«Traditionen bewahren und trotzdem Neues wagen»

Rund 300 Personen wohnten der Bundesfeier der Gemeinde Gränichen in der etwas stickigen Luft der Mehrzweckhalle bei. Sie hörten eine bemerkenswerte Rede einer Jungpolitikerin.

Die Musikgesellschaft Gränichen unterhielt das Publikum mit bekannten Klängen.

Die Musikgesellschaft Gränichen unterhielt das Publikum mit bekannten Klängen.

In Gränichen war am 1. August die Jugend Trumpf – zumindest bei der Ansprache. Die erst 21-jährige Paloma Spiess, Vizepräsidentin der Aargauer Jungfreisinnigen und Einwohnerrätin in Obersiggenthal, gab ihre Gedanken unter dem Titel «Zwischen Wandel und Tradition» preis. Die Maschinenbaustudentin, passend zum Nationalfeiertag in einem knallroten Kleid auftretend, sagte etwa: «Wandel, der zu schnell kommt, fühlt sich nicht mehr gut an, nicht nach dem Fortschritt, den wir wollen. Er fühlt sich an wie Kontrollverlust, wie ein Boden, der nicht mehr ganz fest ist unter den Füssen.»Spiess sprach zahlreiche Veränderungen an, etwa im Arbeitsleben, in der Kommunikation oder in der Mobilität. Sie betonte aber auch die Notwendigkeit von Veränderungen, hob deren positive Seiten hervor – gerade auch für die Entwicklung unseres Landes, von einem armen Agrarstaat hin zu einem innovativen Forschungs- und Werkplatz. Und trotz aller Veränderungen sei die Schweiz im Kern immer noch dasselbe Land wie schon vor Jahrhunderten; insbesondere dessen Werte gälten unverändert: freiheitsliebend, innovativ und vor allem auch gemeinschaftlich.«Wir müssen», folgerte sie, «das Bewährte beibehalten und vorsichtig weiterentwickeln und Chancen erkennen.» Sie schloss ihre Rede mit den Worten: «Unsere Schweiz war schon immer Meisterin darin, Traditionen zu bewahren und trotzdem Neues zu wagen.» Ein langanhaltender Applaus folgte.

Erstmals gabs vegane Wurst

Das Grusswort des Gemeinderates hatte zuvor Beat Steiner überbracht, auch er Vertreter der FDP. Das dienstjüngste Gemeinderatsmitglied rief zum Zusammentreffen im Kleinen, in der Dorfgemeinschaft, auf. «Ebenso würde ich mir wünschen, dass man wieder vermehrt offen, wertfrei und mit gegenseitigem Respekt miteinander ins Gespräch kommt und unterschiedliche Meinungen als Bereicherung versteht.»

Als Moderator durch den Anlass führte Ulrich Price, Präsident der Kulturkommission. Diese zeichnete für die Organisation der Gränicher Bundesfeier in der Mehrzweckhalle verantwortlich. Für die gelungene musikalische Umrahmung sorgte die MG Gränichen unter Leitung ihres Dirigenten Alessandro Kaufmann. Sie unterhielt die rund 300 Gränicherinnen und Gränicher mit wohlbekannten Melodien, etwa «Von guten Mächten wunderbar geborgen».

Eine musikalische Gemeinschaftsproduktion war dann das Singen des Schweizerpsalms. Als letzten offiziellen Programmpunkt servierten die STV-Senioren den Anwesenden Bratwurst und Brot. Bewährte Schweizer Tradition pur. Allerdings: Auch vor dem Essen macht der Wandel nicht halt – zum ersten Mal gabs die Wurst auch in einer veganen Variante. Achim Günter