Über 70′000 Stimmen: Maja Riniker überwältigt vom Vertrauen der Aargauer Bevölkerung

Maja Riniker gewinnt die Ersatzwahl in den Aargauer Regierungsrat deutlich. Die FDP-Politikerin aus Suhr holt 70’137 Stimmen und verteidigt den Sitz von Stephan Attiger. Damit sitzen erstmals zwei Frauen gleichzeitig in der Aargauer Regierung. Im Gespräch mit dieser Zeitung spricht Riniker über Dankbarkeit, politische Akzente und ihre neue Aufgabe.

Stand heute sieht die Aargauer Regierung ab 1. Januar 2027 wie folgt aus (von links): Staatsschreiberin Joana Filippi und die Regierungsrätinnen und Regierungsräte Martina Bircher (SVP), Markus Dieth (Die Mitte), Jean-Pierre Gallati (SVP, Dieter Egli (SP) und Maja Riniker (FDP, neu).

Stand heute sieht die Aargauer Regierung ab 1. Januar 2027 wie folgt aus (von links): Staatsschreiberin Joana Filippi und die Regierungsrätinnen und Regierungsräte Martina Bircher (SVP), Markus Dieth (Die Mitte), Jean-Pierre Gallati (SVP, Dieter Egli (SP) und Maja Riniker (FDP, neu).

Ein historischer Moment für den Aargau: Die frisch gewählte Regierungsrätin Maja Riniker (FDP) neben der Aargauer Fahne. Mit ihrem Einzug in die Regierung sitzen erstmals zwei Frauen gleichzeitig in der fünfköpfigen Kantonsregierung.Bild: Ran

Ein historischer Moment für den Aargau: Die frisch gewählte Regierungsrätin Maja Riniker (FDP) neben der Aargauer Fahne. Mit ihrem Einzug in die Regierung sitzen erstmals zwei Frauen gleichzeitig in der fünfköpfigen Kantonsregierung.Bild: Ran

Maja Riniker ist neue Aargauer Regierungsrätin. Die FDP-Politikerin erreicht 70’137 Stimmen. «Ich bin sehr, sehr positiv überrascht über den hohen Wähleranteil», sagt sie nach Bekanntgabe des Resultats. Besonders bewegt sie das Vertrauen der Wählerschaft: «Über 70’000 Aargauerinnen und Aargauer haben meinen Namen aufgeschrieben. Das macht etwas mit einem. Das ist wirklich eine Verpflichtung. Und gleichzeitig empfinde ich enorm viel Dankbarkeit.»

Mit Riniker und Martina Bircher (SVP) gehören erstmals zwei Frauen gleichzeitig der fünfköpfigen Aargauer Regierung an. Gleichzeitig erhält auch der Bezirk Aarau wieder einen Sitz in der Kantonsregierung. Letztmals war der Bezirk durch den früheren SP-Regierungsrat Urs Hofmann vertreten, der von 2009 bis 2020 der Aargauer Regierung angehörte.

Konkurrenz deutlich distanziert

Die Konkurrenz bleibt weit zurück. Loredana Nigro erhält 8635 Stim-men, Theres Schöni 7514 und Stephan Zurfluh von der Musikpartei 2365. Auf Vereinzelte entfallen 1782 Stimmen.

Trotz ihrer komfortablen Ausgangslage war Riniker ein sichtbarer Wahlkampf wichtig. «Es haben immer wieder Leute gesagt: ‹Für was machst du das überhaupt?›» Sie habe den Aargauerinnen und Aargauern zeigen wollen, dass sie das Amt wirklich wolle. Deshalb sei sie im ganzen Kanton unterwegs gewesen. Den Wahlsonntag begann Riniker mit einer Dreiviertelstunde Joggen. Als das Resultat feststand, war sie mit ihren Kindern zu Hause. «Sie waren auch die Ersten, die mir gratuliert haben.»

Kein Wunschdepartement

Bereits am Mittwoch (nach Redaktionsschluss) stand die Departementsverteilung an. Einen Favoriten hat Riniker nach der Wahl am Sonntag nicht. «Mir wird immer wieder quasi in den Mund gelegt, ich wolle sicher ins Sicherheits- oder Wirtschaftsdepartement.» Sie könne sich aber in verschiedenste Themen einarbeiten – «ob es Finanzthemen sind oder Bau, Energie, Gesundheit». Auf die Führungsaufgabe freut sie sich: «Das traue ich mir absolut zu. Ich habe Respekt davor, aber ich freue mich enorm darauf, das zu machen und zu gestalten.»

Eigene Akzente bei Energie und Steuern

Inhaltlich könnte Riniker andere Akzente setzen als Vorgänger Stephan Attiger. Bei fossilen Heizungen sagt sie: «Da muss man auch mit der Zeit gehen. Die Welt verändert sich, die Energiesituation verändert sich.»

Auch bei der Steuerstrategie der Regierung hat die bisherige Finanzpolitikerin eine andere Haltung: «Da habe ich als Finanzpolitikerin eine andere Meinung.» Als Mitglied einer Kollegialbehörde werde sie gefällte Entscheide aber «mittragen und mitstützen».

«Mein Herz schlägt für den Aargau»

Die neue Rolle bringt auch persönliche Veränderungen. Ihre Agenda werde enger, dafür wird der Arbeitsweg kürzer: Statt mit dem Zug nach Bern kann Riniker künftig mit dem Velo von Suhr nach Aarau fahren. Am meisten freut sie sich darauf, künftig für ihren Heimatkanton tätig zu sein: «Das ist meine Heimat. Ich bin hier aufgewachsen. Mein Herz schlägt für den Aargau.» Raphael Nadler