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Lach- und Sabbergeschichten

Mein Freund Fredy lächelt und reckt sein verwintertes Gesicht in die Sonne. Auch ich lächle und mache dasselbe. Wir sitzen vor einem Gastrobetrieb beim Bahnhof an der Frühlingssonne. Ja, der Fredy und ich, wir haben uns ein gefühltes halbes Jahr nicht mehr gesehen. Seit mein Freund zum zweiten Mal Vater geworden ist, schaffen wir es nicht mehr, uns regelmässig zu sehen. Wir schreiben uns Kurzmeldungen per Smartphone. Ab und zu schickt er mir ein Foto vom Spielplatz, wo man sieht, wie hoch das Kind schon schaukeln kann.

Ob ich wisse, weshalb er mich unbedingt treffen wollte, will er wissen. Auf mein Kopfschütteln antwortet er: «Das letzte Mal hast Du in der Zeitung geschrieben, dass Du von Peter Maffay geträumt hast. Da bin ich erschrocken und hab mir gedacht, jetzt ist es nicht mehr gut mit ihm!» Wir lachen. Der Fredy kennt mich und meinen Musikgeschmack. Peter Maffay kommt darin nicht vor. Der Maffay Peter wird dieses Jahr 75, wusstest Du das?

Wir lachen, dann wende ich mich meinem Freund zu. Hör mal Fredy, jetzt haben wir uns ein halbes Jahr lang nicht gesehen und reden die ganze Zeit über Peter Maffay. Nach einem betretenen Schweigen plaudern wir die nächste Stunde über unser letztes halbes Jahr. Fredy erzählt mir Dinge über das Eltern-Sein, die neu sind für mich. Ich habe keine Kinder und offensichtlich keine Ahnung, was für Dramen sich da – nebst vielen Eltern-Glücksmomenten – auch noch abspielen können. Er spricht offen von seiner Überforderung, von nagender Verantwortung, ständiger Belastung, fehlendem Schlaf und dass sich dies alles negativ auf die Paarbeziehung auswirkt. Ernstes Thema, aber Fredy wäre nicht Fredy, wenn er nicht auch hier Witze reissen würde: Etwas ist komisch, mein Sohn sabbert, die Tochter hingegen nicht. Das hat er von Dir, necke ich ihn. Ich hätte doch einen Hund, sabbert der auch? Ich verneine. Sabbern täte er nicht, aber er verliert Haare, wir müssen ständig Staubsaugen. Und er putzt ständig um den Sohnemann.

Die Stunde mit mir habe ihm gut getan, sagt er. Den nächsten Zug sollte er erreichen, er muss die zwei Kids bei den Schwiegereltern abholen. Auf dem Telefon schaut er, wann und wo sein Zug fährt. Gleis 7 sagt er und wir verabschieden uns mit einer langen Umarmung. Gleis sieben, sage und singe ihm ins Ohr: «Über sieben Brücken musst du geh’n!»

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