Polizei schlägt bei Schulen und Eltern Alarm

Nach mehreren tödlichen Unfällen von Jugendlichen auf Zugdächern verstärken die Regionalpolizeien Zofingen, AargauSüd, Suret und auch die Stadtpolizei Aarau ihre Präventionsarbeit. Während Zofingen und AargauSüd Elternbriefe verschickt haben, prüfen Suret und Aarau gezielte weitere Massnahmen.

Solche Warnschilder – hier am Bahnhof Zofingen – mahnt deutlich: «Stromschlag tötet – Leitungen unter Spannung». Dennoch kletterte hier ein Jugendlicher auf einen Güterwagen und erlitt einen tödlichen Stromschlag.Bild: RAN
Solche Warnschilder – hier am Bahnhof Zofingen – mahnt deutlich: «Stromschlag tötet – Leitungen unter Spannung». Dennoch kletterte hier ein Jugendlicher auf einen Güterwagen und erlitt einen tödlichen Stromschlag.Bild: RAN

Mehrere tragische Ereignisse in der Region haben die Behörden alarmiert. In Zofingen starb ein 17-Jähriger nach einem Stromschlag auf einem Güterwagen. In Langenthal kam ein 14-Jähriger unter ähnlichen Umständen ums Leben. Zwischen Beinwil am See und Mosen wurde ein 18-Jähriger auf dem Zugdach tödlich von einem Lichtbogen erfasst, wenig später ein weiterer 17-Jähriger schwer verletzt.

Die Unfälle stehen im Zusammenhang mit sogenanntem «Train-Surfing». Jugendliche klettern dabei auf Züge und filmen sich für soziale Medien. Die Oberleitungen führen Hochspannung – bereits eine Annäherung kann tödlich enden.

Zofingen schreibt Eltern an

Die Regionalpolizei Zofingen reagierte mit einem Elternbrief an sämtliche Schulen in ihren 22 Vertragsgemeinden, darunter auch Kantons- und Berufsschule. Ziel sei es, Eltern für die enormen Risiken zu sensibilisieren. «Die Rückmeldungen sind positiv», sagt Reto Tresch, stellvertretender Leiter der Regionalpolizei Zofingen. «Gemeinden und Schulen begrüssen, dass das Thema offen angesprochen wird.»

Auch die Regionalpolizei AargauSüd sieht Handlungsbedarf. «Es geht nicht nur ums Train-Surfing», sagt Polizeichef Daniel Kretz. Bei Schulvorträgen zu Handy- und Social-Media-Gefahren hätten sich Hinweise auf riskante Mutproben verdichtet. Jugendliche wollten mit immer extremeren Videos «Likes» und Follower gewinnen.

In einem Elternbrief warnt AargauSüd vor einer «Negativspirale». Neben dem Klettern auf Züge werden gefährliche Akrobatik, KI-Sexbilder, Mobbingvideos oder rassistische Inhalte thematisiert. «Das wahre Leben hat keinen Reset-Knopf», heisst es darin. Eltern werden aufgefordert, Grenzen zu setzen und das Gespräch zu suchen.

Weitere Massnahmen sind in Prüfung

Die Regionalpolizei Suret prüft, das Thema in die Vorträge der Jugendsachbearbeiter aufzunehmen. Ein Elternbrief ist derzeit nicht vorgesehen; eine Information würde in Absprache mit den Schulen erfolgen.

Auch die Stadtpolizei Aarau beobachtet die Entwicklung genau. «Eine eigene flächendeckende Versandaktion an die Schulen wurde bislang nicht durchgeführt», sagt Adrian Lischer, Leiter Sicherheit der Stadt Aarau. «Wir stehen jedoch im Austausch mit unseren Partnerorganisationen und werden voraussichtlich bereits nächste Woche mit dem Jugenddienst der Stadtpolizei Aarau gezielte Präventionsmassnahmen prüfen, um auf die Thematik aufmerksam zu machen und die Sensibilisierung zu stärken.»

Einigkeit herrscht bei allen Korps: Prävention gelingt nur im Zusammenspiel von Eltern, Schulen und Polizei.RAN