Sechs Gänge, sechs Siege

Mit dem Guggibad-Schwinget wurde auch die Open-Air-Saison in der Nordwestschweiz eröffnet. Sinisha Lüscher gewann das Fest auf überlegene Art und Weise schon vor dem Schlussgang.

Sinisha Lüscher darf sich im Freiamt am Ende feiern lassen.Bild: Pascale Alpiger
Sinisha Lüscher darf sich im Freiamt am Ende feiern lassen.Bild: Pascale Alpiger

Am Ende wurde es kompliziert. Zumindest für die eher weniger eingefleischten Fans des Schwingsports. Sinisha Lüscher stand nach fünf Gängen mit 1,50 Notenpunkten Vorsprung auf seinen ersten Verfolger, den Solothurner Timo Gisler, bereits als Guggibad-Festsieger fest. In solchen Fällen kommt aus dramaturgischen Gründen ein Kunstgriff zur Anwendung. Um Gisler zumindest noch die Chance zu geben, mit einem Schlussgang-Erfolg gegen Sinisha Lüscher zum Co-Festsieger zu avancieren, beraumte man ein so genanntes «Ausschwingen», einen zusätzlichen Gang, an. Würde der 17-Jährige Gisler dieses Zusatzduell gegen Lukas Döbeli gewinnen, dann würde er einen Bonus-Viertelpunkt erhalten, was es ihm ermöglichen würde, Lüscher noch einzuholen.

Der ganze Zirkus entpuppte sich schliesslich als viel Lärm um nichts. Gisler hatte in seinem Zusatzgang gegen den Eidgenossen Döbeli keine Chance. Womit auch klar war, dass Sinisha Lüscher der alleinige Festsieg nicht mehr zu nehmen sein würde. Der Schwinger des Schwingklubs Olten-Gösgen liess dann auch im Schlussgang gegen Döbeli keine Fragen offen und bodigte seinen Kontrahenten nach knapp drei Minuten gewohnt kompromisslos.

Es war der passende Abschluss eines für Sinisha Lüscher fast perfekten Fests. Auch wenn er im Siegerinterview unterstrich, dass «man nie ganz zufrieden sein darf» und es immer etwas gebe, was man besser machen kann, so war der Steigerungsraum an diesem Sonntag für den 20-Jährigen doch eher überschaubar.

Der Müheler war auf dem Guggibad auf jeden Fall der beste Schwinger und deshalb auch der verdiente Sieger. Auch wenn er auf dem Weg zum Festsieg mit Lars Voggensperger nur einen Eidgenossen aus dem Weg räumen musste. Wie er den stämmigen und schwer besiegbaren Baselbieter bodigte, war allerdings ziemlich eindrücklich. «Ich trainiere oft mit ihm. Dort schaffe ich es nur sehr selten, gegen ihn zu gewinnen. Umso schöner, dass es heute geklappt hat. Auch wenn ich keine Ahnung habe, weshalb», erzählte Lüscher lachend.

Erster Solothurner Sieg seit 2007

So durften die Solothurner Schwinger dank Lüscher zum ersten Mal seit Thomas Zindel im Jahr 2007 wieder den Guggibad-Festsieg mit nach Hause nehmen. Sowieso drückte die Solothurner Fraktion dem Geschehen im Freiamt gehörig den Stempel auf. Wie beschrieben rauschte Timo Gisler nur haarscharf an der Schlussgang-Teilnahme vorbei. Der Zweimeter-Mann liess sein enormes Potenzial mehrmals aufblitzen. ku/la