Tief im Innern des «Ritzer»
Unter dem früheren Fussballplatz auf dem Ritzer in Küttigen liegt eine alte Siedlungsabfalldeponie. Seit einem Jahr wird sie mit grossem technischem Aufwand saniert – ein Generationenprojekt mit Kosten von rund 50 Millionen Franken.

«Wir kommen gut voran und sind im Plan», sagt Stefan Renggli, Leiter Tiefbau der Gemeinde Küttigen, bei einer Baustellenbesichtigung. Ziel der Sanierung ist es, den natürlichen Zersetzungsprozess des Deponiematerials zu beschleunigen. Dazu wird der Abfallbereich systematisch entwässert und entgast. Im neu erstellten Betriebsgebäude sollen künftig sowohl die Deponiegase als auch das belastete Sickerwasser gesammelt, vorbehandelt und kontrolliert weitergeleitet werden. Noch wird in verschiedenen Bereichen gebaut, noch sind nicht alle Leitungen zusammengeschlossen – doch das Herzstück der Sanierung nimmt zunehmend Gestalt an.
Viel Technik,wenig Sichtbares
Auf der eigentlichen Baustelle ist wenig von der Deponie zu sehen. Bauarbeiter verlegen Gasdrainagen, Abdichtungen werden eingebaut, Fangnetze sichern die Felswände. Dass sich unter dem Gelände ein riesiger Abfallkörper verbirgt, wird erst im Innern eines grossen Zelts sichtbar. Dort führt ein grosser, rund 25 Meter tiefer Schacht in den Untergrund, gesichert mit Betonpfeilern und künstlicher Lüftung.
Von diesem Schacht aus werden mit Spezialbohrmaschinen horizontale Brunnen in den Deponiekörper getrieben. Sie bilden die Basisentwässerung der Deponie. Das anfallende Sickerwasser wird über Leitungen ins Betriebsgebäude gepumpt und dort vorbehandelt. Bei den Bohrarbeiten kam erstmals auch Material aus der alten Deponie an die Oberfläche – geborgen von Arbeitern in Schutzanzügen und mit Atemschutz. Zur Fassung der Deponiegase wurden zusätzlich vertika-le Brunnen und eine oberflächliche Gasdrainage-Schicht verlegt. Dadurch können die Gase abgesaugt und fachgerecht entsorgt werden, um Emissionen in die Umwelt zu verhindern.
Gas, Wasser,Geduld und viel Geld
In den kommenden Monaten folgen weitere Bohrungen, Abdichtungen und das Verbinden der Leitungen. Erst wenn das gesamte System dicht ist, kann der eigentliche Betrieb aufgenommen werden. «Ziel ist, dass wir am 1. Januar 2027 mit dem Absaugen der Deponiegase und dem Auffangen des Schmutzwassers starten können», sagt Niccolà Schaub, Umwelt-Ingenieurin bei Basler & Hofmann, die das Projekt begleiten. «Ein trockener Sommer würde helfen, den Zeitplan einzuhalten.»
Die Bauarbeiten dauern insgesamt rund vier Jahre und beinhalten auch eine etwa einjährige Ruhezeit, damit sich die Deponieinhalte setzen können. Die eigentliche Sanierung soll im Idealfall Ende 2028 abgeschlossen sein. Anschliessend werden auf dem Areal neue Rasenspielfelder angelegt. Abgeschlossen ist das Jahrhundertprojekt für die Gemeinde damit aber noch nicht: Die Nachsorge mit Messungen, Kontrollen und dem Betrieb der Anlagen wird voraussichtlich mehr als 50 Jahre dauern.
Die Kosten belaufen sich auf rund 50 Millionen Franken. Etwa 70 Prozent davon übernehmen Bund und Kanton, den Rest tragen die Stadt Aarau und die Gemeinde Küttigen. Für Küttigen bedeutet das – inklusive neuer Sportanlagen – Ausgaben von rund 10 Millionen Franken.RAN
Chronologie derDeponie Ritzer
Vor 1959: Der Ritzer dient als Steinbruch; nach dem Abbau bleibt eine grosse Geländemulde zurück.
1959–1974: Nutzung als regionale Mülldeponie für Aarau sowie Küttigen und Rohr. Ablagerung von Hauskehricht, Industrie- und Sonderabfällen – ohne Abdichtung oder kontrollierte Entwässerung.
1974: Schliessung der Deponie und Überdeckung des Abfallkörpers.
1970er–1980er-Jahre: Umnutzung zu Sportanlagen, unter anderem Fussballplätze, auf dem ehemaligen Deponiegelände.
1990er-Jahre: Altlastenuntersuchungen zeigen Deponiegase und belastetes Sickerwasser. Der Standort rückt wieder in den Fokus der Behörden.
2000er-Jahre: Aufnahme in den Kataster der belasteten Standorte; Beginn vertiefter Abklärungen und Überwachungen.
2010–2023: Mehrjährige Planungs- und Projektierungsphase für die Sanierung; Kostenschätzung rund 50 Millionen Franken, Finanzierung durch Bund, Kanton, Aarau und Küttigen.
26. Januar 2024: Start der Sanierungsarbeiten an der Deponie Ritzer; Abschluss der Bauarbeiten ist für Ende 2028 vorgesehen. RAN