Vielsagende Wappen zieren das Eingangstor zum Schlosshof
Wer sich zum imposanten Schloss Biberstein begibt, beachtet wohl kaum das farbige Relief am Torbogen. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich als wichtige Informationsquelle zur Geschichte von Biberstein. Das Relief entstand nämlich 1627, also in der Zeit der Berner Herrschaft über den Aargau.

Den Blickfang bildet ein Bär als Berner Wahrzeichen, flankiert von zwei Wappen des Kantons Bern. In den Tatzen hält er die Wappen von zwei einflussreichen Berner Familien, die vor 400 Jahren in Biberstein wichtige Ämter bekleideten. Darum ist denn auch unten das Wappen von Biberstein dargestellt. Die Amtsinhaber werden auf einem Spruchband genannt, nämlich Daniel Lerber und Martin Müller. Beide waren Angehörige von Patrizierfamilien, welche damals das Berner Burgerrecht besassen.
Das Wappen der Familie Lerber weist eine Lerche auf (im Original mit braun gesprenkeltem Federkleid), beidseitig von einem Kleeblatt gesäumt. Daniel Lerber (1669–1648) amtierte in Biberstein gemäss Inschrift als Finanzvorstand, der als «Deutscher Seckelmeister» bezeichnet wurde. Das Wappen der alteingesessenen Familie Müller enthält in goldener Schrift die Initialen M F, die sich aus ungeklärten Gründen auf einen Vorgänger namens Martin Frank beziehen. Martin Müller (1583–1655) amtierte jedenfalls als Obervogt auf Schloss Biberstein. Diese höchsten Würdenträger einer Vogtei blieben jeweils nur wenige Jahre an einem Ort, um aus heutiger Sichtweise stets wieder «eine neue Herausforderung anzunehmen».
Martin Müller liess sich später auch in Fraubrunnen als Vogt wählen. Daniel Lerber war seinerseits auch zeitweise als Obervogt tätig, und zwar in Lenzburg, und Trachselwald sowie um 1630 als Seckelmeister in Münchenbuchsee. Und zusätzlich gehörte er einer Zunft der Stadt Bern an. Kurt Graf