Preisbewusste Azzurri

Achim Günter, Redaktor
Achim Günter, Redaktor

Gedanken

Preisbewusste Azzurri

In gut einem Monat beginnt in den USA – und ein bisschen auch in Mexiko und Kanada – die Fussball-Weltmeisterschaft der Männer. Erstmals nehmen 48 Länder daran teil. Fussball-Grossmächte wie Argentinien, Brasilien, Spanien, England oder Deutschland ebenso wie (vermeintlich?) niedliche Exoten wie Haiti, Curaçao, die Kapverden, Jordanien, Usbekistan oder Neuseeland. Fast die halbe Welt also.

Nur die Italiener machen auf Gallier. In einer bewundernswerten Konsequenz bleiben sie nach denjenigen in Russland und Katar nun auch der WM in den USA fern. Sie wollen es ihren Fans offenbar einfach nicht zumuten, in zwielichtige Länder reisen zu müssen. Recht haben sie!

Denn wie wir alle wissen, entwickeln sich die Dinge im Reich des orangen Wüterichs in den letzten Monaten und Jahren, sagen wir mal, ungut. Die «Mach Amerika für immer autark»-Bewegung (oder ist das gar nicht der richtige Name?) rund um den Supernarzissten im Weissen Haus (bzw. auf dem Golfplatz) scheint es geradezu darauf angelegt zu haben, sich möglichst viele Feinde zu schaffen.

Dennoch werden bestimmt demnächst Tausende Menschen aus Südamerika, Afrika, Asien, Ozeanien und Europa in die USA reisen. Ihnen allen sei empfohlen, vor Reiseantritt noch einen Blick auf die eisernen Reserven zu werfen. Oder noch besser: mal noch ordentlich im Lotto zu gewinnen.

Normalsterbliche können sich nämlich die USA zu WM-Zeiten kaum mehr leisten. Zwischen New York und Los Angeles ist derzeit eine gigantische Preistreiberei im Gange. Dass die Tickets von der Fifa zu exorbitant hohen Tarifen angeboten werden, ist hinlänglich bekannt. (Das mag ein Fussball-Fan noch gut verschmerzen, schliesslich weiss er ja, dass all die Einnahmen der Entwicklung des Fussballs auf der Welt und damit auch der Völkerverständigung dienen …) Dass die Hotelbetreiber und Ferienwohnungsanbieter ihr grosses Geschäft wittern – legitim und wohl kaum zu verhindern.

Doch: Auch die Transportkosten steigen ins Unermessliche. So wurde etwa jüngst bekannt, dass beispielsweise in Boston für die Fahrt von der Stadt zum Stadion und zurück im Shuttlebus pro Person 95 Dollar berappt werden müssen. Wobei das Wort «berappen» in diesem Kontext unpassend erscheint. An der EM in Deutschland 2024 oder auch an der WM in Katar 2022 war der öffentliche Nahverkehr im Spielticket jeweils inkludiert gewesen.

Entscheidet man sich dafür, zu astronomisch hohen Preisen ein Auto zu mieten und selbst zum Stadion zu fahren, wartet dort der nächste Schock. Ein offizieller Parkplatz kostet schlappe 220 Dollar – mindestens.

Wie gesagt, die Italiener wissen schon, was sie tun.