Paul Hunziker (91) klettert dem Alter davon

Der Kölliker Paul Hunziker steht zweimal pro Woche in der Kletterhalle – und denkt nicht ans Aufhören. Der Alpinist hat Generationen geprägt und am Eppenberg ein Lebenswerk geschaffen.

Paul Hunziker sichert seinen Kletterkollegen Ralph Schenk (82).Bild: RAN

Paul Hunziker sichert seinen Kletterkollegen Ralph Schenk (82).Bild: RAN

Paul Hunziker an der Kletterwand: Mit sicherem Tritt und erhobener Hand grüsst der 91-Jährige aus luftiger Höhe – ans Aufhören denkt der Kölliker noch lange nicht. Bild: RAN

Paul Hunziker an der Kletterwand: Mit sicherem Tritt und erhobener Hand grüsst der 91-Jährige aus luftiger Höhe – ans Aufhören denkt der Kölliker noch lange nicht. Bild: RAN

Wenn Paul Hunziker am 25. März 91 Jahre alt wird, steht er wohl kurz darauf wieder an der Kletterwand. Zweimal pro Woche trainiert er im «Kraftreaktor» in Lenzburg – jeweils mehrere Stunden. Dort ist er mit Abstand der älteste Kletterer. «Er ist immer noch beachtlich aktiv und klettert besser als manch junger Einsteiger», sagt Betriebsleiter Roman Schwegler.

Paul Hunziker klettert im Vorstieg, hängt das Seil selbstständig in die Sicherungen ein, oder im Toprope mit bereits eingehängtem Seil von oben. Im Gegensatz zu vielen anderen klettert Hunziker auch wieder hinunter und lässt sich nicht abseilen. Schwierigkeitsgrade um 5/5+ meistert er noch heute. Täglich hält er sich zusätzlich fit: Klimmzüge an der Reckstange, Training auf dem Hometrainer – selbst den Spagat schafft er noch. Erst vor wenigen Wochen hat er sein Jahresabo verlängert. Ein Ende seiner Kletter-Karriere ist nicht in Sicht.

«Ich bin eigentlich kein Kletterer. Ich bin Alpinist», sagt er schmunzelnd. Ihn reizt nicht nur die Wand, sondern der Weg zum Gipfel, der Blick über Grate und Täler. Und die Natur im allgemeinen.

Viertausender und vier Klettergärten

Aufgewachsen in Kirchleerau, zog es Hunziker früh in die Natur und später in die Berge. Er stand auf dem Mont Blanc, bestieg Matterhorn, überschritt Eiger, Mönch und Jungfrau, erklomm den Biancograt und die Bernina, um nur einige zu nennen. Mehrere Viertausender bestieg er gemeinsam mit seinen Söhnen René und André. In den SAC-Sektionen Aarau, Olten und Zofingen war er als Tourenleiter geschätzt.

Sein grösstes Werk aber steht im Mittelland: Am Eppenberg zwischen Schönenwerd und Aarau erschloss und sanierte er seit 1989 vier Klettergärten mit rund 120 Routen. Tausende Bohrhaken setzte er eigenhändig. Sein Ziel: jungen Menschen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung in der Natur zu bieten. «Wer klettert, ist abends müde», sagt er. Mit über 80 Jahren übergab er sein Werk an den SAC Aarau.

Verwurzelt in Kölliken

Beruflich war Hunziker Bähnler mit Leib und Seele. Nach Stationen bei der Schuhfabrik Bally, als Dampflok-Pfleger und Rangierarbeiter, bildete er sich weiter und kam 1959 nach Kölliken, wo er zuletzt als Vorstand den Bahnhof leitete. Daneben engagierte er sich bei den Aargauer Wanderwegen, betreute 40 Kilometer Wege rund um Kölliken und schneidet bis heute Dornen aus Pfaden. Der Vater von drei Kindern ist tiefgläubig und bescheiden geblieben. Er spielt täglich Schach – «heute einfach gegen den Computer, aber er gewinnt immer» – und drechselt und schneidet Figuren aus Holz, die er verschenkt.

«Es gibt keine schlechten Felsen, nur schlechte Kletterer», sagt Paul Hunziker. Für ihn ist Klettern Training, Freude und Lebenshaltung zugleich. Und solange seine Hände Halt finden, wird man ihn wohl weiterhin an der Kletterwand antreffen.Raphael Nadler

Kraftreaktor Lenzburg

Der Kraftreaktor in Lenzburg hat sich seit der Eröffnung im Jahr 2006 als fester Treffpunkt für die Kletterszene etabliert. Mit einer Kletter- und Boulderfläche von rund 1500 m2 bietet die Halle ein solides, vollwertiges Angebot für jedes Niveau. Ein weiteres Highlight ist in Planung: Die erste Aussenkletterwand des Kantons soll noch in diesem Jahr realisiert werden. Sie soll das Indoor-Erlebnis ergänzen. Neben klassischen Vorstiegs- und Toprope-Routen verfügt die Anlage über eine moderne Boulderhalle sowie spezialisierte Trainingsmöglichkeiten wie Kilter- und Campusboards. Ergänzt wird das Angebot durch Kursangebote vom Einsteiger- bis zum Therapietraining sowie ein gemütliches Bistro.RAN

www.kraftreaktor.ch