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Kostenlos

Es kommt vor, dass wir in der Redaktion eine E-Mail-Anfrage bekommen, ob wir den beigelegten kostenlosen Werbetext kostenlos veröffentlichen könnten. Am liebsten kostenlos.

Letztens schrieb uns in diesem Zusammenhang eine Firma, dass das Thema «Ferien in Zürich» unsere Leser ganz bestimmt berühren würde. Der Vorgang ist dann immer der gleiche: Wir bitten freundlich um ein Inserat, damit wir unsere Kosten decken können und weil wir uns für die geleistete Arbeit einen Lohn auszahlen möchten, mit dem wir uns gelegentlich etwas Schönes leisten können. Nahrung, Miete, Steuern, diese Sachen.

Die Antwort auf unsere Frage lautete: «Wir haben bei Facebook und TikTok schon etwas gemacht.» Man wolle ein urbanes Publikum erreichen, ein «Customer Journey» ermöglichen und «Online Brand» sei ihnen wichtig. Man fokussiere sich auf bezahlte «Reels» bei Facebook und bezahlte «Shorts» bei TikTok und habe leider kein Budget mehr für den Landanzeiger. Aber vielleicht hat der kostenlose Text ja trotzdem kostenlos Platz. Und zwar kostenlos.

Ich verstand nur «Railstation», konnte aber nachvollziehen, dass auch Herr Facebook und Frau TikTok ihre Kosten decken müssen und für ihre geleistete Arbeit einen Lohn auszahlen möchten, damit sie sich gelegentlich etwas Schönes leisten können. Nahrung, Miete, Steuern, Sie wissen schon.

Ich schaute mir genauer an, was es über «Ferien in Zürich» bei Facebook zu sehen gibt. Ich fand das wilde Gefuchtel der Influencerin eigentlich ganz lustig und hinterliess ihr ein «Like», womit sie danach 17 gedrückte «Daumen hoch» hatte. Eine Erfolgsgeschichte. Die beste Ehefrau von allen meinte sogar, Ferien in Zürich könnten wir uns ja auch mal leisten, da gäbe es einen See, und Party die ganze Nacht. Doch ein Blick auf unser Budget und nach der Feststellung, dem Party-Alter entwachsen zu sein, beendeten wir die Diskussion mit dem Beschluss auf Verzicht. Das war uns doch etwas viel urbaner «Customer Journey».

Wir sind jedoch zuversichtlich, dass sich Herr Facebook und Frau TikTok für die schöne Zusammenarbeit bedanken werden. Als kleines Dankeschön schauen sie in Zürich sicher schnell vorbei und schreiben einen schönen Bericht. Dann können sich auch die Zürcher etwas Schönes leisten: Nahrung, Miete, Steuern, wie gesagt.

Oder auch nicht.