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Als mein Internet tanzte

Am vergangenen Schneewochen­ende konnte ich zuschauen, wie mein Internet tanzte. Ein Blick vom warmen Wohnzimmer hinaus in den tief verschneiten Garten genügte. Dort, den Blick leicht in die Höhe gerichtet, sah ich es: tatsächlich, unser Internet tanzte. Nicht nur unseres, sondern auch das Internet der Nachbarn.

Bevor Sie sich fragen, ob mit meinen Verkabelungen im Kopf noch alles in Ordnung ist, kann ich Entwarnung geben. Dazu muss ich ausholend erklären: Unser Internet wird bei uns auf dem Land vielerorts noch per Telefon-Freileitung ins Haus geliefert. In unserem Fall bringen die Kabel, die von Telefonmast zu Telefonmast gezogen sind, nicht nur das Telefon ins Haus, sondern heutzutage auch das Internet – und das Fernsehen!

Manchmal muss ich selber schmunzeln, wenn ich die vielen Freileitungen in der Nachbarschaft anschaue und mir vorstelle, dass aus etwas von vorgestern heute nicht nur das Telefon, sondern auch das Internet und das Fernsehen ins Haus kommt. Retro-­Style trifft Moderne! Es ist genau dieser Mix, der zu den ländlichen Dörfern unserer Region passt. Das Internet kommt aus dem alten Freileitungskabel. Grossartig! Und am Schneewochenende hat es sogar getanzt.

Der Schnee klebte sich so sehr an die Kabel, dass daraus eine dicke weisse Schneewurst wurde. Die Telefonkabel bogen sich gefährlich nach unten, so dass man sich bange fragen musste, ob das hält oder ob das reisst. Es hielt. Und dann fingen die dicken Schneewürste an zu tanzen. Sie gerieten in Schwingung. Nicht alle miteinander, sondern scheinbar wahllos und ohne äusseren Einfluss. Irgendwie hatte das eine Magie.

Die tanzenden Schnee-Telefonleitungen waren auch ein Thema in der Nachbarschaft. Nebst der bangen Frage, ob sie halten, fragte man sich, wieso die Drähte scheinbar spontan anfangen zu schwingen? Was bringt unsere Leitungen dazu, zuweilen ziemlich heftig Swing zu tanzen?

Eine Weile lang wurde gewerweisst. «Vielleicht beginnen sie zu schwingen, wenn wir im Heim-WLAN sind und ein WhatsApp senden oder empfangen?», fragte jemand. Also schickten wir einander eine Nachricht und tanzten einfach mit, wir unten mit den oben wieder schwingenden Telefon-Freileitungen: einen einmaligen und unvergesslichen «Schneewalzer».

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