Präsident Camenzind: «Haben die Warnsignale zu spät erkannt»

Die Erleichterung beim HSC Suhr Aarau war gross, als der Ligaerhalt geschafft war. Doch die beinahe im Abstieg endende Saison wirkt nach. Präsident Dieter Camenzind blickt offen auf Fehlentscheide, Spannungen und finanzielle Probleme zurück – und erklärt, weshalb der Verein nun neue Wege geht.

HSC-Präsident Dieter Camenzind blickt auf eine schwierige Saison zurück und spricht offen über Fehlentscheide, interne Spannungen und die Konsequenzen für die Zukunft des Vereins. Bild: Alexander Crippa
HSC-Präsident Dieter Camenzind blickt auf eine schwierige Saison zurück und spricht offen über Fehlentscheide, interne Spannungen und die Konsequenzen für die Zukunft des Vereins. Bild: Alexander Crippa

«Der Abstieg war ein sehr reales Szenario», sagt HSC-Präsident Dieter Camenzind. Zwar stellte sich später heraus, dass es wegen der Aufstiegssituation in der NLB keinen sportlichen Absteiger geben würde. Als der HSC jedoch in den Playouts kämpfte, wusste das im Verein noch niemand.

Dass der HSC überhaupt in diese Lage geriet, beschäftigt die Verantwortlichen bis heute. «Wir haben nicht alles richtig gemacht», sagt Camenzind. Sonst hätte man nicht bis zum letzten Spiel um den Ligaerhalt zittern müssen.

Gute Spieler, aber kein Team

Ein Hauptgrund für die Krise sei die misslungene Kaderzusammenstellung gewesen. Der HSC verlor vor der Saison wichtige Identifikationsfiguren wie Joël Willecke, Jannis Scheidegger, Jonas Kalt oder Daniel Parkhomenko. Die neuen Spieler hätten zwar Qualität mitgebracht, doch daraus sei keine funktionierende Einheit entstanden.

«Gute Einzelspieler machen noch keine erfolgreiche Mannschaft», sagt Camenzind. Im Gegensatz zur Vorsaison habe der Zusammenhalt gefehlt. Damals erreichte der HSC noch den Playoff-Halbfinal, ein Jahr später kämpfte er gegen den Abstieg.

Besonders schwer wogen laut Camenzind die Abgänge von Willecke und Scheidegger. Gerade auf diesen Positionen habe der HSC grosse Probleme gehabt. Gleichzeitig räumt der Präsident ein, dass es der sportlichen Leitung nicht gelungen sei, aus den Neuzugängen ein funktionierendes Team zu formen.

Rückblickend stellt sich auch die Frage, ob der Vorstand zu lange am damaligen Trainer Aleksandar Stevic festhielt. Obwohl bereits im Januar klar war, dass dessen Vertrag nicht verlängert wird, erfolgte der Wechsel erst mitten in der Playout-Serie.

«Im Nachhinein wäre ein früherer Schnitt wahrscheinlich vernünftig gewesen», sagt Camenzind. Damals habe der Vorstand aber weiterhin volles Vertrauen in den Trainer gehabt. Erst nach dem ersten verlorenen Playout-Spiel sei klar geworden, dass sofort gehandelt werden müsse.

Visionen sorgten fürSpannungen

Im Mittelpunkt vieler Diskussionen stand auch Sportchef Robert Kostadinovic, der den Verein Ende Juli bereits wieder verlässt. Dieser hatte vor der Saison ambitionierte Ziele formuliert und den HSC mittelfristig als Nummer zwei der Schweiz bezeichnet.

«Das war unglücklich formuliert», sagt Camenzind heute. Gleichzeitig verteidigt er den Sportchef. Kostadinovic sei ein Visionär gewesen, der Veränderungen angestossen habe – intern aber nicht überall gut angekommen sei.

Die Verantwortung für die misslungene Kaderplanung liege allerdings nicht allein bei ihm. Trainer, Sportvorstand und Vereinsführung seien ebenfalls beteiligt gewesen. «Das war Teamwork», sagt Camenzind.

Der HSC richtet sich neu aus

Nach der turbulenten Saison setzt der HSC wieder stärker auf Kontinuität und Identifikation. Mit Jannis Scheidegger und Timothy Reichmuth kehren zwei Spieler zurück, die eng mit dem Verein verbunden sind.

Auch organisatorisch gibt es Veränderungen. Der neue Trainer Petr Hrachovec übernimmt zusätzlich die Rolle des Sportchefs der ersten Mannschaft. Für den Nachwuchs ist künftig der frühere Weltklasse-Spieler Viran Morros zuständig.

Finanziell bleibt die Situation angespannt. Weitere Transfers seien deshalb nur eingeschränkt möglich. «Wir werden versuchen, noch das eine oder andere zu machen», sagt Camenzind. «Aber die finanzielle Situation bleibt extrem herausfordernd.» MPR/Frh/LA