Trotz Sparrunde fehlt fast 1 Million – nun soll der Steuerfuss steigen
Kein neuer Grill, weniger Veranstaltungen und tiefere Entschädigungen für den Gemeinderat: Unterentfelden spart an zahlreichen Stellen. Trotzdem rechnet die Gemeinde für 2027 mit einem Defizit von 951’000 Franken. Der Gemeinderat beantragt deshalb eine deutliche Steuererhöhung um 7 Prozentpunkte.

Die finanzielle Lage in Unterentfelden bleibt angespannt. Für 2027 legt der Gemeinderat ein Budget mit einem Minus von rund 951’000 Franken vor. Und das, obwohl bereits mit höheren Steuereinnahmen gerechnet wird: Der Steuerfuss soll von heute 113 auf 120 Prozentpunkte steigen. Darüber entscheidet die Einwohnergemeindeversammlung am 30. November.
Bis der Gemeinderat bei diesem Ergebnis angelangt war, musste er mehrfach über die Bücher. Insgesamt waren drei Budgetberatungen nötig.
Defizit lag zunächst bei 2,9 Millionen Franken
Nach der ersten Beratung und der Überarbeitung von acht Budgetpositionen hatte sich noch ein Defizit von rund 2,9 Millionen Franken abgezeichnet. In einer zweiten Runde wurden weitere 15 Positionen angepasst. Das Minus sank dadurch auf rund 1,83 Millionen Franken – bei einem unveränderten Steuerfuss von 113 Prozent.
Das war dem Gemeinderat noch immer zu viel. In einer dritten Runde nahm er deshalb mehr als 50 weitere Budgetpositionen unter die Lupe und beschloss zusätzliche Einsparungen.
Dabei geht es teilweise um kleine Beträge: So soll bei einer öffentlichen Grillstelle kein neuer Grill angeschafft werden. Auch der Einladungsflyer für den Weihnachtsbaum-Beleuchtungsanlass wird künftig nicht mehr per Post verschickt. Ausgaben für Veranstaltungen und freiwillige Leistungen werden ebenfalls reduziert, einzelne Anlässe ganz gestrichen.
Auch bei sich selbst setzt der Gemeinderat den Rotstift an. Seine Entschädigungen werden um sieben Prozent gekürzt, wie der Gemeinderat Unterentfelden in einer Mitteilung schreibt.
Pflege kostet 415’000 Franken mehr
Die Sparbemühungen allein reichen allerdings nicht aus. Auf der anderen Seite steigen Ausgaben, die sich von der Gemeinde kaum beeinflussen lassen. Besonders ins Gewicht fallen die Pflegekosten. Für die stationäre und ambulante Pflege muss Unterentfelden 2027 rund 415’000 Franken mehr aufbringen als im Vorjahr.
Auch die Schule wird teurer: Für die Schule Entfelden rechnet die Gemeinde mit Mehrkosten von rund 98’000 Franken.
Gleichzeitig entwickeln sich die Einnahmen ungünstig. Die Steuereinnahmen seien in den vergangenen Jahren zunehmend zurückgegangen und reichten nicht mehr aus, um die laufenden Ausgaben zu decken, wie der Gemeinderat Unterentfelden in einer Mitteilung schreibt.
Bemerkenswert ist die Entwicklung bei den natürlichen Personen: Selbst mit dem beantragten Steuerfuss von 120 Prozent wird für 2027 mit 43’000 Franken weniger Steuerertrag gerechnet als im Vorjahr. Hinzu kommen tiefere erwartete Einnahmen bei den juristischen Personen sowie bei den Erbschafts- und Schenkungssteuern.
Gebühren kommen als Nächstes auf den Prüfstand
Der Gemeinderat bezeichnet die Steuererhöhung als notwendig, um der angespannten Finanzlage entgegenzuwirken. Gleichzeitig ist klar: Auch sieben zusätzliche Steuerprozente lösen das Problem vorerst nicht. Das Budget bleibt mit knapp einer Million Franken im Minus.
Deshalb sollen 2027 auch die bestehenden Gebühren und die dazugehörigen Reglemente überprüft werden. Bei den Budgetarbeiten für 2028 will der Gemeinderat die finanzielle Situation erneut umfassend beurteilen. Das Ziel: Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde langfristig wieder ins Gleichgewicht bringen. GEM/LA