Wenn Bus und Bahn zur Herausforderung werden
Bruno aus Neuenhof ist an Bushaltestellen immer wieder auf Hilfe angewiesen, Therese aus Erlinsbach kämpft mit schwer verständlichen Durchsagen. Zum Tag des Weissen Stockes am 15. Oktober weist der Schweizerische Blindenbund auf Lücken bei der Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr hin.

Eine Fahrt mit Bus oder Bahn verlangt blinden und sehbehinderten Menschen oft einiges an Vorbereitung ab. Routen und Gleise müssen geprüft, Orientierungshilfen gefunden oder andere Reisende um Unterstützung gebeten werden. Der Schweizerische Blindenbund (SBb) kritisiert, dass die gesetzlich vorgesehene Barrierefreiheit auch nach Ablauf der Umsetzungsfrist Ende 2023 noch nicht überall erreicht sei.
Hindernisse auch im Aargau
Wie sich dies im Alltag auswirkt, zeigen Beispiele aus dem Aargau. Bruno aus Neuenhof muss an Bushaltestellen häufig Passanten um Hilfe bitten. «Für meine Selbständigkeit ist der ÖV sehr wichtig. Ich bin darauf angewiesen», sagt er. Therese aus Erlinsbach wiederum weist darauf hin, dass Durchsagen bei hohem Umgebungslärm teilweise schwer verständlich seien.
Eine wichtige Hilfe sind taktile Leitlinien an Bahnhöfen und Haltestellen. Laut Blindenbund fehlen solche Orientierungshilfen insbesondere in ländlichen Gebieten noch häufig. Auch Baustellen mit wechselnden Wegführungen und viel Lärm können für Betroffene zum Hindernis werden.
Informationen müssen zugänglich bleiben
Eine weitere Herausforderung ist die Digitalisierung. Fahrkarten und Reiseinformationen werden zunehmend über Smartphones und Apps angeboten. Der Blindenbund fordert deshalb, dass Informationen auch analog barrierefrei zugänglich bleiben.
Für blinde und sehbehinderte Menschen bedeutet ein zugänglicher öffentlicher Verkehr vor allem Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Der Verband fordert unter anderem mehr Orientierungshilfen, verständliche akustische und visuelle Informationen sowie bessere Lösungen bei Baustellen und Gleisänderungen. «Barrierefreie Mobilität ist kein Privileg, sondern ein Recht», sagt SBb-Präsident Dominik Gertschen.
SBb/LA
Infostand am Bahnhof Aarau
Zum internationalen Tag des Weissen Stockes macht die Regionalgruppe Nordwestschweiz des Schweizerischen Blindenbundes am Donnerstag, 15. Oktober, in Aarau auf die Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr aufmerksam. Von 10 bis 15 Uhr betreibt sie im Untergeschoss des Bahnhofs Aarau, vor dem Optikergeschäft Visilab, einen Informationsstand.Unter dem Motto «Selbständig reisen darf kein Glücksfall sein» informieren die Mitglieder über die Herausforderungen, denen blinde und sehbehinderte Menschen beim Reisen begegnen. Zudem geben sie Tipps, wie Betroffene im Alltag und im öffentlichen Verkehr unterstützt werden können. SBb