Vom Drunter zum Drüber
Einen Einblick in die Mode vergangener Jahrhunderte gab das Modemuseum an der Uerkner Dorfstrasse in der ehemaligen evangelisch-methodistischen Kapelle am internationalen Museumstag.

Martha Wieland hob den Rock eines ihrer ausgestellten Stücke. Zu sehen ist, was Frauen in früheren Zeiten darunter trugen. Die Modewelt änderte sich, wie der «Eurovision Song Contest 2026» zeigte. Die Damen tragen heute oben, was früher drunter war.
Der internationale Museumstag stand nicht unbegründet unter dem Motto «Vom Drunter zum Drüber». Das Kleid aus der Zeit von Madame de Pompadour vor der französischen Revolution begeisterte dennoch. Ein Reifrock mit Corsage-Schnürung, Fischbein oder Eisenstäben kann sich die Modewelt kaum noch vorstellen. Die Damen hatten zum Zweck ihrer Selbstdarstellung gelitten.
Ein Kleidungsstück zur Verbesserung der Körperhaltung für junge Mädchen ist speziell. «Was haben Frauen nicht alles für ihre Schönheit gemacht, helle Haut galt als vornehm, die vollständige Bedeckung des Körpers diente zwar dem Schutz vor Kälte, hatte aber Vitamin-D-Mangel zur Folge», so Martha Wieland. Um 1900 erlebte die Mode eine Reformbewegung, Ober- und Unterteile wurden aktuell. Ab 1920 kam der Büstenhalter auf, in den 30er- und 40er-Jahren Strapse und Strumpfhalter. Mit dem Rock-and-Roll hielten Nylon und die Synthetik Einzug in die Damenkollektion. «Das veränderte alles» – die Museumsmacherin wies dabei auf die Gaultier-Corsage von Sängerin Madonna.
Reiche Palette an Exponaten
Seit Jahrzehnten sammelt Martha Wieland Kleidung, Schuhe und Accessoires. Die Exponate reichen von prachtvollen Seidenkleidern der Belle Époque über Petticoats bis hin zu historischer Unterwäsche. Die gelernte Innendekorateurin mit textiler Ausbildung vermittelt kompetenten Einblick in die textile Entwicklung, ergänzt durch spannende Anekdoten zu ausgewählten Stücken.
Neben dem Museumsunterhalt organisieren Martha und André Wieland professionelle Modeschauen. Ein Blick in die historische Zeitgeschichte der Mode mit Musik aus den jeweiligen Epochen machen diese zu einmaligen Erlebnissen. Geöffnet hat das Museum jeweils am 1. und 3. Sonntag im Monat von 13 bis 17 Uhr. Nach Voranmeldung sind Gruppenführungen in deutscher, englischer oder französischer Sprache möglich, Kontaktaufnahme über die Website www.modesammlung.ch.
Alfred Weigel