Talent kommt – Talente gehen

Der HSC Suhr Aarau verpflichtet mit Manoy Ugiagbe ein vielversprechendes Talent aus Schaffhausen – gleichzeitig verlassen drei langjährige Eigengewächse den Verein. Damit setzt sich ein Trend fort, der Fragen zur Nachwuchsstrategie aufwirft.

Der HSC Suhr Aarau vermeldet für die kommende Saison einen prominenten Neuzugang: Manoy Ugiagbe wechselt von Ligakrösus Kadetten Schaffhausen in die Schachenhalle. Der 20-jährige U21-Nationalspieler gilt als grosses Talent im Rückraum und soll beim HSC eine tragende Rolle übernehmen. In Schaffhausen kam er bereits regelmässig in der Quickline Handball League zum Einsatz und sammelte zudem Spielpraxis in der NLB.

Ugiagbe bringt nicht nur sportliche Perspektive, sondern auch Ambitionen mit. Der HSC soll ihm als nächste Entwicklungsstation dienen – mit dem Fernziel internationale Spitze. Für Suhr Aarau ist es ein Transfer mit verheissungsvollem Charakter.

Drei Eigengewächsevor dem Abschied

Gleichzeitig trennt sich der HSC im Sommer von drei Spielern, deren Verträge nicht verlängert werden: Thomas Bieri, Timon Gnehm und Robin Köchli verlassen den Verein.

Bieri absolvierte über 100 Partien in der höchsten Liga und entwickelte sich vom Ergänzungsspieler zur verlässlichen Kraft auf dem Flügel. Gnehm durchlief seit der U15 sämtliche Nachwuchsstufen des Vereins und stand fast ein Jahrzehnt im Dienst des HSC. Köchli stiess 2021 dazu, empfahl sich über starke Leistungen für höhere Aufgaben und nahm zuletzt sogar an der U21-Weltmeisterschaft teil.

Alle drei stehen exemplarisch für den Weg, den der HSC in den vergangenen Jahren propagierte: eigene Talente ausbilden, integrieren und weiterentwickeln.

Strategiewechsel durch die Hintertür?

Der Transfer von Ugiagbe ist sportlich nachvollziehbar – und passt weiterhin ins Profil eines jungen, entwicklungsfähigen Spielers. Dennoch entsteht der Eindruck, dass sich der Klub schleichend von seiner klaren Nachwuchsstrategie entfernt.

Statt primär auf Eigengewächse zu setzen, holt der HSC vermehrt junge Spieler von anderen Vereinen. Das ist legitim und im heutigen Leistungssport nicht ungewöhnlich. Doch es verändert die Identität eines Klubs, der sich lange über seine Talent-Schmiede definiert hat.

Mit dem gleichzeitigen Abgang von Nikos Sarlos zu den Kadetten – einem der grössten Talente aus dem eigenen Nachwuchs – verstärkt sich dieses Bild zusätzlich.RAN