem schweren Unwetter Ende Mai wird der Baum nun weggeräumt.
Die Stadt hatte bewusst mit dem Abtransport gewartet. So sollte die Bevölkerung die Möglichkeit erhalten, Abschied von einem Baum zu nehmen, der für viele Generationen weit mehr war als nur ein markanter Schattenspender. Mehrfach fehlten bereits Teile der Rinde – offenbar hatten Besucher kleine Stücke als Erinnerungsstücke mitgenommen.
Die Friedenslinde war ein lebendiges Denkmal. Gepflanzt wurde sie am 5. Oktober 1945 von Schülerinnen und Schülern des Pestalozzi-Schulhauses. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollte der Baum an den Frieden und das Ende der Kriegsjahre von 1939 bis 1945 erinnern. Die Aarauer Schuljugend half damals tatkräftig beim Einpflanzen mit und setzte damit ein sichtbares Zeichen der Hoffnung für kommende Generationen.
Über acht Jahrzehnte prägte die Linde den beliebten Aussichtspunkt «Luegisland». Ende Mai 2026 wurde sie jedoch bei einem heftigen Unwetter entwurzelt. Nun transportierten Stadtförster Roger Wirz und sein Team des Forstbetriebs Region Aarau die beschädigte Metallbank, mehrere zerstörte Steinplatten und schliesslich auch den Baum selbst ab. Für den Transport musste die Linde in mehrere Stücke zersägt werden.
Was mit dem Holz geschieht, ist noch offen. Vorerst wird es im Werkhof der Stadt Aarau gelagert.
Lindenholz eignet sich aufgrund seiner weichen Struktur gut für Schnitzereien, Figuren oder Skulpturen. Zudem wurden aus jungen Trieben bereits Stecklinge gezogen und eingepflanzt. Damit besteht die Hoffnung, dass das Friedensdenkmal auch in Zukunft einen Platz in Aarau behalten wird – wenn auch in neuer Gestalt.
Anja Ihle/LA