«Rund um die Hütte ist Natur pur – wunderbar!»
Jede SAC-Sektion, die etwas auf sich hält, besitzt irgendwo in den Schweizer Alpen eine eigene Hütte. Das ist auch bei der SAC-Sektion Aarau nicht anders. Sie ist stolze Besitzerin einer Hütte im Kanton Uri. Und diese kann heuer ein ganz besonderes Jubiläum feiern.
Ganz zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es, als die Mitglieder der SAC-Sektion Aarau die Frage nach dem Standort ihrer geplanten Hütte diskutierten. Schliesslich entschieden sie sich 1902 für einen Felsvorsprung weit oberhalb der Göscheneralp. Im Seitenarm Chelenalptal, am Südfuss des Sustenhorns auf 2350 Metern über Meer, sollte im Jahr darauf ihre Hütte errichtet werden. Zu diesem Zeitpunkt bestand im Göscheneralptal bereits eine SAC-Hütte: die 1891 von der Sektion Uto erbaute Voralphütte.
Die damaligen Pioniere des SAC Aarau legten ein stolzes Tempo an den Tag: Nach wenigen Wochen Bauzeit wurde die Chelenalphütte am 6. September 1903 eingeweiht. Sie bot 25 Personen einen Schlafplatz.
Nur 20 Jahre nach der Einweihung wurden bereits Überlegungen für eine Erweiterung angestellt. Die eigens eingesetzte Hüttenbaukommission entschied sich jedoch für einen völligen Neubau. Dieser, ein massiver Steinbau, wurde im Sommer 1926 realisiert und am 3. Oktober des gleichen Jahres eingeweiht. Deshalb kann die SAC Sektion Aarau heuer 100 Jahre Chelenalphütte feiern.
Ende August steigt ein zweitägiger Festakt
Um die Organisation und Koordination der verschiedenen Festanlässe in diesem Jahr kümmert sich eine Jubiläumskommission. Höhepunkt der Festivitäten wird Ende August ein zweitägiger Festakt auf der Chelenalphütte sein – im Beisein von Vereinsmitgliedern und zahlreichen geladenen Gästen.
Andreas Mante ist seit 2022 Chef Hüttenkommission bei der Sektion Aarau und als solcher auch Hauptverantwortlicher für die Chelenalphütte. Pro Jahr suche er sie «mindestens zwei-, dreimal» auf. Er schwärmt vom Standort: «Das Tal, in dem sie sich befindet, ist ein Wildtal, ein ursprüngliches, nicht verbautes Tal. Rund um die Hütte ist Natur pur – wunderbar!»
Das sehen offenbar auch die anderen Clubmitglieder so. Ihm sei jedenfalls, sagt Mante, noch nie zu Ohren gekommen, dass die Standortwahl der Clubhütte jemals infrage gestellt worden wäre. Die Hütte erfreue sich einer unverändert grossen Beliebtheit. Laut Mante verbringt etwa die Jugendorganisation der Aarauer Sektion sehr viel Zeit in der Chelenalphütte; jedes Jahr zum Beispiel das Pfingstwochenende.
Als Hüttenchef muss sich Mante natürlich auch Gedanken zur Zukunft des Baus machen. Die letzten Sanierungsarbeiten liegen schon länger zurück. Mante erklärt, dass man bereits mit einem Architektenteam im Austausch sei, um die nächsten Umbauarbeiten zu planen. «Wir wollen den ursprünglichen Charme der Hütte erhalten, insbesondere die bestehende Täfer-Auskleidung und das Gemäuer.» Aber innerhalb dieser bestehenden Strukturen gelte es abzuklären, «was gemacht werden kann, damit die Hütte für die nächsten 20 Jahre wieder sehr gut brauchbar sein wird».
Breitere Matratzen, andere Zimmereinteilung
Für die Gäste würden sich vor allem zwei sicht- und spürbare Neuerungen ergeben. Die Matratzen wären künftig überall 80 Zentimeter breit, und die Zimmereinteilung beziehungsweise die Erschliessung der Zimmer würde verändert. Daneben soll es auch technische Anpassungen geben. So soll zum Beispiel die Energieversorgung künftig nicht mehr via Wasserturbine, sondern mittels Photovoltaik sichergestellt werden. Doch Andreas Mante betont nochmals: «Der Charme des Hauses wird beibehalten.» Achim Günter
Entwicklungsschritte seit 1926
Nach dem Bau der neuen Hütte 1926 nahm die Zahl der Besuchenden stark zu. Bevor 1966 und 1967 verschiedene Ausbau- und Renovationsarbeiten unternommen wurden, hatte sich das Aussehen des darunterliegenden Tals markant verändert. Zwischen 1955 und 1960 war nämlich der Staudamm errichtet und der Göscheneralpsee gestaut worden. Ein weiterer Ausbau der Hütte erfolgte 1972. Zehn Jahre später hielt schliesslich die Elektrizität in ihr Einzug. Nachdem im Frühling 1988 eine Staublawine die Hütte beschädigt hatte, wurde diese im Juni 1990 umfassend saniert und modernisiert.
Seither erfolgten bloss noch kleinere Bauarbeiten. Aktuell bietet die Chelenalphütte im Sommer 40 und im Winter 25 Schlafplätze. Hüttenwartin ist seit dieser Saison Anja Zgraggen aus dem nahen Attinghausen. agu
Herausforderung Klimawandel
Der Klimawandel macht auch vor der Hütte der SAC-Sektion Aarau nicht Halt. Durch den Gletscherschwund werde auch bei der Chelenalphütte das Aufrechterhalten einer gesicherten Wasserversorgung dereinst zum Thema, sagt Andreas Mante. Und es stellten sich weitere Fragen: Bleiben die Berghänge stabil, wenn sich der Permafrost auflöst? Gibt es häufigere Bergstürze? Bringt der Klimawandel stärkere Niederschläge und häufigere Überschwemmungen auf dem Weg zur Hütte mit sich? All das seien Fragen, die sie beschäftigten, so Mante. agu





