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Diesmal kein «Billette, bitte!»

Es ist eine Situation, die ich schon viele Male beobachten durfte. Aber heute war es wieder besonders amüsant. Ich bin auf dem Weg nach Hause in die Telli. Also steige ich kurz nach halb 1 Uhr mittags am Aarauer Busbahnhof in Bus Nummer 2. Die Anzeigetafel zeigt drei Minuten bis zur Abfahrt an. Da steigt ein Mann in den Bus und setzt sich in ein Viererabteil. Seine langen Haare zu einem Rossschwanz gebunden, einen Hut auf dem Kopf, eine Sonnenbrille auf der Nase. Gilet und Namensschild mit Logo verraten, dass dieser Mann Buschauffeur ist und mit dem Bus ins Busdepot in der Telli fährt.

Er tippt eine Nachricht auf seinem Handy ein, ist vertieft und plant wahrscheinlich gerade seinen wohlverdienten Feierabend. Aber um ihn herum macht sich Nervosität breit. Ein junger Mann verlässt bei seinem Anblick sofort wieder den Bus. Ein weiterer reckt und streckt sich auf seinem Sitz, um den Mann besser zu sehen. Nervös blickt er zum Billettautomaten, wieder zurück zum Buschauffeur und zurück zum Automaten. Als der Bus brummend signalisiert, dass er bald losfährt, entscheidet er sich doch gegen den Automaten und verlässt panisch den Bus. Ihm folgt eine weitere Frau, die den Türöffner mehrmals hektisch drückt, um der Situation so schneller entfliehen zu können. Als sie aussteigt, nutzt eine andere Frau die noch offene Tür und steigt ein. Sie stellt sich neben der Tür hin, ihre Tasche neben sich auf dem Boden. Der Bus fährt los. Als sie ihren Blick durch den Bus schweifen lässt, erblickt auch sie den BBA-Angestellten. Hastig kramt sie in ihrer Tasche, nimmt ihr Portemonnaie hervor und löst am Automaten ein Ticket.

Der Buschauffeur bekommt von diesen Szenen nichts mit, er tippt ganz entspannt weiter auf seinem Handy. Mit meiner Sitznachbarin, die diese Szenen ebenfalls amüsiert beobachtet hat, tausche ich Blicke aus und wir müssen lachen. «Es ist so viel entspannter, mit einem gültigen Billett Bus zu fahren», sagt sie noch immer lachend. Und ich ergänze: «Und es ist so viel entspannter, wenn man den Unterschied zwischen Chauffeur und Kontrolleur erkennt.»

So ist der Bus Nummer 2 in Richtung Telli wahrscheinlich der Bus mit den wenigsten Schwarzfahrern. Und das einfach nur durch die Präsenz von Buschauffeuren und -chauffeusen, die in den Feierabend fahren.
Sarah Moll, Redaktorin

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