Warum der WSB-Tunnel erst 2035 kommt
Die SBB und die Aargau Verkehr AG planen in Oberentfelden einen tiefgreifenden Umbau ihrer Bahninfrastruktur. Herzstück ist ein unterirdischer Bahnhof für die Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) am Engelplatz. Weil das Gesamtprojekt sehr komplex ist, werden der Tunnelbau und der Umbau der Haltestelle Uerkenbrücke neu getrennt und zeitlich gestaffelt. Der Tunnel soll nun erst 2035 in Betrieb gehen.

Der Engelplatz in Oberentfelden ist schweizweit eine Besonderheit: Hier kreuzen sich seit Jahrzehnten die schmalspurige Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) und die normalspurige SBB-Linie niveaugleich. Diese Konstellation stösst zunehmend an ihre betrieblichen Grenzen. Um Kapazität, Sicherheit und Stabilität zu erhöhen, plant die Aargau Verkehr AG (AVA) eine sogenannte Entflechtung der Bahninfrastruktur.
Kernstück dieses Vorhabens ist ein Tunnel für die WSB, der unter den SBB-Gleisen hindurchführt. In diesem Tunnel soll auch ein neuer unterirdischer Bahnhof Engelplatz entstehen. Die heutige oberirdische Haltestelle würde damit ersetzt, der Bahnverkehr vom stark belasteten Knotenpunkt verschwinden.
«Das Projekt dient in erster Linie der Erhöhung der Kapazität auf der SBB-Nationalbahnlinie», erklärt Michael Briner, Kommunikationschef der AVA, gegenüber dem «Wynentaler Blatt». «Damit schaffen wir die Grundlage für einen leistungsfähigeren Bahnverkehr auf einer wichtigen Ost-West-Achse.» Die Umsetzung erfolgt im Auftrag des Bundesamts für Verkehr. Gleichzeitig werde der Engelplatz deutlich entlastet – sowohl für den öffentlichen Verkehr als auch für den Individualverkehr.
Projekte werden getrennt – aus gutem Grund
Ursprünglich wollte die AVA den Tunnelbau am Engelplatz und den Ausbau der Haltestelle Uerkenbrücke in einem einzigen Grossprojekt realisieren. Davon ist man inzwischen abgekommen.
Wie Mathias Grünenfelder, stellvertretender CEO der Aargau Verkehr AG und Leiter Grossprojekte, gegenüber der «Aargauer Zeitung» erklärt, habe man die Projektstruktur im letzten Jahr kritisch überprüft und gemeinsam mit dem Bundesamt für Verkehr neu aufgesetzt. Statt eines Grossprojekts gebe es nun zwei eigenständige Lose: eines für den Tunnel am Engelplatz und eines für die Haltestelle Uerkenbrücke.
Der Grund dafür sei vor allem die unterschiedliche Komplexität. Während der Tunnelbau technisch und planerisch sehr anspruchsvoll sei, könne man bei der Uerkenbrücke deutlich schneller vorankommen. Durch die Trennung habe jedes Teilprojekt ein eigenes Planungsteam erhalten. Das reduziere Risiken, erhöhe den Fokus – und beschleunige den Ablauf.
Haltestelle Uerkenbrücke kommt zuerst
Konkret bedeutet das: Der Umbau der Haltestelle Uerkenbrücke wird vorgezogen. Sie soll verlängert, barrierefrei ausgebaut und an längere Züge angepasst werden. Der Umbau ist nach heutigem Stand für die Jahre 2029 bis 2031 vorgesehen.Nach Angaben von Grünenfelder ist geplant, die Plangenehmigung für die Uerkenbrücke bereits bis Ende 2026 einzureichen, jene für die Entflechtung in Oberentfelden ein Jahr später. Ziel sei es, die Uerkenbrücke fertigzustellen, bevor mit dem eigentlichen Tunnelbau begonnen wird.
Diese Staffelung sei bewusst gewählt – auch mit Blick auf die Bevölkerung. Andernfalls hätte es gleichzeitig mehrere Grossbaustellen im Dorf gegeben, teils mit Arbeiten im Dreischichtbetrieb. «So können wir die Hauptarbeiten auf die Sommermonate legen und die Belastung für Anwohner und Verkehr reduzieren», sagte Grünenfelder der «Aargauer Zeitung».
Dass der Tunnel am Engelplatz nun erst 2035 in Betrieb gehen soll, bedeutet laut Grünenfelder nicht, dass das Projekt aus dem Ruder läuft. Zwar sei die Gesamtbauzeit länger geworden, effektiv habe man jedoch «nur» rund sechs bis neun Monate verloren.
Die Verzögerung erklärt er unter anderem mit unterschätzten Vorbereitungsarbeiten wie der Verlegung von Werkleitungen sowie mit zusätzlichen Abstimmungen wegen neuer Bauprojekte im Umfeld. Zudem habe man bewusst eine Zeitreserve eingeplant, falls sich das Plangenehmigungsverfahren verzögert oder Überschneidungen mit anderen Grossprojekten – etwa VERAS, Hochwasserschutzmassnahmen oder SBB-Arbeiten – auftreten.
Gleichzeitig könne ein Teil dieser Zeit auch genutzt werden, um Vorarbeiten vorzuziehen. Unter dem Strich werde das Projekt dadurch besser abgestimmt und robuster geplant.
Keine Mehrkosten trotz mehr Ressourcen
Mehr Ingenieure, längere Planungszeit – wird das Projekt damit teurer? Nein, sagt Grünenfelder. Die Arbeit werde zwar auf zwei Projektteams aufgeteilt, insgesamt entstehe aber kein Mehraufwand. Einen neuen Kostenvoranschlag brauche es deshalb nicht.
Die Kosten bleiben bei rund 200 Millionen Franken für die Entflechtung und 30 Millionen Franken für die Haltestelle Uerkenbrücke, jeweils teuerungsbereinigt. Beide Projekte werden weiterhin vollständig vom Bund finanziert – der Tunnel über den Ausbauschritt Bahn 2035, die Uerkenbrücke über das reguläre Budget für Unterhalt und Ausbau der Bahninfrastruktur.
Langfristig verspricht sich die AVA vom Tunnel am Engelplatz nicht nur einen stabileren Bahnverkehr, sondern auch neue Spielräume für die Ortsentwicklung. Mit dem Wegfall der Gleise auf Strassenniveau könnte der Platz neu gestaltet werden – mit Vorteilen für Fussgänger, Velofahrende und den öffentlichen Raum.RC/WIF/RAN
Daniel Issler wird neuer CEO von Aargau Verkehr
Der Verwaltungsrat der Aargau Verkehr AG hat Daniel Issler zum neuen CEO ernannt. Er übernimmt die Funktion am 1. Januar 2027 und folgt auf Dr. Severin Rangosch, der Ende 2026 in den Ruhestand tritt. Issler ist derzeit Leiter Betrieb bei den Verkehrsbetrieben Zürich und war zuvor unter anderem Geschäftsführer der Limmattalbahn. Der Verwaltungsrat würdigt ihn als erfahrene Führungspersönlichkeit im öffentlichen Verkehr und dankt Rangosch für seinen prägenden Einsatz seit der Gründung von Aargau Verkehr 2018.AVA/LA