Prügelattacke nach heimlichem Besuch bei Freundin (16)

Weil er sich ins Zimmer seiner Freundin (16) geschlichen hatte, ist ein Teenager (16) in Oberentfelden von deren Familie brutal verprügelt worden. Zwei der Haupttäter müssen für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Nach einer gewaltsamen Attacke auf einen Jugendlichen in Oberentfelden hat das Bezirksgericht Aarau fünf Mitglieder einer kurdischen Familie verurteilt. Die Beschuldigten mussten sich unter anderem wegen Drohung, Körperverletzung und versuchter vorsätzlicher Tötung verantworten.

Der Vorfall ereignete sich vor rund eineinhalb Jahren. Ein damals 16-jähriger Jugendlicher war mit einer Leiter durch das Fenster in das Zimmer seiner gleichaltrigen Freundin gestiegen. Die Mutter des Mädchens entdeckte ihn unter dem Bett. In der Folge griffen mehrere Familienmitglieder den Jugendlichen an. Gemäss Anklage schlugen sie wiederholt auf ihn ein, unter anderem mit einem Holzstock. Im Zimmer soll es Blutspritzer gegeben haben. Der Jugendliche sagte vor Gericht aus, er habe Todesangst gehabt.

Die Staatsanwaltschaft wertete die Tat als schwere Gewalteskalation. Das Gericht sprach alle fünf Angeklagten schuldig. Zwei Haupttäter erhielten Freiheitsstrafen von sechseinhalb beziehungsweise drei Jahren. Die drei weiteren Beschuldigten wurden zu bedingten Freiheitsstrafen von bis zu 15 Monaten verurteilt. Gegen drei der Verurteilten wurde zudem ein mehrjähriger Landesverweis von bis zu acht Jahren ausgesprochen.

Die Staatsanwältin zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Das Gericht habe klargestellt, dass eine solche Tat zur vermeintlichen Wiederherstellung der Familienehre unentschuldbar sei.

Ein Sprecher des Verbands Aargauer Muslime betonte auf «Tele M1», die Tat habe keinen religiösen Hintergrund. Selbstjustiz und Gewalt seien im Islam strikt verboten. Es handle sich um ein kulturelles Problem. WIF/LA