Wo aus einer Altlast ein Naturparadies entsteht

Auf dem Gelände der ehemaligen Sondermülldeponie Kölliken soll neuer Lebensraum für Vögel, Amphibien, Insekten und Kleinsäuger entstehen. Ein auffälliger Holzstapel auf einer Trockenmauer zeigt bereits, wohin die Reise geht.

Gartengestalter Ruedi Lüthi vor seinem jüngsten Werk: Die Trockenmauer mit dem kunstvoll geschichteten Holz soll auf dem Gelände der ehemaligen Sondermülldeponie neuen Lebensraum für Vögel, Insekten, Amphibien und Kleinsäuger bieten.Bild: Frie
Gartengestalter Ruedi Lüthi vor seinem jüngsten Werk: Die Trockenmauer mit dem kunstvoll geschichteten Holz soll auf dem Gelände der ehemaligen Sondermülldeponie neuen Lebensraum für Vögel, Insekten, Amphibien und Kleinsäuger bieten.Bild: Frieda Steffen

Wer von Safenwil Richtung Kölliken fährt, entdeckt am Ortseingang ein fast blockhausähnliches Gebilde. Auf einer sorgfältig aufgeschichteten Trockenmauer steht ein kunstvoll angeordneter Holzstapel, man kann es auch «Kleintierhotel» nennen. Geschaffen hat ihn der Kölliker Gartengestalter Ruedi Lüthi. Anders als ein gewöhnlicher Asthaufen soll die Konstruktion langfristig bestehen und zahlreichen Tieren Unterschlupf bieten.

Dass ausgerechnet hier neuer Lebensraum entsteht, hat Symbolkraft. Auf dem Gelände befand sich einst die Sondermülldeponie Kölliken. Sie wurde 1978 eröffnet und bereits 1985 wegen Geruchsemissionen und Gefährdung des Grundwassers wieder geschlossen. Rund 475’000 Tonnen Sonderabfälle waren dort eingelagert worden.

2004 begann die Gesamtsanierung. Dafür wurden drei grosse, unter Unterdruck stehende Hallen errichtet, deren Abluft permanent gereinigt wurde. Rund 664’100 Tonnen Material wurden ausgebaut, untersucht und entsorgt. 2016 war der Rückbau abgeschlossen, 2018 verschwanden auch die weithin sichtbaren Hallen. Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich auf rund 900 Millionen Franken.

Bis Ende 2029 soll das Gelände vollständig rekultiviert sein. Die Grundwassersanierung und das Monitoring werden weitergeführt, bis die vorgeschriebenen Grenzwerte erreicht sind. 2030 soll das Areal je zur Hälfte an Pro Natura und die Gemeinde Kölliken übergehen.

Sechs neue Laichgewässer geplant

Schon heute prägen Wiesen, Hecken und neu gepflanzte Bäume das Gelände. Ruedi Lüthi und seine Partnerin Steffi wirken bei der ökologischen Aufwertung mit. Auch ein kleiner Obstgarten soll wieder entstehen.

Besonders am Herzen liegen Lüthi die Amphibien. Sobald die alten Bahnschienen am Geländerand entfernt sind, soll vor der Trockenmauer ein flaches Laichgewässer angelegt werden. Insgesamt sind sechs Gewässer von je rund 100 Quadratmetern vorgesehen.

Damit sollen auch jene Amphibien zurückkehren, die einst im Ziegeleiweiher lebten, der der Sondermülldeponie weichen musste. Lüthi ist zuversichtlich, dass dies gelingt. Dass die Natur auf dem Areal wieder Fuss fasst, zeigt bereits die von ihm gestaltete Blumenwiese beim ehemaligen Besucherpavillon. Dort blühen sogar die in der Region seltenen «Mondäneli».

Frieda Steffen/LA