Seit drei Jahrzehnten im Dienst der Gemeinde
Martin Goldenberger prägt die Politik von Schlossrued seit fast 30 Jahren. Der parteilose Gemeindeammann blickt auf veränderte Rahmenbedingungen zurück – und erklärt, warum Kollegialität für ihn der Schlüssel erfolgreicher Gemeindepolitik ist.

Als Martin Goldenberger 1996 in den Gemeinderat von Schlossrued gewählt wurde, dachte er nicht an eine jahrzehntelange politische Laufbahn. «Mit etwas jugendlichem Leichtsinn habe ich mir das Amt zugetraut», sagt der heute 64-Jährige rückblickend. Kurz zuvor war er mit seiner Familie von Schmiedrued nach Schlossrued gezogen – die Anfrage für den Gemeinderat folgte bald.
2001 wurde Goldenberger Vizeammann, seit 2003 ist er Gemeindeammann. Anfang 2026 startete er in seine neunte Legislatur und sein 31. Amtsjahr im Gemeinderat. Damit gehört er zu den dienstältesten Gemeinderäten im Kanton Aargau. Parteipolitisch blieb er stets unabhängig.
Langfristiges Engagement statt Kurzzeitmandat
«Wenn ich etwas mache, mache ich es richtig», sagt Goldenberger. Ein Engagement auf Zeit habe ihm nie entsprochen. Dennoch sei die erneute Kandidatur für die Amtsperiode 2026–2029 kein Selbstläufer gewesen, sondern das Resultat einer bewussten Abwägung.
Bis Ende 2025 war Goldenberger Geschäftsführer von Agriexpert, dem Treuhandbüro des Schweizer Bauernverbands. Den schrittweisen Rückzug aus dem Berufsleben sieht er pragmatisch: «Auf einen Schlag mit allem aufzuhören, schien mir nicht klug.» Ob er die gesamte Amtszeit bis 2029 absolvieren wird, lässt er offen.
Mehr Tempo, höhere Erwartungen
Die Arbeit im Gemeinderat habe sich seit 1996 stark verändert, sagt Goldenberger. Während früher alle zwei Wochen Sitzungen stattfanden, präge heute eine konstante Flut an E-Mails den Alltag. «Das Tempo hat massiv zugenommen. Abschalten ist schwieriger geworden.» Auch die Erwartungen der Bevölkerung seien gestiegen. Viele Prozesse müssten schneller gehen, etwa bei Baugesuchen. Dennoch betont Goldenberger das Verständnis vieler Einwohnerinnen und Einwohner: «Man kann diskutieren, Lösungen finden und wirklich helfen. Das macht das Amt spannend.»
Kollegialität als Grundprinzip
In über 870 Gemeinderatssitzungen mit fast 28’000 Seiten Protokoll habe er eines gelernt: Alleingänge führen nicht zum Ziel. «Man muss das Kollegialitätsprinzip immer im Kopf behalten», sagt Goldenberger. Auch als Ammann sei Überzeugungsarbeit zentral.
Ratschläge für Neulinge gibt er nur zögerlich. Wichtig sei, nicht auf Fehlersuche zu gehen und die Freude am Amt zu bewahren. «Es geht nicht nur um Zahlen, sondern darum, gemeinsam eine Gemeinde zu gestalten, in der die Menschen gerne leben.» Diese Motivation treibt ihn auch nach 30 Jahren noch an. Ungebremst.Laura Koller/LA