Nordbau: Wo Altes bleibt und Neues wächst

Im Aeschbachquartier ist der Grundstein für den Nordbau gelegt. Auf dem ehemaligen Industrieareal entstehen neue Wohnungen und Gewerbeflächen. Doch das alte Produktionsgebäude verschwindet nicht einfach – seine Geschichte wird Teil des neuen Hauses.

Die Zeitkapsel wird einbetoniert: Vertreter der Bauherrin Mobimo AG, Architekt Beat Schneider, Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker und Mitarbeitende von Implenia betonieren die Kapsel gemeinsam im Nordbau ein. Bild: RAN

Die Zeitkapsel wird einbetoniert: Vertreter der Bauherrin Mobimo AG, Architekt Beat Schneider, Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker und Mitarbeitende von Implenia betonieren die Kapsel gemeinsam im Nordbau ein. Bild: RAN

Muster: So könnten Teile der Nordbau-Fassade künftig aussehen.Bild: RAN

Muster: So könnten Teile der Nordbau-Fassade künftig aussehen.Bild: RAN

Visualisierung des fertigen Nordbau-Komplexes samt Stadion-Hochhäusern im Hintergrund, wobei bei diesen die Baubewilligung noch ausstehend ist. Visualisierung: ZVG

Visualisierung des fertigen Nordbau-Komplexes samt Stadion-Hochhäusern im Hintergrund, wobei bei diesen die Baubewilligung noch ausstehend ist. Visualisierung: ZVG

Mit dem Nordbau geht im Aeschbachquartier eine lange Entwicklung auf die Zielgerade. Das Projekt an der Industriestrasse 28 bildet die letzte Ausbauetappe auf dem ehemaligen Industrieareal Torfeld Süd. Mehr als 20 Jahre hat sich das Gebiet in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Aarau gewandelt. Bauherrin ist die Mobimo AG, Implenia verantwortet die Ausführung, der Entwurf stammt von Schneider & Schneider Architekten aus Aarau.

Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker blickte bei der Grundsteinlegung denn auch über die Baustelle hinaus. «Was hier in den vergangenen 25 Jahren entstanden ist, ist für uns eine ganz wichtige Entwicklung.» Rund 500 Wohnungen und fast 1000 Arbeitsplätze zählt das Areal heute. Hilfiker hofft, dass im Torfeld Süd schon bald der nächste Spatenstich folgen kann. Gemeint ist der des langersehnten Fussballstadions.

Ein Stück Aarauer Industriegeschichte bleibt

Beim Nordbau wird nicht einfach abgerissen und neu gebaut. Teile des Produktionsgebäudes aus den 1970er-Jahren, darunter die Betonstruktur, bleiben erhalten. Darüber entstehen neue Gebäudeteile .

«Wir beginnen hier nicht bei null, sondern bauen auf dem Bestehenden auf und entwickeln daraus etwas Neues», sagte Mobimo-Projektleiter Matthias Willems. In rund 22 Monaten soll der Umbau abgeschlossen sein. Dann soll aus dem Industriegebäude «ein Wohnhaus und hoffentlich auch ein Zuhause» geworden sein.

Architekt Beat Schneider bringt die Idee dahinter auf einen einfachen Nenner: «Unsere Strategie war, nur so viel vom Bestand wegzunehmen wie nötig.» Ein kompletter Abbruch wäre einfacher gewesen. Doch für Schneider geht es um mehr als dieses eine Gebäude: «Wir alle müssen genauer hinschauen, was wir einfach abreissen und was Potenzial für eine weitere Nutzung hat.» Im fertigen Nordbau sollen deshalb Alt und Neu bewusst sichtbar bleiben.

Die Schere kommt in die Zeitkapsel

Auch Roland Bamert, Gesamtprojektleiter von Implenia, spricht von «keinem gewöhnlichen Neubau, sondern Weiterbauen im Bestand und Neubau zugleich». Eine besondere Herausforderung war die Altlastensanierung. Belastete Bodenschichten mussten fachgerecht ausgehoben und entsorgt werden. Wegen der Nähe zum Gebäude und zur Industriestrasse waren umfangreiche Sicherungsmassnahmen nötig.

Für die Grundsteinlegung hatte Implenia ein ungewöhnliches Stück für die Zeitkapsel dabei: eine Schere. Sie steht für das Prinzip des Projekts – Bestehendes nicht einfach abzubrechen, sondern gezielt «zuzuschneiden» und mit Neuem zu verbinden. Die Kapsel wurde zudem mit einer aktuellen Ausgabe der «Aargauer Zeitung», ehemaligen und aktuellen Bildern und Plänen bestückt.

Wohnen und begegnen

Im Nordbau entstehen Wohnungen verschiedener Grössen. Unter dem Konzept «Urban Village» kommen gemeinschaftlich nutzbare Aussen- und Begegnungsräume hinzu. Im Erdgeschoss sind knapp 200 Quadratmeter flexibel nutzbare Gewerbeflächen vorgesehen.

Gebaut wird nach Minergie-ECO-Standard. Die Fertigstellung und der Bezug der Wohnungen sind für die zweite Jahreshälfte 2028 geplant. Damit nähert sich auch die bauliche Entwicklung des Aeschbachquartiers ihrem Abschluss. RAN